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Rechenzentrum, Netze, Endgeräte und Applikations-Support betroffen


10.09.2004 - 

Karstadt-Quelle gibt IT an Atos Origin ab

Zum 1. Oktober übernimmt Atos Origin wesentliche Teile des IT-Dienstleisters Itellium vom Karstadt-Quelle-Konzern. Die Übereinkunft sieht vor, dass die Sparten Rechenzentren, Netzbetrieb, Endgeräte-Support sowie Teile der Anwendungsbetreuung unter das Dach des französischen Serviceanbieters wechseln. Angaben zum Volumen und zur Laufzeit machten die Partner nicht. Die Marktforscher von Pierre Audoin Consultants (PAC) schätzen den Wert des Abkommens auf 150 Millionen Euro pro Jahr. Im Zuge der Auslagerung wechseln auch 900 Mitarbeiter in Form eines Betriebsübergangs zum neuen Arbeitgeber. Einige von ihnen beklagten gegenüber der COMPUTERWOCHE den schlechten Informationsfluss seitens der Geschäftsleitung.

Was die Partner offiziell als Verkauf deklarieren, ist de facto ein Outsourcing-Deal. Mehr als 90 Prozent der Jahreseinnahmen in Höhe von knapp 340 Millionen Euro erzielte Itellium im vergangenen Jahr mit dem Mutterkonzern.

Im Drittmarkt belief sich der Umsatz zuletzt auf lediglich 23,3 Millionen Euro. Etwa 7,5 Millionen davon konnte der IT-Dienstleister als Sublieferant von Lufthansa Systems mit IT-Services für den Reiseveranstalter Thomas Cook, ein Gemeinschaftsunternehmen von Karstadt-Quelle und der Lufthansa, erzielen. Ob dieser Vertrag künftig von Atos Origin weiter geführt wird, ist unklar. Während Itellium den Übergang des Thomas-Cook-Abkommens bestätigt, sagte eine Sprecherin von Lufthansa Systems, man sei von Itellium offiziell noch nicht über die aktuellen Ereignisse informiert.

Karstadt-Quelle war lange unentschlossen

Die Outsourcing-Entscheidung für Atos Origin beendet den Zickzack-Kurs, den Karstadt-Quelle in den vergangenen Monaten in Sachen Outsourcing verfolgte. Noch im Geschäftsjahr 2003 hatte Itellium eigenen Angaben zufolge viel in den Vertrieb für das Drittmarktgeschäft investiert und wollte diesen Kurs auch weiterverfolgen. Das Vorhaben wurde abrupt ad acta gelegt, als im März 2004 bekannt wurde, dass der Konzern Partner für zwei Joint-Venture-Modelle suche. Im Juli schließlich kündigte Vorstand Peter Gerard gegenüber den COMPUTERWOCHE an: "Wir werden den Infrastrukturbereich auslagern. Itellium wird als rein handelsorientiertes Beratungs- und Systemintegrationshaus bestehen bleiben. Der Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der Prozesse innerhalb des Konzerns."

Mit Atos Origin hat der mit wirtschaftlichen Problemen kämpfende Karstadt-Quelle-Konzern einen in Deutschland nahezu unbekannten Outsourcing-Partner gewählt. Unter rein finanziellen Gesichtspunkten ist die Wahl vermutlich attraktiv: In der Regel sind Neulinge bereit, dem auslagernden Unternehmen eine Markteintrittsprämie zu zahlen. Der IT-Dienstleister sucht schon seit längerem den Einstieg in den deutschen Markt und benötigt dazu lokale Servicezentren sowie Referenzen.

Im internationalen Geschäft ist Atos Origin dagegen eine etablierte Adresse. Rund 5,4 Milliarden Euro will das Unternehmen in diesem Jahr einnehmen, mehr als die Hälfte davon mit Outsourcing-Diensten.

Grundstein des schnellen Wachstums der vergangenen Jahre ist die Fusion des französischen Beratungshauses Atos mit Origin, dem IT-Dienstleister des niederländischen Philips-Konzerns, im Herbst 2000. Weitere Übernahmen, etwa von KPMG-Niederlassungen und der Sema Group, folgten. Die vielen Akquisitionen haben jedoch ihre Spuren in der Bilanz hinterlassen. Atos Origin drückten zu Jahresbeginn Schulden in Höhe von 720 Millionen Euro.

Abb: IT-Outsourcing-Anbieter

Unter den größten IT-Outsourcern in Deutschland schiebt sich Atos Origin nach dem Karstadt-Quelle-Deal auf Platz 6. Quelle: PAC