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17.11.1995

Kasseler Universitaet befragt Manager zur Prozessoptimierung Zentrale Unternehmens- und IT-Strukturen geraten ins Abseits

MUENCHEN (CW) - Prozessorientierte Reorganisation hat sich in den vergangenen Jahren zum Dauerbrenner unter den Management-Ansaetzen entwickelt. Ein wesentliches Kennzeichen von Re-Engineering- Projekten ist eine Aufloesung von zentralen Verwaltungs- und DV- Strukturen, fand die Universitaet Kassel durch die Befragung von Entscheidern in deutschen Unternehmen heraus*.

Signifikant bei prozessorientierten Reorganisationsmassnahmen ist die zunehmende Verbreitung von "offenen/heterogenen/ Client- Server-Systemen". So existierten vor der Restrukturierung in ueber 40 Prozent der befragten Unternehmen solche Systeme gar nicht. Nach dem Wandel lag der Prozentsatz derjenigen, die immer noch nicht auf vernetzte Systeme setzten, unter 20.

Die Auswertung der Universitaet Kassel erfolgte auf der Basis von 409 Frageboegen. Auskunft erteilten ueberwiegend Inhaber, Vorstandsmitglieder, Bereichs- und Abteilungsleiter von Unternehmen unterschiedlicher Groesse und aus verschiedenen Branchen. 159 der antwortenden Unternehmen gaben an, bereits ein prozessorientiertes Re-Engineering-Projekt durchgefuehrt zu haben.

Eindeutig ist der durch die Client-Server-Technik gestuetzte Trend zur Dezentralisierung der Informationstechnologie. Zwar ist die DV noch in 33,7 Prozent aller Faelle zentral organisiert, doch in der Mehrzahl (48,9 Prozent) wird sie fuer eine Dezentralisierung von Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnissen eingesetzt. Dabei glauben 43 Prozent der Befragten, ihre IT-Struktur sei flexibel genug fuer kuenftige organisatorische Veraenderungen; 23 Prozent meinen dagegen, ihre DV reiche dafuer nicht.

Die Kasseler Universitaet fragte die Manager auch nach den Gruenden fuer prozessorientierte Reorganisationsmassnahmen. Einem weitverbeiteten Vorurteil zufolge nehmen insbesondere deutsche Unternehmen erst dann Veraenderungen vor, wenn sie in der Krise stecken. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass lediglich 27 Prozent (von 159 Unternehmen) in dieser Phase zum Instrument der Prozessoptimierung griffen. Der ueberwiegende Teil reagierte bei einer guten Unternehmenslage (19 Prozent), wenngleich bereits Probleme erkennbar waren (51 Prozent).

So konnten die Betroffenen zwar auf eine Verbesserung ihrer Konkurrenzsituation und Innovationsfaehigkeit hoffen, entscheidend fuer die Initiative zur Prozessoptimierung blieb jedoch die Orientierung an den Kundenbeduerfnissen. Die relativ hohen Erwartungen, die die Befragten hinsichtlich der Prozess- und Gesamtkostenreduktion sowie in bezug auf Qualitaetsverbesserung und Durchlaufzeitverkuerzung aeusserten, erfuellten sich nur knapp. Dagegen wurden die Hoffnungen auf eine staerkere Kundenorientierung sogar uebertroffen.

Die Auswertung der Frageboegen gibt nicht nur Auskunft ueber Zielsetzungen und Erfuellungsgrade, sondern auch Hinweise auf die Erfolgsfaktoren. Neben der DV zaehlen die Befragten die Unterstuetzung durch die Geschaeftsleitung und das Einbeziehen der Mitarbeiter dazu. Doch die Mitarbeiter haben haeufig Angst vor Ueberforderung, ungewollter Transparenz und damit einhergehender Kontrolle. Ausserdem fuerchten sie trotz anderslautender Ziele durch Business Re-Engineering auch die Beschneidung ihrer Befugnisse.

Um die Situation in den Betrieben zu entschaerfen, greifen die Firmen gern auf externe Berater zurueck. Die Entscheider glauben, wie die Befragung belegt, dass diese eine "neutrale" Stellung innehaben (14 Prozent) und zudem nicht "betriebsblind" (32 Prozent) sind. Die Gartner Group schaetzt den Markt fuer Business- Re-Engineering-Beratungen bis zum Jahr 1999 auf 8,7 Milliarden Dollar. Allerdings verweisen 11,8 Prozent der Manager auf schlechte Erfahrungen.

*Die unter der Federfuehrung von Diplomoekonom und Diplom- Wirtscaftsingenieur Peter Hohberger, Doktorand am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Gesamthochschule Universitaet Kassel, entstandene Studie soll im Mai kommenden Jahres auf den Markt kommen.