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23.05.1997 - 

Überlebensstrategie "Bridgeware"

Kehrtwende? Apple liebäugelt mit Pentium und Windows 95

Bridgeware - hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich der wohl sensationellste Schachzug von Apple seit des Macintosh-Debüts unter Gründer und Wiederkehrer Steven Jobs: Nach jahrzehntelanger Hard- und Software-Monotonie mit Mac OS und Motorola will sich Apple neuerdings nicht mehr von "der Intel- beziehungsweise Microsoft-Welt isolieren", erläuterte Apple-Chef Gilbert Amelio vor rund 4000 Besuchern der Worldwide Developers Conference in San Jose, Kalifornien, die künftige Marschroute des Unternehmens. Konkret soll das künftige Mac-Betriebssystem "Rhapsody" nicht nur auf Power-PC-Prozessoren portiert, sondern unter der Bezeichnung "Rhapsody for Intel" auch für Intels CPUs zur Verfügung gestellt werden.

Entwicklungs-Box für Mac und Windows

Im Rahmen der Bridgeware-Strategie prägte Apple auf der Konferenz einen weiteren Begriff : "Yellow Box". Dabei handelt es sich um eine objektorientierte, auf dem vor einigen Monaten übernommenen Next-Betriebssystem "Openstep" basierende Entwicklungsumgebung für Rhapsody. Der Clou: Yellow Box soll es Programmierern erstmals ermöglichen, Applikationen zu entwickeln, die sich sowohl auf dem Macintosh-Betriebssystem selbst, als auch auf Microsofts Windows 95 und Windows NT einsetzen lassen. Damit versetzt Apple Entwickler in die Lage, Applikationen für das "Massenprodukt" Windows zu entwickeln und diese anschließend ohne großen Aufwand zu rekompilieren und für Rhapsody aufzubereiten. "Yellow Box wird es ermöglichen, eine einzige Codebasis von Applikationen gleichzeitig für verschiedene Plattformen anzubieten", konkretisierte Amelio.

Yellow Box soll ein ähnliches Look-and-Feel wie Microsofts Betriebssystem-Varianten erhalten und das Programmiergerüst "Web Objects", mit dem sich Web-basierte Anwendungen erstellen lassen, unterstützen. Darüber hinaus plant Apple in der "gelben Box" eine Einbindung von Funktionen für die Unterstützung der Programmiersprachen Java, C, C++ und Objective C. Apple wird eigenen Angaben zufolge keine Lizenzgebühren für Yellow Box erheben. Mit der Ankündigung versucht Apple zu retten, was noch zu retten ist, vermuten Brancheninsider. Der signifikante Vorteil dieser Strategie dürfte darin liegen, die zahlreichen an die Windows-Bastion verlorenen Entwickler wieder ins Boot zu holen. Etliche Programmierer hatten in den letzten Monaten der Macintosh-Entwicklung aufgrund von Existenzängsten den Rücken gekehrt

Auch in puncto Rhapsody gestattete der Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino neue Einblicke: Als Kernstück für das Betriebssystem sieht Apple die seit Jahren erfolgreiche Multimedia-Umgebung "Quicktime" vor. Die auch bereits im Windows-Umfeld populäre Technologie soll ab Anfang 1998 als "Media Meeting Place" agieren und mit neuen interaktiven sowie Internet-Funktionen ausgestattet werden.

Die kommenden zwei Jahre werden über Leben oder Tod entscheiden, dramatisierte Gilbert Amelio und machte klar, mit dieser Strategie alles auf eine Karte zu setzen.