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31.01.1975 - 

Rollentausch: Vom Stiefkind zum Liebkind der EDV?

Katalysator zwischen Sach- und EDV-Bereich

Die Datenerfassung gilt nicht mehr als lästiges Übel, Niederung oder Flaschenhals der Datenverarbeitung. Sie wird heute als Katalysator zwischen Sach- und DV-Bereich verstanden, der den Partnern der Rechenzentren aufgabenfremde EDV-Zwänge ersparen soll.

Exclusiv für CW, von H. F. W. Schramm

Der Sprachgebrauch eilt manchmal auch der Computerpraxis den Tatsachen voraus, besonders dann, wenn er mit Marktzielen verheiratet wird. So nehmen zur Zeit einige Peripherie-Produzenten vom Begriff "Datenerfassung" Abschied und möchten ihn gern durch "Datenvorverarbeitung" ersetzen. Hintergrund dieses Wunsches sind die passablen Fähigkeiten von Peripheriesystemen, die größtenteils gerade aus der Taufe gehoben wurden. Das Wort "Peripherie" drückt dabei die Vielfalt von peripheren Aufgaben aus, welche die Systeme erfüllen können.

Mit komplexen Systemen dieses Stils wird sich die Fachwelt etwa im Inforex-Programm vertraut machen können. Entsprechende Erweiterungen stehen auch beim Nixdorf-System 614 ins Haus und Philips präsentiert in diesen Tagen erstmals das Updata-Konzept Bei erfolgreichen Konzernen der Computer-Industrie hat man - teilweise trotz Vorhandenseins anderer Produkte - den Verdacht, daß sie immer noch nicht mit den gestandenen Lochkartenleuten in ihren Häusern fertig werden und nur wenig von Computer-Intelligenz im Vorfeld der Datenverarbeitung halten.

Abschied von der Lochkarte?

Auch in der Datenverarbeitung wird der Entwicklungsstand letztlich nicht durch Pioniersysteme charakterisiert. Die bleibende Diskrepanz zwischen IST und SOLL, Produktstandard und Praxisausrüstung ist wesentlich sicherer zu prophezeien als jeder Fortschrittstrend. Die Entwicklungen im Vorfeld der Datenverarbeitung sind jedoch längst transparent. Kein Fachbeobachter kann davon ausgehen, daß sie auf den vollständigen Abschied von der Lochkartenära hinauslaufen werden. Aber der älteste Datenträger wird ebenso eindeutig in diesen Jahren seine dominierende Rolle einbüßen. Er verliert sie an jüngere Datenerfassungsmethoden.

Seit etwa 1965 ist die Entwicklung weiterführender Datenerfassungs-Methoden und -Techniken in starker Bewegung, die den Anwendern eine lange Palette von Vorteilen versprechen: Mehrleistungen in der Datenerfassung und -verarbeitung, flexiblere Organisation im Sachbereich, Fehlersicherheit durch Automatisierung und Programmkontrollen, umweglose Umsetzung von Ursprungs- in Verarbeitungsdaten usw. Zu den Hauptproblemen gehört längst nicht mehr der Zweifel, eine Datenerfassungstorm zu finden, die solche Mehreffekte im Einklang mit branchen- oder unternehmensspezifischen Bedingungen bietet. Das Hauptproblem liegt in der enormen Vielfalt eines Angebots, das verschiedenartige Gerätefunktionen auf immer wieder andere Weise miteinander verknüpft und in diesem Stil eine unüberschaubare Modellfülle enthält.

1:1-Umstellungen

Im Reorganisations- und Beschaffungsprozeß kann heute kein Unternehmen mehr von den hier gebotenen technischen Möglichkeiten her planen. Es muß sich allein von seinen Problemen her an die erforderliche Technik herantasten. Gerade dieser Zwang läßt die Weiterentwicklungen in der Anwendung immer wieder im Vergleich zur Technik ins Hintertreffen geraten und ist die Hauptursache für den gebremsten Fortschritt: Die Systeminnovation beim Anwender orientiert sich allzustark am IST-Zustand. Beim Übergang von einer lochkartenorientierten Organisation auf die heute siegreichste Alternative, auf Magnetkodierung, kommt es zu über 90 Prozent zu sogenannten 1:1-Umstellungen.

Reserven liegen brach

Hier bietet also die Datenorganisation (Satzformatisierung und Art der Felddefinition) weiterhin das aus der Lochkartenerfassung gewohnte Bild, es werden nur die technischen Mehrleistungen der neuen Hardware ausgenutzt: geräuschloses Arbeiten, "zeitloses" Feldspringen und -duplizieren, Plausibilitätskontrollen, Nummernprüfungen und Bedienerführungen per Bildschirm. Brach liegen dann Leistungsreserven, die etwa auf ein konsequente Ausnutzung der nun verfügbaren hohen Datensatzkapazität zurückgehen; sie läßt den Verzicht auf viele Ordnungs- und Identifikationsbegriffe zu und macht zum Beispiel den oft lohnenden Übergang auf variable Feldlängen und/oder Feldschlüssel interessant. Im ersten Falle ist mit einem Leistungsgewinn von 20 Prozent zu rechnen, im zweiten pegelt er sich Immer wieder auf mehr als 40 Prozent ein. In der problematischen Angebotsanalyse finden die Praktiker bislang nur geringe Hilfe in der Fachliteratur. Die Systemoptimierung im Rechenzentrum gilt noch immer als viel attraktiver. Die Entwicklung von Formatprogrammen, die in der klassischen Datenerfassung die Hauptrolle gespielt hat, tritt seit dem letzten Jahr nun immer mehr in den Hintergrund.

Zubringer fürs RZ

Die höheren Software-Mühen für die sogenannten "intelligenten" Peripheriesysteme mögen zunehmend auch die Systemimplentierung in die Hände erfahrener EDV-Systemfachleute lenken. Das Feedback besteht dann in einem beschleunigten Entwicklungstempo. Auch darin, daß ein neues Verständnis für die Aufgaben im Vorfeld der Datenverarbeitung heranreift.

Traditionell ist die Datenerfassung als Zubringer fürs Rechenzentrum verstanden worden. Nicht zuletzt aus dieser Einstellung sind die vielen Organisationen zu erklären, in denen bis in die Termine und Belegentwürfe hinein die Bedingungen des Rechenzentrums den Ton angeben. Die Sachbearbeiter müssen dann ihre eigenen Jobs nach Prioritäten planen, welche der EDV angenehm, ihnen selbst aber aufgabenfremd sind.

Verständigungszwänge

Erst Datenerfassungssysteme jüngerer Technik ermöglichen eine sinnvollere Praxis. So können etwa durch Reformatisierungs-Programme bei einigen Datensammelsystemen die Datensätze in den Erfassungsbelegen vollständig nach den optimalen Bedingungen der Sachbereiche dargestellt und ausgewertet werden. Beim Überspielen von der (Zwischenspeicher)-Platte auf Magnetband entstehen dann trotzdem Aufzeichnungen, die das EDV-system verarbeiten kann. Die gleiche Möglichkeit sollte sich auch in der dezentralen Datenverarbeitung mit Terminals realisieren lassen. Hier schaffen es oft ein hoher Schulungsaufwand und eine strenge Personalauslese nur unvollkommen, die Bediener in die Verständigungszwänge einzuweisen, die nun einmal mit Computern beachtet werden müssen. Um wieviel einfacher wäre es, wenn die Sachkräfte sich mit dem EDV-System in gewohnter Sprache und nach eigenen Regeln verständigen können. Die Datenerfassung liegt an der Schnittstelle zwischen Nutznießern und Insidern der EDV. Sie ist deshalb organisatorisch, technisch und personell am besten geeignet, als Katalysator zu wirken.

Herbert F.W. Schramm ist freier EDV-Journalist und Autor des Buches "Peripherie im Mittelpunkt".