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22.01.1999 - 

Kauf von Netzequipment ist Vertrauenssache

Kauf von Netzequipment ist Vertrauenssache Die Spitzenpositionen besetzen wenige Hersteller

MÜNCHEN (CW) - Der Kauf von Netz-Equipment ist Vertrauenssache. Immer mehr bestimmen deshalb weiche Faktoren wie Image, Zukunftsvision etc. die Kaufentscheidung. Eine Momentaufnahme beleuchtet die Positionierung der wichtigsten Player im Networking Business. Dabei zeigt sich: Die Position von Cisco ist nicht mehr ungefährdet.

Der Kauf von Netzprodukten gerät mehr und mehr zum Glaubenskrieg. Weil kaum ein Anwender in der Lage ist, im eigenen Labor einen Router oder WAN-Switch auf Herz und Nieren zu prüfen oder die Leistungdaten objektiv zu verifizieren, bestimmen mehr und mehr Imagefragen die Entscheidung. Zumal in Anbetracht schneller Innovationszyklen für die Anwender eher die Frage zählt, ob der gewählte Hersteller noch in drei bis fünf Jahren existiert und damit einen Investitionsschutz gewährleistet. Oder, ob der Partner von einst, später einen Migrationspfad zu neuen Technologien offeriert.

Vor diesem Hintergrund haben die Gartner Group sowie die CW- Schwesterpublikation "Network World" die wichtigsten Networking- Player unter die Lupe genommen. Während die Fachzeitschrift ihre Einschätzung an qualitative Fragen wie Produkt-Portfolio, Allianzen, Marktstellung etc. aufhängt, stützt sich die Gartner Group auf ihr bekanntes magisches Viereck. Im Rahmen dieses Vierecks bewerten die Analysten die Vision und die Möglichkeit eines Unternehmens, diese umzusetzen sowie seine Zukunftsorientierung und gegenwärtige Marktstellung.

Positive Noten vergeben die Analysten nach einer langen Durststrecke wieder an Novell. Nachdem das Unternehemen im letzten Jahr unter der straffen Führung von Eric Schmidt seine Hausaufgaben gemacht hat, sehen die Con- sultants die Zukunft der Netzwerker wieder rosig. Auf der Haben-Seite stehen neue Partner (wie die Hersteller von Applika- tionsservern etc.) sowie die Fokussierung auf das Kerngeschäft. Mit den Novell Directory Services sowie dem Managing Tool "Zenworks" hat die Company zwei Asse im Ärmel.

Trotz der erfreulichen Entwicklung in jüngster Zeit, droht Novell nach wie vor die Gefahr, von Microsoft überrollt zu werden. Deshalb ist es für die Netzwerker von essentieller Bedeutung, Unternehmen wie beispielsweise Lotus nicht nur davon zu überzeugen, daß sie weiterhin Produkte für Netware entwickeln, sondern auch die Novell Directory Services (NDS) unterstützen. Viel Zeit hierfür bleibt CEO Eric Schmidt aber nicht, denn die Branchenkenner sind sich im großen und ganzen einig, daß sich Windows 2000 (bisher besser bekannt als Windows NT 5.0) trotz voraussichtlich zahlreicher Bugs wahrscheinlich sehr gut verkaufen dürfte. Angesichts der Marktmacht von Microsoft stellt dies nur einen schwachen Trost dar.

Im Vergleich zu Novell sitzt 3Com fest im Sattel. Während Cisco als Großmacht das Herz der Netze kontrolliert, patrouilliert 3Com mit seinem Angebot an Mobile-Networking-Produkten sowie Hubs und Netzadaptern an den Grenzen der Netze.

Entsprechend kommt das Gros der 3Com-Anwender aus dem LAN-Umfeld in kleineren Firmen. In großen Unternehmen konnte der Hersteller dagegen bislang nur wenige Brückenköpfe besetzen, zumal die Produkte des Unternehmens zum gutteil beliebig gegen die Ware von Wettbewerbern austauschbar sind. Der Taiwan-Importeur um die Ecke bietet oft gleiche Funktionalität zum niedrigeren Preis. Ähnlich wie Novell ist 3Com deshalb auf starke Partner angewiesen, wenn das Unternehmen seinen bisherigen Expansionkurs fortsetzen und sich als Solution-Provider profilieren will.

Hierfür stehen die Chancen nicht schlecht. So hat 3Com in Qualcomm und Motorola Verbündete für eine Funkversion des eigenen Palmtops gefunden, um so Microsofts Windows-CE-Angriff auf das Mobile- Computing abzublocken. Auch im Kern des Networking-Geschäfts steht 3Com nicht alleine da. Gemeinsam mit Newbridge und Siemens wurde eine Allianz geschmiedet, die Anwendern ein durchgängiges Produktportfolio bieten kann. Zudem pflegt 3Com durch die Übernahme von U.S. Robotics (Modems etc.) nun gute Kontakte zu Carriern und Internet-Service-Providern.

Gemeinsam mit Siemens und Newbridge könnte 3Com die Kontakte nutzen, um die Vormachtstellung von Cisco im Router-Markt zu brechen. Noch dominiert der Gigant jedoch unangefochten den Router-Markt. Eine Vormachtstellung, die das Unternehmen vor allem seinen treuen Kunden zu verdanken hat: So tragen sieben von zehn verkauften Routern heute das Cisco-Label. Noch extremer ist der Vorsprung im Segment der High-end-Router. Hier stammen vier von fünf Geräten aus dem Hause Cisco.

Angesichts dieser Marktdominanz scheint es zumindest fragwürdig, ob einer der Konkurrenten Cisco ernsthaft in die Schranken weisen kann. Zufrieden stellt denn auch Cisco-Chef John Chambers fest, "die Auftragseingänge steigen von Jahr zu Jahr um 40 Prozent". Die treue Käuferschaft allein taugt jedoch wenig, um das Phänomen Cisco zu erklären. Das Erfolgsgeheimnis sehen Analysten eher in zwei besonders ausgeprägten Eigenschaften des Unternehmens: Aggressivität und Disziplin. So gehörte Cisco zu den wenigen Unternehmen, die sich im Zuge der Asienkrise nicht aus diesem Wirtschaftsraum zurückzogen. Dieses Vertrauen belohnten die Anwender vor Ort mit weiteren Aufträgen. Cisco konnte in dieser Region seinen Umsatz verdreifachen.

Allerdings scheint Ciscos Thron in letzter Zeit dennoch zu wackeln. Zu lange hat das Unternehmen allein auf Router-basierte Netze gesetzt und den Switching-Bereich vernachlässigt. Mit preisgünstigen Layer-2- und Layer-3-Gigabit-Ethernet-Switches versuchen junge dynamische Start-up-Companies in das lukrative Geschäft mit Unternehmenskunden und Service-Providern vorzudringen. Obwohl Cisco diese Gefahr öffentlich herunterspielt, kaufte das Unternehmen bereits vor zwei Jahren entsprechendes Know-how mit der Übernahme von Granite Systems ein. Ciscos Idee ist dabei, Routing und Switching in einem Chassis zu vereinen.

Ein Eigentor hat sich Cisco möglicherweise auch mit dem versuch geschossen, eigenständig Standards im Markt etablieren zu wollen. Während der Rest der Hersteller um gemeinsame Standards ringt, baut Cisco als Marktführer auf eigene Definitionen. Auch ignorierte das Unternehmen sehr zum Mißfallen seiner Kunden lange Zeit die Verzeichnisdienste von Novell und setzte einseitig auf die noch nicht verfügbaren Active Directory Services der Microsoft-Karte.

Die Arroganz gegenüber dem Wettbewerb könnte Cisco zumindest im Bereich der WAN-Switches in Schwierigkeiten bringen. Nach der Übernahme von Ascend durch Lucent trifft das erfolgsverwöhnte Unternehmen in diesem Segment auf einen Konkurenten mit ähnlicher Marktmacht. Das Gespann Lucent/Ascend ist mit seinen Frame-Relay- und ATM-Switches hervorragend positioniert, um von der sich abzeichnenden Migration von TDM-Backbone-Netzen (TDM = Time Division Multiplexing) hin zu Fast Packet Broadband Networks zu profitieren. Die Gartner Group geht beispielsweise davon aus, daß bis zum Jahr 2002 rund 85 Prozent aller Unternehmen ihre TDM-Netze durch Frame Relay oder ATM ersetzen. Blickt man auf Gartners magisches Viereck, so dürften von diesem Trend neben Cisco und Lucent/Ascend vor allem noch das Triumvirat Newbridge, Siemens, 3Com sowie das Nortel-Lager profitieren.

Dabei hat Lucent mit Ascend im Rücken eine etwas bessere Ausgangsposition als die Konkurrenten. Als TDM-Netze noch als die Zukunftstechnologie im Enterprise Networking galten, um entfernte Zweigstellen mit dem Corporate-WAN zu verbinden, hat Ascend bereits Lösungen entwickelt, mit denen sich Sprache und Daten über ein Netz transportieren lassen. Den Vorsprung im Remote-Access- Segment baute Ascend im letzten Jahr mit der Übernahme von Stratus Computer weiter aus. Mit der Akquisition dieses Unternehmens kam Ascend in den Besitz von Signal-System Software (SS7). Dadurch ist man nun in der Lage, in virtuellen privaten Netzen Sprach-, Fax- und LAN-to-LAN-Verbindungen effizient abzuwickeln. In wie weit das Duo Ascend/Lucent sein Know-how in Marktanteile ummünzen kann, bleibt abzuwarten.

Wen die Analysten als die wichtigsten Player in den Bereichen Netz-Management, Netzapplikationen und Sicherheit als chancenreiche Anbieter sehen, lesen Sie in der nächsten Ausgabe.