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20.11.1987 - 

Unternehmerische Erfolgsfaktoren und Informationsverarbeitung verknüpfen:

Kassenwart der Informationswirtschaft

Mit Wolfgang König, Wirtschaftsinformatiker und Rektor der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz, sprach CW-Redakteur Wolf-Dietrich Lorenz.

- Nicht mehr die herkömmlichen DV-Protagonisten stehen seit einiger Zeit im Mittelpunkt, vielmehr dreht, sich die Diskussion um ein neues Berufsbild: den Informations-Manager. Dabei herrschen bisher nur vage Vorstellungen vor, wie dessen Aufgabengebiet und hierarchische Stellung im Unternehmen aussehen werden. Ist Informationsmanagement also bisher nur ein schillerndes Schlagwort?

Wenn Sie den Status quo betrachten, ist Informations-Management sicherlich häufig ein Schlagwort. In der universitären Diskussion hat Informations-Management aber bereits Konturen gewonnen: Information als Ressource und als Produkt, als strategisches Objekt eines Unternehmens wird mehr und mehr an Gewicht gewinnen. Als Beispiel kann der Werkzeugmaschinenbau dienen. Anbieter können auf dem Weltmarkt nicht mehr mit der reinen Maschine konkurrieren, sondern nur, wenn sie den Informationsteil permanent erhöhen, beispielsweise durch Fernwartung oder integrierte Systemlösungen. In Japan spricht man in dieser Hinsicht schon von sogenannten wissensbasierten Industrien. Das wird sicherlich auch auf Unternehmen bei uns in Kürze durch einen breiteren Einsatz der Techniken wie Computer Aided Design, Computer Integrated Manufacturing oder Computer Integrated Management zutreffen.

Gelingt es hierzulande, die strategische Rolle der Information zu beachten und anzuerkennen, ist es nur ein logischer Schritt, auch die Bewirtschaftung der Information vorzunehmen. In den USA ist in breiter Front, in Praxis wie Wissenschaft, eine solche Bewegung zu erkennen. Eine Aufgabe des Informations-Managements im Unternehmen ist, zielgerichtet Informationskosten und -erlös gegenüberzustellen.

- Gibt es schon Personen, die Informationen in dieser Art zielgerichtet erstellen?

Grundsätzlich zeigte eine kürzliche Umfrage, daß es diese Funktion noch nicht gibt. Wohl aber ist die Problematik erkannt worden. Eine Unternehmensberatung meinte, der "Informations-Manager" sei noch nicht gesucht worden. Eine Bank stellte fest: Wir haben derzeit kein eigentliches Informations-Management. Das Beispiel eines Informationstechnik-Herstellers ließ erkennen, daß Informations-Management in reiner Form noch nicht existiert. Allerdings, hieß es, sei in diesem Unternehmen jeder Mitarbeiter aufgefordert, seine Informationen aus dem weltweiten Informations-Netz selbst zusammenzustellen.

Das Fazit bezüglich der Differenz zwischen der akademischen Forderung und der Realität kann lauten: Praktiker sind froh, wenn sie die gegenwärtigen Probleme der Informationstechnik einigermaßen beherrschen. In neue Problembereiche mit unternehmensweiten Auswirkungen wagt man den Schritt bisher nicht. Ich zitiere dazu die besagte Großbank: Im Informationsbereich ist alles im Aufbruch. Dabei handeln wir doch vornehmlich mit Informationen.

- Wie beurteilen Sie jene Empfehlung, Mitarbeiter sollten als Informations-Manager im kleinen fungieren?

Jedermann klagt derzeit, daß er für die Entscheidung wichtige Informationen nicht besitze, aber mit Daten überhäuft werde. Wäre jeder Mitarbeiter sein eigener Informations-Manager, wäre er wie bisher gezwungen, diffizile Interpretationsaufgaben vorzunehmen - sicher ein höchst unwirtschaftliches Vorgehen. Wir müssen also Strukturen entwickeln, um aus Datenfriedhöfen für Verwendung und für Verwender angepaßte Informationen zu liefern. Jenes Angebot, jene Logistik herzustellen, um jeden einzelnen nach seinen Bedürfnissen und nach seinen Funktionsanforderungen zu befriedigen, ist eine weitere Aufgabe eines Informations-Managers.

- Wie läßt sich sein Tätigkeitsfeld beschreiben?

Als erstes muß er unternehmensweit - in der Fach- wie auch DV-Abteilung - Sensibilität für den Unterschied zwischen Daten und Informationen schaffen. Weiter ist der Informationsbedarf für Abteilungen und Individuen zu spezifizieren, zu integrieren sowie zu standardisieren, um daraus ableiten zu können, welche Informationstechnik einzusetzen ist. Die Kosten- und Erlösrechnung, und damit also eine vernünftige Wirtschaftlichkeit der möglicherweise autonomen Informationsbewirtschaftung, ist dabei schon frühzeitig sicherzustellen. Der Informations-Manager wird nicht im ersten Wurf dieses Problem lösen können.

- Wer ein eigenes Profitcenter betreiben will, muß im Unternehmen Kompetenzen besitzen. Wo sollte der Informations-Manager in der Hierarchie angesiedelt sein?

In informationsträchtigen - wissensbasierten - Industrie-Unternehmen sollte ebenso wie in entsprechenden Dienstleistungsbetrieben der Informationsmanager Vorstandsmitglied sein, zumindest aber sollte sein Weg in die Top-Etage bereits geebnet sein.

- Führungsentscheidungen lassen sich auf verschiedene Weise treffen - als Organisator, Koordinator, Interpretator - oder Diktator. Wo wurden Sie den Informations-Manager einordnen?

Sicherlich ist er kein Diktator. Die Erfahrung aus dem Bereich der Informationsverarbeitung zeigen uns, daß wir im Team arbeiten müssen. Auch der Informations-Manager wird nicht die ganze Bandbreite des planerischen, technischen, organisatorischen und koordinierenden Wissens in sich selbst vereinigen.

Er ist in Teilen Planer, Koordinator sowie Organisator. Doch diese Kategorien beschreiben seine Funktion nur unvollständig. Der Aufbau einer Informationslogistik bedingt radikale Veränderungen der Organisations- und Koordinations- sowie der Führungsstruktur. Wichtige Punkte sind daher Sachgestaltung und Mitarbeiterführung. Der Informations-Manager muß Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähigkeit für das Unternehmen, für den Mitarbeiter wie auch für die Gesamtgesellschaft besitzen. Seine Aufgaben lassen sich im weiten Sinn nicht auf klassisch-technische Strukturen und naturwissenschaftliche Phänomene reduzieren. Gilt es doch, den sozialen Frieden bei der geeigneten Nutzung des Fortschritts zu bewahren.

- Sind Schnittstellenkonflikte mit DV-technischen Bereichen, wie beispielsweise CIM, Bürokommunikation oder auch IDV, nicht bereits vorgegeben?

CIM wie auch Office-Automation oder Benutzerservice interpretiere ich als Instrumente des Informations-Managements. Die Verantwortung für Produktion, Verwendung und Vertrieb von Informationen trägt der Informations-Manager. Er hat dabei die Wahl, welchen Weg er gehen will.

- Wird eine solche Leitfigur mit herkömmlichen Managementbereichen in Konflikt geraten?

Es ist eine Aufgabe des zukünftigen Informationsmanagers, diese Schnittstellenproblematik zu begreifen, frühzeitig anzugehen und zu versuchen, solche Erschütterungen mit überzeugenden Konzepten zu dämpfen. Sollte er die Schnittstellenproblematik nicht bewältigen, werden Reibungen auf sein Konto, nicht auf das der Traditionalisten verbucht. Ein Strukturwandel wird sicher Schleifspuren hinterlassen. Es liegt vornehmlich beim Informations-Manager, diese Aspekte proaktiv in den Griff zu bekommen.

- Welche Werkzeuge muß ein Informations-Manager einsetzen?

Wissenschaft wie Praxis sind bisher über die Beschreibung des Funktionsprofils noch nicht sonderlich weit hinausgekommen. Der Werkzeugkasten eines Informations-Managers soll Methoden enthalten, um Technology Assessment und Informationsbedarfsanalyse zu betreiben oder auch eine Informationslogistik zu gestalten. Die Methoden sind grundsätzlich rudimentär vorhanden. An informationstechnischer Unterstützung, etwa Werkzeugen auf Rechnern, insbesondere auf grafikfähigen PCs, um eben diese Funktionen wahrnehmen zu können, mangelt es bisher aber. Wissenschaft und Industrie haben die informationstechnische Basis noch bereitzustellen. Der Methodenkasten als solcher kann sicherlich an die Wand gezeichnet werden, aber er muß gefüllt werden.

- Läßt sich die Ausbildung eines Informations-Managers skizzieren?

Ist der Methodenkasten schon dünn bestückt, weist auch der gesamte Ausbildungsbereich ein dementsprechendes Bild auf. An dieser Stelle möchte ich deshalb Forderungen aufstellen, die die Richtung weisen können. Zum einen gehört fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen dazu, schließlich hat der Informations-Manager Ergebnisverantwortung. Zum zweiten muß er natürlich all diejenigen Informationstechniken beherrschen, die den Erfolg absichern, also sind Wirtschaftsinformatik und wichtige Bereiche der Kerninformatik für ihn von Belang. Expertensystemtechnik sollte beispielsweise eine geläufige Größenordnung sein, ebenso wie Endbenutzertechniken, Kommunikationsnetzwerke und die Online-Datenbanken.

Jetzt kommt das Neue. Wenn Information als strategischen Faktor begreift, muß er eine strategische Denkweise aufbauen und sie mit Methoden in die unternehmerische Praxis umsetzen können. Es ist notwendig, die Verknüpfung zwischen unternehmerischen Erfolgsfaktoren und dem Einsatz der Informationsverarbeitung herzustellen.

- Welche Rückschlüsse ziehen Sie für die akademische Lehre?

An bundesrepublikanischen Universitäten muß man begreifen, daß ein Informationsmarkt besteht. Deshalb sollte an ihnen gelehrt werden, einen Informationssystem-Entwurf genauso selbstverständlich zu gestalten wie bisher den traditionellen Datenbankentwurf. Logisch vorgeschaltet hierzu ist jedoch noch die strategische Planung der betrieblichen Informationsverarbeitung sowie die Planung strategischen Informations- und Unterstützungssysteme. Bisher sind diese Aspekte als Lehrdisziplin kaum vorhanden. Unternehmen werden wohl auf vorhandene Erfahrung und fähige Leute setzen müssen, die in die Aufgaben des Informations-Managements hineinwachsen. Diese müssen dabei aber mit so viel Kompetenz und Rückenstärkung ausgestattet sein, daß sich auch einmal Durststrecken und Rückschläge überwinden lassen.

- Zu dem Background zählt also neben fachlicher auch persönliche Kompetenz. Wie wurden Sie das Persönlichkeitsprofil des Informations-Managers konturieren?

Ein Zitat aus der bereits zitierten Umfrage dazu lautet: Er muß ein Genie sein. Ich möchte es nicht so fatalistisch sehen. Denn wir haben eine gute Chance, das Profil für diesen Multifunktionsjob in die Tat umzusetzen. Das Persönlichkeitsprofil des Informations-Managers muß auf der fachlichen Seite mehr aufweisen als nur die Beschränkung auf High-Technology. Ebenso sollte Information nichts Abstraktes bleiben. Es kann sicherlich auch niemand sein, der nicht über ausreichende Führungserfahrungen und Gestaltungskraft verfügt.

Zudem ist Gespür für Wissenschaft und Forschung, der Wille zum Betreten von Neuland gefragt. Insofern ist es sicherlich ein Multifunktionsmann, der hier gefragt wird.

- Die bisherigen Fachleute der Informationsverarbeitung sind die Org./DV-Leiter. Sind sie auch die kommenden Informations-Manager?

Wenn ein solcher Org./DV-Leiter in der Lage ist, diese neuen Herausforderungen zu begreifen und sie im Arbeitsalltag umzusetzen - wenn er sich dieser Herausforderung stellen möchte und die Kapazität dazu aufweist, ist das sicherlich eine gute Lösungsmöglichkeit. Er wird viel dazulernen müssen, er wird auch Rückschläge erleiden, er wird also eine neue Qualität von Herausforderung spüren.

- Man sagt, es gebe den Typ des Unternehmers. Gibt es eigentlich auch den Typ des Informations-Managers?

Es gibt sicherlich den Typus, der jenen Kriterien entspricht, die wir diskutiert haben. Den Typ des Informations-Managers gibt es nicht; man wird Informations-Manager.

Statt Datenfriedhöfe für Nutzer angepaßte Informationen liefern.

Zielgerichtet Informationskosten und -erlös gegenüberstellen.

Für den Org./DV-Leiter eine neue Qualität der Herausforderung.