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17.07.1987 - 

Väter empfehlen den DV-Beruf, aber sie warnen ihre Kinder:

Kein Blumentopf mehr für Nur-Informatiker

MÜNCHEN - Für ihre Kinder gute berufliche Chancen in der Informationsverarbeitung sehen DV-Manager. Karrieren "von der Pike auf", darin sind sie sich einig, gibt es jedoch nicht mehr. Unisono empfehlen die DV-Leiter eine fundierte technisch-kaufmännische Ausbildung. Eher skeptisch beurteilen sie die reinen DV-Tätigkeiten - und auch ihren eigenen Job: Hier stehe "Rationalisierung ins Haus".

"Ohne DV geht gar nichts mehr", meint Johanna Mahmutovic. Die kaufmännische Leiterin bei der Alfred Braun KG in Lonsee, gleichfalls

verantwortlich für die DV-Organisation, ist schon seit der Lochkarten-Ära im Geschäft. Aber immer noch bemängelt sie - mit Blick auf Hard- und Software -, sei die DV-Landschaft mehr oder weniger "Stückwerk". Zwar beeinflußt ihrer Meinung nach die Informationstechnik zunehmend den organisatorischen Ablauf gleichermaßen in technischen wie kaufmännischen Unternehmensbereichen, Hemmschuh seien jedoch zu viele ungelernte oder auch einseitig ausgebildete Kräfte. Um die Informationstechnik nämlich sinnvoll nutzen zu können müsse ein DV-Spezialist handfestes kaufmännisches und organisatorisches Wissen besitzen. Ohne dieses Know-how hält die gestandene Expertin eine DV-Karriere für den Nachwuchs für eher unwahrscheinlich.

Als Eintrittskarte für die besten Plätze in der Datenverarbeitung sieht auch Charles Metz von der Société Générale - Elsässische Bankgesellschaft in Frankfurt ein Informatikstudium. Akademische Fachkräfte seien indes noch Mangelware beklagt der DV-Leiter. Allein Praxiserfahrung zu besitzen, reiche für verantwortliche Positionen nicht mehr aus.

So empfiehlt denn auch Johanna Mahmutovic, die DV-Chefin aus Lonsee, ihrem Sohn eine Ausbildung, die etwa als Lehre im Unternehmen beginnt, um notwendige Praxiserfahrungen zu erwerben. Danach solle sich ein Studium anschließen, das in seinen Zielen bereits an der Praxis ausgerichtetet ist.

Auch jungen Frauen rät die Managerin zu einem Einstieg in ihr Metier, ebenso wie Herbert Rotthauwe, der sich durch seinen Job als Leiter DV-Aus- und Fortbildung bei Veba Oel in Gelsenkirchen-Buer nahezu verpflichtet fühlte, seine Tochter in die "Geheimnisse der DV-Branche" einzuweisen. Nach ihrem Abitur empfahl Rotthauwe seiner Tochter, sich sowohl um einen Ausbildungs- als auch einen Studienplatz zu bemühen.

Lernen in einem Betrieb hat aber seiner Meinung nach die größere Priorität. Der Profi: "Es ist heutzutage wichtiger, eine gute Ausbildung in einem großen Unternehmen zu erhalten. Studieren kann man immer noch." Seit einiger Zeit durchläuft Rotthauwes Tochter den Ausbildungsgang im Unternehmen des Vaters. Rotthauwe sieht für junge Leute die größten Chancen in solchen Fachbereichen, in denen die Technologie bereits Fuß gefaßt hat. Dort müßten ja irgendwann die älteren Mitarbeiter, die teilweise heute noch mit dem Bleistift arbeiteten, vom technisch versierteren Nachwuchs abgelöst werden. Der Ausbildungsleiter von Veba Oel bricht zudem eine Lanze für Frauen in der Informationstechnik: "Bei uns sind Mädchen genauso befähigt wie Jungen. Einziger Unterschied: Jungen wollen immer die Blackbox aufschrauben und reinschauen, während Mädchen mehr an der Gestaltung und den Anwendungen interessiert sind."

Ins Rechenzentrum zu gehen, empfiehlt Rotthauwe seiner Tochter allerdings nicht. Denn Männern fällt eine Karriere in der DV immer noch leichter als Frauen. Einen Grund dafür nennt Hans-Jörg Denz von der Alfred Ritter GmbH & Co. KG in Waldenbruch: Die Investitionen in einen Arbeitsplatz - wären aus Unternehmenssicht nicht unerheblich - und das "sicherere Pferd" sei eben der Mann, der nicht durch familiäre Pflichten ausfallen könne.

Erst Lehre, dann Informatik-Studium

Auch für DV-Leiter Denz ist die Informationstechnik das A und O. Seiner Tochter empfiehlt er deshalb, dieser Technik positiv gegenüberzustehen. Er hält ein Studium der Informatik zusammen mit einer kaufmännischen Ausbildung für notwendig.

"Fast zwingend" sei es für einen jungen Mann, meint Bernd Meierhof bei der alldata Service GmbH in München, sich für dieses neue Gebiet zu interessieren: Die Informationstechnik werde das Leben schon in naher Zukunft bestimmen. Der System-Manager akzeptiert, wenn sein Sohn den gleichen beruflichen Weg wie er - und zwar in die Systemtechnik - einschlagen wolle. Mit einer Lehre muß nach Ansicht Meierhofs zuerst Betriebspraxis, mit dem anschließenden Informatik-Studium die Wissensbasis erworben werden. Schließlich entscheidet die Neigung über die kaufmännische oder technische Tätigkeit. Töchtern allerdings könnte der Leiter Systemtechnik nicht bedingungslos zum DV-Job raten, da Frauen dort derzeit - und wohl auch noch in einigen Jahren - "einen schweren Stand" hätten.

Frauen: Auf Spezialistenposten genausoviel

Einen Kontrapunkt dazu setzt Heinz Streicher, Leiter Kommunikation der SCS GmbH in Hamburg. Für ihn gibt es bei der Berufswahl des Nachwuchses kein "Sohn-oder-Tochter"-Problem, sondern nur das "Vater/Kind-Problem". Er sieht nämlich gerade den DV-Bereich als ein ideales Feld für Frauen, um weiterzukommen. Der Hamburger Unternehmensberater rät seinen Töchtern auf jeden Fall, in die Datenverarbeitung einzusteigen: "Das Problem der Frauen in der Karriere ist doch die Linienhierarchie. Auf Spezialistenposten schaffen sie genausoviel wie die Männer." Und genau diese Linienhierarchie spielt seiner Meinung nach in der Informationstechnik eine geringere Rolle als in traditionelleren Bereichen. Als Ausbildungsweg empfiehlt Streicher seinen Töchtern anwendungsorientierte Informatik als Nebenfach zu einem Hauptstudium ihrer Neigung zu studieren.

Wenn auch nicht so optimistisch wie seine Kollegen, würde Horst Schwickart, Leiter Org./DV bei der Theodorus Niemeyer Holland Tabak GmbH, seinem Sohn ebenfalls empfehlen, den Berufsweg in die DV einzuschlagen. Allerdings rät er ihm kategorisch von einem Informatikstudium ab. Schwickart: "Da lernt man genau das nicht, was hinterher wichtig ist." Der Düsseldorfer DV-Chef schlägt ein technisches Studium wie Ingenieurwesen, verknüpft mit Betriebswirtschaft, vor. Nach dem Studium sollte sich der Nachwuchs zunächst bei einem Hersteller ausbilden lassen und Erfahrungen sammeln, um dann entweder dort zu bleiben oder zu einem Anwenderunternehmer zu wechseln. Die Position eines DV/Org.-Leiters bewußt anzustreben, hält er für schwierig. Schließlich würde bei dem endgültigen Berufsziel der Zufall eine große Rolle spielen.

DV als zusätzliches Studium empfohlen

Genau wie sein Kollege Schwickart hält auch Wolfgang Otter, DV-Leiter im Krankenhaus Spandau, nicht allzuviel von einem Informatik-Studium seiner Söhne. Der Berliner-Verantwortliche bevorzugt DV als zusätzliche Ausbildung zu einem anderen Studium. Schließlich könne man sich Technik-Know-how immer noch zusätzlich erwerben; umgekehrt sei es dagegen schwieriger.

Karrierewege in der klassischen DV wie auch ihre eigene Position beurteilen die Verantwortlichen kritisch. So beobachtet DV-Leiter Denz den verstärkten "Zug in die Fachabteilungen". Unternehmensberater Streicher stimmt dem zu: "Künftig werden weniger Mitarbeiter, die Rechnerarchitekturen entwickeln, benötigt, aber Hunderttausende, die ihr Fachgebiet und Informatik beherrschen".

Keine rosigen Zeiten prophezeit auch Profi Denz gerade für den DV-Kernbereich: Dort werde künftig nicht mehr die bisherige Mitarbeiter-Kapazität gebraucht. Im Hinblick auf seinen eigenen Job als DV-Leiter ist Wolfgang Otter ebenfalls mehr als skeptisch. Er bezweifelt, ob diese Position auf Dauer Bestand haben wird. Spöttelt Otter: "Wir haben nämlich ,das Talent, nicht nur andere, sondern auch uns selbst wegzurationalisieren."