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06.06.2003 - 

Übernahme könnte den Linux-Lizenzstreit aus der Welt schaffen

Kauft IBM die SCO Group?

MÜNCHEN (CW) - Der Chief Executive Officer (CEO) der SCO Group Inc., Darl McBride, hat in einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "Computerworld" angedeutet, dass die Streitigkeiten um Linux-Lizenzen ad acta gelegt werden könnten, wenn IBM die SCO Group aufkaufen würde.

"Wenn es eine Möglichkeit gibt, das Thema (Anm. d. Red.: die Streitigkeiten über die Lizenzforderungen von SCO an OEMs und an Anwender) auf eine positive Art zu lösen, dann können wir wieder an die Arbeit gehen, und jeder ist glücklich, und ich bin es auch", sagte McBride der "Computerworld". "Und wenn die Lösung die ist, dass IBM uns kauft, dann soll es so sein."

Die Kommentare von McBride kamen in der Folge eines Reports von Ted Schadler, einem Analysten von Forrester Research. Schadler hatte geschrieben, dass die IBM oder ein von Big Blue angeführtes Industriekonsortium möglicherweise SCO "auszahlen" oder komplett aufkaufen werde, um das seit drei Wochen schwelende Problem der Lizenzstreitigkeiten zwischen SCO und der Linux-Gemeinde zu beheben.

Seitdem der Streit zwischen SCO und dem Rest der Linux-Welt ausbrach, kursierten Diskussionen und Gerüchte, SCO wolle mit seinem Gerichtsgang die Kaufgelüste eines potenten Partners anreizen. SCO erwirtschaftet nämlich nur einen verschwindend geringen Teil seiner Umsätze mit Unix und steht wirtschaftlich insgesamt nicht auf besonders stabilen Füßen.

McBride hat diese Gerüchte nun zumindest als gangbaren Weg bestätigt. Seine Erklärung war ebenso eindeutig: "Ich will das Linux-Geschäft überhaupt nicht torpedieren. Aber ich muss die Interessen der Aktieninhaber, der Angestellten und der Menschen, auf deren Rechten herumgetrampelt wurde, schützen."

Im "Computerworld"-Interview wurde McBride auch gefragt, wieso er erst jetzt, nach Jahren rückläufiger Umsätze von SCO und nachdem er schon seit langem die wachsende Beliebtheit von Linux absehen konnte, seine Lizenzstrategie eingeschlagen habe. Der SCO-CEO sagte, Anfang und Mitte der 90er Jahre habe sein Unternehmen wenig Möglichkeiten gehabt, auf die Problematik des unrechtmäßig in Linux eingesetzten Unix-Sourcecodes einzugehen: "Auch wenn wir ein Problem damit hatten, was hätten wir schon tun können? Linus Torvalds verklagen? Was hätten wir dafür bekommen?"

SCOs Umsatz sank von 200 Millionen Dollar im Jahr 1999 auf 60 Millionen in diesem Jahr. "Das war vor allem Linux geschuldet. Und für mich ergibt es keinen Sinn, die Linux-Dampfwalze einfach auf Kosten von SCO und seiner Aktionäre über uns hinwegrollen zu lassen, und wir sitzen zurückgelehnt da und reagieren überhaupt nicht." Im Januar 2003 habe man sich auch entschieden, gegen IBM Klage einzureichen, und später alle kommerziellen Linux-Anwender vor eventuellen Rechtsstreitigkeiten gewarnt.

McBride äußerte sich zudem in einer telefonischen Konferenzschaltung mit Journalisten und Analysten zum Thema Novell. Der Netzanbieter hatte SCO jedes Recht an geistigem Eigentum bezüglich Unix-Sourcecode abgesprochen. Novell hatte vor Jahren von AT&T Corp. das Unix-Geschäft gekauft und damit alle Rechte an dem Betriebssystem erworben. Später brach Novell Unix in vier Teile auf und verkaufte sie 1994 und 1995. Einer dieser Deals kam mit der ehemaligen Santa Cruz Operation zustande. Diese wiederum wurde von Caldera International Inc. gekauft und firmierte dann als The SCO Group.

In einem Brief von Novell-CEO Jack Messman an SCO hieß es, mit dem Verkauf 1995 seien keine Rechte an Unix System V an SCO übertragen worden. Die jetzt eingeklagten Ansprüche von SCO seien also unbegründet. McBride hierzu: "Da sind wir ganz anderer Meinung. Das ist ein verzweifelter Versuch, in der Linux-Gemeinde um Applaus zu betteln. Wenn System-V-Code im Linux-Kernel enthalten ist, ändert das die Spielregeln komplett." (jm)