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25.09.1992 - 

Rüde Geschäftspraktiken behindern den Wettbewerb

Kartellamt will Schritte gegen Microsoft einleiten

MÜNCHEN (jm) - Die seit zwei Jahren andauernden Untersuchungen der Federal Trade Commission (FTC) gegen Microsoft haben offensichtlich zu einem Ergebnis geführt: Die US-amerikanische Kartellamtsbehörde eröffnet möglicherweise schon im Oktober, spätestens jedoch Ende 1992, ein Verfahren gegen die Gates-Company.

Wie das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Business Week" in seiner Ausgabe vom 28. September 1992 unter Berufung auf eine "gutplazierte Quelle mit detaillierten Kenntnissen des anliegenden Falles" berichtet, sind sich die untersuchenden Rechtsanwälte in der Abteilung für Wettbewerbsangelegenheiten (Bureau of Competition) des FTC offensichtlich einig: Sie wollen den fünf für eine Rechtsmittelerhebung zuständigen FTC-Commissioners empfehlen, gegen Microsoft gerichtliche Schritte einzuleiten.

Prinzipiell können letztere zwar die Aufnahme eines Gerichtsverfahrens ablehnen. In der Praxis geschieht es jedoch nur selten, daß entsprechende Vorschläge der FTC-Anwälte ignoriert werden.

Nach den Informationen der Quelle begründen die Wettbewerbsschützer ihr Ansinnen zum Teil mit der massiven Marktmacht von Microsoft. Besonders mißfallen habe ihnen jedoch die rüde Art, mit der William H. Gates III potentielle Konkurrenten angeht: Die Rechtsbewahrer sehen in den Praktiken der Softwerker aus Redmond ein den Wettbewerb ausschließendes Verhalten.

Die Kartellbeamten glauben belegen zu können, daß Microsoft in der Vergangenheit bewußt Wettbewerber schädigte, ohne daß aus diesem Verhalten für Microsoft selbst oder für DV-Anwender ein erkennbarer Vorteil erwachsen wäre.

Von den größten Gates-Konkurrenten im Applikationssoftware-Bereich - Lotus, Wordperfect und Borland - war bis Redaktionsschluß keine Stellungnahme zu der neuen Qualität der FTC-Untersuchung gegen Microsoft zu erhalten.

Ursprünglicher Anlaß der schon im Juni 1990 eingeleiteten FTC-Untersuchung war eine von IBM und Microsoft gemeinsam abgehaltene Pressekonferenz auf der Herbst-Comdex am 13. November 1989. Seinerzeit offiziell noch in einer Entwicklungspartnerschaft, aber schon mit Trennungsgerüchten behaftet, sahen sich beide Unternehmen genötigt, der zunehmenden Verwirrung bei Anwendern über die Betriebssystem-Zukunft von OS/2 und Windows durch eine Stellungnahme entgegenzutreten.

Wettbewerbswidrige Absprache mit Big Blue

Gates verpflichtete sich damals in einer fünfseitigen Erklärung unter anderem, die Entwicklung von Windows auf dem Stand der ein halbes Jahr später präsentierten Version 3.0 einzufrieren. Damit sollte OS/2 als das Power-Betriebssystem der Wahl indirekt Unterstützung finden. Wie der Microsoft-Justitiar und Vice-President Bill Neukom damals erklärte, sah das FTC in dieser Presseerklärung eine wettbewerbswidrige Industrieabsprache (vgl. CW Nr. 12 vom 22. März 1991, Seite 1: "Monopolverdacht: US-Behörde untersucht...").

Allerdings weitete sich diese eng begrenzte Anschuldigung sehr bald aus: Verschiedene Independent Software Vendors (ISV) hatten sich beschwert, daß Microsoft alle APIs von Windows nur den eigenen Applikationsentwicklern bekanntmachen würde.

Argwohn bei der Microsoft-Konkurrenz erregte auch das jüngst veröffentlichte Buch "Undocumented Windows" der Autoren Andrew Shulman, David Maxey und Matt Pietrek.

In ihrem Werk benennen die Amerikaner über 100 System-Calls, die in Microsoft-Dokumentationen angeblich nicht offengelegt wurden, von Microsoft-Anwendungen wie "Excel" oder "Word" sowie "Visual Basic" aber genutzt werden.

Als Reaktion auf diese Anschuldigungen erklärte Microsoft ISVs gegenüber Anfang September 1992 zu 16 dieser Calls: Vier seien von Microsoft sehr wohl dokumentiert, sechs seien nicht aktuell genutzt, fünf hätten dokumentierte Äquivalente und ein Call sei schlicht nutzlos.