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23.02.2001 - 

Nach Differenzen um Restrukturierung

Kehraus beim CPU-Management

AUGSBURG - Nach gut einem halben Jahr hat Bernd Erlingheuser die Kommandobrücke der CPU Softwarehouse AG wieder verlassen. Mit dem neuen Vorstandssprecher Manfred Köhler wird beim Augsburger Finanzsoftware-Spezialisten nur mehr ein Mann das Sagen haben. Von Andrea Goder*

Es war kein leichter Job, den der ehemalige Deutsche-Bank-24-Vorstand Erlingheuser im Juli 2000 in Augsburg angetreten hatte. Das schwäbische Softwarehaus war durch eine verantwortungslose Expansionspolitik des Gründers, Mehrheitseigners und Ex-Firmenchefs Jochen Furch an den Rand des Ruins manövriert worden. Keine rechte Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens konnte den Aktionären auch auf der Hauptversammlung im August letzten Jahres in Augsburg vermittelt werden. Gemeinsam mit dem ebenfalls neu hinzugekommenen Vorstandskollegen Köhler skizzierte Erlingheuser auf besagter Veranstaltung zwar die Neustrukturierung des Unternehmens. Auf Skepsis stieß bei Branchenexperten jedoch vor allem die geplante Akzentverschiebung vom Softwareanbieter zum Systemhaus.

Die seit Herbst letzten Jahres auf Hochtouren laufende Restrukturierung zielte in erster Linie auf eine drastische Reduzierung der Kosten ab. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung trennte sich CPU erst vor kurzem von der MWB Gesellschaft für Unternehmensplanung und Management-Beratung mbH & Co. KG, Meerbusch, und verkaufte 50 Prozent der Anteile an der T&R DV-Organisation und Beratung GmbH in Bad Soden. Vertriebsniederlassungen in Berlin, Frankfurt und Wien wurden mittlerweile geschlossen. Seit September 2000 musste CPU 80 von knapp 250 Mitarbeitern entlassen.

Was die Ausmaße des Sparkurses angeht, spitzten sich Insidern zufolge jedoch in den letzten Monaten die Differenzen zwischen Erlingheuser einerseits sowie Köhler und dem Aufsichtsrat andererseits immer mehr zu. "Nach Auffassung des Aufsichtsrats wurde die Restrukturierung nicht kostenbewusst genug umgesetzt", nennt Matthias Dürr, Analyst bei der Frankfurter DG Bank, als offiziellen Grund, warum Erlingheuser letztendlich "in gegenseitigem Einvernehmen" das Unternehmen verließ. Köhler, der als eiserner Sanierer gilt, konnte indes offenbar mit der vollen Rückendeckung durch den Aufsichtsrat rechnen.

Immer mehr Branchenkenner fragen sich indes, ob die Restrukturierung beim Augsburger Softwarehaus nicht viel zu spät kommt. So ist beispielsweise die Finanzsoftware-Suite "C5" bis heute nicht Internet-fähig. Erst im November gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt, 3,2 Millionen Mark in die Entwicklung einer Browser-fähigen Version investieren zu wollen. Doch selbst kleine Konkurrenten wie die ebenfalls in Augsburg ansässige Estradis GmbH, ein Spinoff der Augsburger Universität, können auf diesem Gebiet technisch bereits mehr vorweisen und führen namhafte Großkunden wie die Deutsche Bank auf ihrer Referenzliste. Zukunftsfähig sind nach Einschätzung von Analysten ohnehin nur Teilbereiche der alten CPU, etwa die auf Wertpapierberatungs-Tools spezialisierte Schweizer Tochtergesellschaft Inexsys AG, die auch bereits profitabel arbeitet.

Erlingheuser, der wie Köhler kein ausgewiesener Softwarespezialist ist, sollte für die Augsburger vor allem die Türen in die Bankenwelt öffnen. Die Deutsche Bank ist denn auch heute einer der wichtigsten Kunden von CPU. "Mit dem Abgang von Erlingheuser fällt einer der besten Kontakte zur Deutschen Bank weg", befürchtet ein dem Unternehmen nahe stehender Kenner der Szene, der nicht genannt werden will. Aufgrund anhaltend negativer Schlagzeilen dürfte es für die Augsburger jetzt jedenfalls noch ein Stück schwieriger sein, Kunden dieser Größenordnung in ihrem bis dato wichtigsten Geschäftsfeld Banken zu akquirieren. Davon abgesehen dürfte es dem Unternehmen ohnehin an kritischer Größe fehlen, um beispielsweise bei der Vergabe von Aufträgen im Rechenzentrums-Bereich der Sparkassen und Volksbanken zum Zug zu kommen.

Eine Nummer zu groß war für die kleine schwäbische Softwareschmiede aber offensichtlich auch die noch unter Furch betriebene Internationalisierung. Auf der letzten Hauptversammlung kritisierten Aktionärsschützer, dass die osteuropäischen Tochterunternehmen in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei vor allem Kosten, aber kaum Umsätze generieren würden. Um so mehr verwundert es, dass CPU jetzt mit großem Tamtam ein so genanntes "European Management Board" konstituierte, das sich jedoch vorwiegend aus den Geschäftsführern deutscher Tochtergesellschaften zusammensetzt. Aufgabe des neuen Management-Teams ist es, "die Geschäftsstrategie des CPU-Konzerns auf zukünftige Entwicklungen in den europäischen Finanzmärkten auszurichten", heißt es in der entsprechenden Ad-hoc-Meldung.

Viel Zeit, um CPU zum Turnaround zu verhelfen, wird auch Köhler, der zuvor Vice President der Dun & Bradstreet Deutschland GmbH, der Schimmelpfeng Inkasso GmbH sowie Deutschland-Geschäftsführer von NCR und AT&T war, nicht bleiben. Petitesse am Rande: Von Februar bis Ende Mai 2000 war er bereits Aufsichtsratsvorsitzender bei CPU, schied aber nach Furchs Rücktritt am 31. Mai schon einen Tag später Knall auf Fall aus dieser Funktion aus. Die Hintergründe dieser "Personalie" blieben bis heute im Dunkel.

Die Augsburger Softwareschmiede erwartet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von 20 Millionen Mark nach 28,8 Millionen Mark im Vorjahr. Wie hoch der Jahresfehlbetrag ausfallen wird, konnten weder eine Unternehmenssprecherin noch der zuständige DG-Bank-Analyst Dürr auf Anfrage mitteilen. Noch zur Hauptversammlung im August wurde von 54 Millionen Mark Verlust ausgegangen.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München

Lotse ging von Bord

"Unser Weg ist kein 100-Meter-Lauf, der kurzfristig zum Erfolg führt", bremste Bernd Erlingheuser (Foto) noch im August vergangenen Jahres optimistische Erwartungen der CPU-Aktionäre auf der Hauptversammlung. Jetzt geriet er bei seinem Turnaround-Kurs selbst ins Straucheln. Erlingheuser dürfte - auch als klassischer Banker - doch etwas andere Vorstellungen von einer sinnvollen Restruktierierung und Neupositionierung des Unternehmens gehabt haben. Der strikte Sparkurs, mit dem sich nun sein Vorstandskollege Manfred Köhler allem Anschein nach durchgesetzt hat, muss ihm, der Insidern zufolge sehr zurükhaltend mit dem Thema Entlassungen umgehen wollte, zutiefst widersprochen haben. Seit 1969 für die Deutsche Bank tätig, wechselte Erlingheuser 1996 in den Vorstand der Konzerntochter Bank 24, für deren Aufbau er maßgeblich verantwortlich zeichnete. Vor seinem Wechsel zu CPU, wo er als Vorstandssprecher auch den Bereich Finanzen kontrollierte, war er Generalbevollmächtigter der Deutschen Ausgleichsbank.

Abb.1: CPU-Geschäftsentwicklung

Tiefrote Bilanz: Für das Geschäftsjahr 2000 rechnet CPU mit einem kräftigen Verlust. (Quelle: CPU/DG-Bank)

Abb.2: CPU Software AG

Nach einem kleinen Zwischenhoch im Juli vergangenen Jahres ging es mit der CPU-Aktie weiter bergab. (Quelle: CPU Software AG)