Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Peinliche Schlappe für die PR-Abteilung von Gates

Kaufte Microsoft Expertenmeinung?

24.09.1999
MÜNCHEN (CW/IDG) - Im Ringen um eine positive öffentliche Meinung mußten die Marketing-Strategen Microsofts eine peinliche Enthüllung verkraften. Eine Anzeigenkampagne eines angeblich unabhängigen Instituts war von der Gates-Company finanziert worden.

Das Washingtoner Antitrust-Verfahren ist nicht die einzige Schlacht, die Microsoft zu schlagen hat. Mit allen Mitteln versucht der Konzern gleichzeitig, sein im Prozeßverlauf arg ramponiertes Image wieder aufzupolieren.

Eine Anzeigenserie in der "New York Times" und in der "Washington Post" Anfang Juni erschien da wie eine glückliche Fügung. 240 Wirtschaftsexperten, organisiert über die Vereinigung Independent Institute, bezogen in einem offenen Brief Stellung für die Position des Softwarekonzerns. Der Prozeß gegen den Hersteller, so die Experten, schade dem Verbraucher.

Doch wie schon mehrmals in den vergangenen Monaten ging auch dieser Schuß nach hinten los. Microsoft mußte jetzt einräumen, die Kampagne mit rund 150 000 Dollar finanziert zu haben. Peinlich ist dies auch für das vermeintlich unabhängige Institut. David Theroux, President des Independent Institute mit Sitz im kalifornischen Oakland, versuchte gegenüber US-Medien, den Vorgang herunterzuspielen.

Der Brief sei ohne jede Einflußnahme von seiten Microsofts entstanden, so Theroux. Nachdem die Organisation um finanzielle Unterstützung für die Veröffentlichung des Schreibens geworben hatte, sei Microsoft das einzige Unternehmen gewesen, das sich dazu bereit erklärt habe.

Die 240 Wirtschaftsexperten, die den Brief unterzeichnet hatten, wußten angeblich nichts von der großzügigen Spende des weltweit führenden Software-Unternehmens.

Zumindest einer der Betroffenen erklärte gegenüber der "New York Times", er hätte seine Unterschrift verweigert, wäre er von der finanziellen Unterstützung des Herstellers informiert worden.

Microsofts Sprecher Greg Shaw bemühte sich unterdessen um Schadensbegrenzung. Innerhalb seines Unternehmens habe niemand gewußt, daß man die einzige Geldquelle für die Anzeigenserie gewesen sei. Die Glaubwürdigkeit des Instituts hat nach diesem Vorgang erheblichen Schaden genommen. Und es kam noch schlimmer: Aus Dokumenten, die der "New York Times" vorliegen, geht hervor, daß ausgerechnet Microsoft im letzten Finanzjahr der größte Geldgeber war. Die Gates-Company steuerte den Papieren zufolge rund acht Prozent zum gesamten Jahresbudget der Organisation bei.

In der Schlacht um die öffentliche Meinung rüstet andererseits nicht nur die Gates-Company auf. Etliche Konkurrenten, darunter Sun Microsystems oder AOL, unterstützen beispielsweise die Lobbyistengruppe Procomp, die Microsofts Geschäftspraktiken öffentlich anprangert. Die Redmonder finanzieren demgegenüber unter anderem die rivalisierende Association for Competitive Technology.