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Zukunftssichernde Features lassen zu wünschen übrig


23.10.1998 - 

Kasseler Marktübersicht: PPS nur mit Betriebsdatenerfassung

Uwe Geitner, verantwortlich für die Marktübersicht, hält nicht viel vom Trendthema Supply-Chain-Management. Im Prinzip handle es sich dabei um nichts anderes als den altbekannten PPS-Ansatz, der sich an der logistischen Wertschöpfungskette orientiert - allerdings scheinen sich mit Modebegriffen derzeit die Konferenzsäle besser füllen zu lassen.

Statt an Schlagworten orientiert sich der Wissenschaftler lieber an den in der Praxis beobachtbaren Trends. Dort stellt Geitner eine Wiederbelebung der Betriebsdatenerfassung (BDE) fest. BDE war angesichts der meist aus Fernost kommenden Themen wie Kanban, Just-in-Time und Lean Production ins Hintertreffen geraten. Einen Grund dafür sieht der Kasseler darin, daß der mit diesen Theorien assoziierte Idealfall in der Produktionsplanung und -steuerung kein BDE-System als weiteren Kostenfaktor oder als Streitobjekt mit dem Betriebsrat benötigt. PPS ohne BDE sei jedoch wie ein Fahrwerk ohne Räder, vergleicht Geitner. Es gehe nicht um die Überwachung von Mitarbeitern, sondern darum, die zufälligen Ereignisse in der Produktion mit aktuellen Zahlen kalkulierbarer zu gestalten.

Eine andere interessante Marktbeobachtung des Spezialisten und seines Kollegen Gernot Schäfer ist, daß der werkzeugbasierte Ansatz für PPS-Lösungen gegenüber dem anwendungsorientierten ê la SAP und Baan an Bedeutung gewinnt. Zwei namhafte Beispiele unterstreichen diesen Trend. Bei Oracle steht mit "Applications" zwar ein ähnlich mächtiges und teures System wie R/3 zur Verfügung, eine wichtige Rolle innerhalb der Standardsoftware entfalle jedoch auf die Datenbank und ihre Entwicklungswerkzeuge - somit also auf die Manipulierbarkeit der Software. Noch deutlicher sei diese Tendenz bei Microsoft erkennbar. Mit den Tools von "Access" und "SQL Server" - "Excel" war ohnehin schon immer eine im PPS-Umfeld beliebte Anwendung - könne sich der Anwender schon eine ganze Reihe an Programmen "zurechtbiegen". Ein für klassische PPS-Anbieter typisches Beispiel sei auch CAI, das sein Angebot von einer fertigen Standardlösung zu einem Werkzeugkasten umgestellt hat.

Das in diesem Zusammenhang häufig strapazierte Schlagwort der Objektorientierung sei allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die PPS-Praxis bewege sich außerhalb der reinen Objektorientierungslehre für Analyse, Design und Programmierung. OO bedeute in den meisten Fällen, daß der Code in einer Sprache wie C++ oder Java geschrieben ist, was dem Programmierer zwar entgegenkommt, dem Endanwender letztlich aber nicht mehr bringt als eine einfach bedienbare Oberfläche. Programme den eigenen Bedürfnissen anpassen kann er dagegen nicht.

In der statistischen Auswertung der Herstellerbefragung kommen Geitner und Schäfer zu einer umfassenden Markteinschätzung. So soll die Zahl der PPS-Anbieter in Deutschland rückläufig sein, und das, obwohl die aus den USA hinzugekommenen Firmen berücksichtigt wurden. Allerdings ist eine deutliche Verjüngung des Angebots zu verzeichnen, was Geitner auf den Einfluß neuer Programmier-, Datenbank und Betriebssystem-Konzepte zurückführt. Bei letzteren beispielsweise zeigt sich inzwischen ein massives Übergewicht von Windows-basierten Produkten, während die Zahl der Unix-PPS-Systeme seit Jahren auf dem gleichen Stand bleibt. Eine leichte Zunahme wird allerdings auch im AS/400-Markt registriert. Bei den Datenbanken baut Oracle seinen Vorsprung gegenüber Informix aus, einen Blitzstart legt Microsofts SQL Server hin.

Als große Überraschung wertet Geitner das mangelnde Angebot an Funktionen, mit denen die sogenannte Zukunftssicherheit der Produkte gewährleistet sein soll. Knapp die Hälfte der BDE-Anbieter haben noch keine Jahr-2000-Lösung in Form einer vierstelligen Jahreszahl parat. Bei den PPS-Systemen sind es über zehn Prozent, ein Umstand, der nach Meinung der Experten völlig unverständlich ist.

Bei der Euro-Unterstützung sehe es noch schlimmer aus, dabei sei allerdings in Rechnung zu stellen, daß einige PPS-Lösungen ohnehin über keine kaufmännischen Funktionen verfügen. Die schleppenden Aktivitäten der Anbieter in Sachen Internet-Fähigkeit sollen das Verhalten der Anwender widerspiegeln, die insgesamt eher zögerlich auf das Medium zugehen. Geschäftsprozeßplanung (Orgware) und Geschäftsprozeßsteuerung (Workflow) werden immerhin von 40 Prozent der Anbieter offeriert.

Bei der Preisstruktur stellen die Kasseler wie schon in der vergangenen Marktübersicht einen deutlichen Anstieg des Niveaus fest. Der Schwerpunkt liege derzeit bei 40 000 bis 250 000 Mark. Lediglich bei BDE-Systemen sei eine leichte Kostenabnahme zu verzeichnen, was auf den stärkeren Einfluß der Hardware zurückgeführt wird.

Die Marktübersichten für PPS und BDE werden vom Verlag Managementwissen Zukunft GmbH in Remseck am Neckar angeboten (www.vmwz.de). Sie liegen jeweils in einer Light-Version mit Grob-Auswahlkriterien für 700 Mark vor sowie als Vollversionen auf CD-ROM mit detailliertem Kriterienkatalog für 1500 Mark.