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08.10.1993

Kartellamt prueft Datex-P-Beschwerde des VTM Private Carrier ruegen Vertraege beim Telekom Designed Network

MUENCHEN (gh) - Knapp ein Jahr nach seiner Gruendung sieht sich der Verband der Telekommunikations- und Mehrwertdiensteanbieter (VTM) im Aufwind. Trotz erster Erfolge kritisiert die Interessenvereinigung jedoch weiterhin das Geschaeftsgebahren des Monopolisten Telekom. Wie rauh die Luft im Wettbewerb mit Netzdiensten nach wie vor ist, macht nun ein weiterer VTM-Vorwurf deutlich: Danach soll die Telekom ihre Kundschaft bei Vertraegen fuer das "Telekom Designed Network" (TDN) zu einer Ausschliesslichkeitsvereinbarung noetigen.

In einem jetzt veroeffentlichten zweiten Positionspapier ziehen die privaten Netzbetreiber ein erstes positives Fazit ihrer Verbandsarbeit. So habe Telekom-Chef Helmut Ricke nach langer Diskussion endlich einen Ombudsmann als Ansprechpartner in strittigen Faellen benannt, gleichzeitig haetten die konsequenten Forderungen einiger VTM-Mitglieder im Satelliten- bereich zu einer Lockerung der Zugriffsbeschraenkungen auf Uebertragungskapazitaeten sowie zu einer Reduzierung der Lizenzgebuehren gefuehrt.

Ministerium pfeift die Telekom bei Datex-P zurueck

Mit Genugtuung verfolgt man beim VTM aber vor allem die Entwicklung bei den paketvermittelten X.25-Services, wo der Telekom vor einigen Monaten in einer Studie die nicht zulaessige Quersubventionierung ihres Datex-P-Dienstes nachgewiesen werden konnte. Mittlerweile wird die Angelegenheit bei den zustaendigen Ministerien fuer Wirtschaft sowie Post und Telekommunikation beziehungsweise nun auch dem Bundeskartellamt geprueft; mit einer Entscheidung sei, so die VTM-Vorsitzende Candace Johnson gegenueber der COMPUTERWOCHE, "voraussichtlich in einigen Wochen zu rechnen". Dann muessen sich die Mannen um Helmut Ricke aller Voraussicht nach auf haertere Zeiten einstellen. Jedenfalls hat das Postministerium Johnson zufolge dem Bonner Carrier schon signalisiert, mit Grosskunden bis auf weiteres keine Datex-P-Vertraege nach altem Muster mehr abzuschliessen.

Aerger bei der Vertragsgestaltung steht dem Postunternehmen nun aber auch in Sachen Telekom Designed Network ins Haus. Bei der Vermarktung ihres Komplettangebotes fuer das Facilities Management arbeiten die Telekom-Verkaeufer offensichtlich - zumindest nach dem Geschmack des VTM - mit rueden Methoden. Zwar koenne man, so Johnson, "noch nichts konkret beweisen"; als erwiesen gelte aber, dass die Kunden sehr lange Bindungsfristen (fuenf Jahre und laenger) hinnehmen und ueber den Inhalt der Vertraege Stillschweigen bewahren muessen. Den Vogel abschiessen soll jedoch, wie es in dem VTM- Positionspapier heisst, eine De-facto-Ausschliesslichkeitsklausel, wonach TDN-Kunden nur noch Dienste der Telekom in Anspruch nehmen duerfen und somit die privaten Carrier aus dem Geschaeft seien. Wie schon im Datex-P-Geschaeft nehme es die Telekom auch bei der Trennung zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereich nicht allzu genau. So wuerden so gut wie alle TDN-Vertraege als Paketloesung saemtliche in Frage kommenden Telekom-Dienstleistungen beinhalten - also neben Datenverbindungen und -Anschluessen beispielsweise auch Telefonanschluesse. Konsequenz fuer die privaten Carrier: Sie sind nicht in der Lage, ein gleichwertiges Angebot zu erstellen.

Darueber hinaus koenne, so der VTM, nicht mehr ueberprueft werden, ob die Monopoldienstleistungen zu den Preisen angeboten wurden, die angeblich fuer alle Wettbewerber gelten. Der Telekom sei dadurch "Quersubventionierung innerhalb eines Vertrages moeglich".