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05.10.1990 - 

Systeme für die Fehlerdiagnose vorgestellt

Kein Expertensystem macht einen Experten überflüssig

MÜNCHEN (CW) - "Die Hauptprobleme liegen im menschlichen Bereich", so Olaf Mohr, Mitarbeiter im Technologiezentrum der Heckler & Koch GmbH in Oberndorf, über die Entwicklung und Einführung eines wissensbasierten Systems zur Fehlerdiagnose. Noch immer sei das Mißtrauen gegenüber Künstlicher Intelligenz so groß, daß eine fortschrittliche Entwicklung behindert werde.

In einem Seminar der Münchner Synergtech GmbH kommt der KI-Experte zu dem Schluß: "Die menschliche Abstraktionsfähigkeit ist mit einem Expertensystem niemals nachzubilden." Der Ausdruck "Expertensystem" sei eine "Killerphrase", weil bei KI-unerfahrenen Fachkräften die Angst, sich durch die Preisgabe von Expertenwissen selbst überflüssig zu machen, geschürt werde. In Wirklichkeit könne kein sogenanntes Expertensystem eine ausgebildete Fachkraft wirklich ersetzen.

In der Praxis werde nämlich - zumindest bei Diagnosesystemen - "Wissen auf niedrigstem Niveau" akquiriert. Die automatische Verwaltung dieses Detailwissens sei für den Experten ein

willkommenes und längst überfälliges Hilfsmittel. Vorurteile führten häufig zur Stagnation der DV-Entwicklung: Da sich in den Unternehmen kaum Promoter für die Erstellung wissensbasierter Systeme fänden, seien auch die verfügbaren personellen und finanziellen Mittel - im Vergleich zu anderen Bereichen der Datenverarbeitung - äußerst knapp.

Referent Mohr fand bei seinen Zuhörern Zustimmung: "Alles was wir brauchen, ist eine simple Diagnose und eine Grafik mit entsprechender Erklärung", beschreibt ein Anwender. Welchen hohen Stellenwert eine Automatisierung der Fehlerdiagnose gerade im Bereich Maschinenbau hat, beschreibt Referent Mohr: Je komplexer eine Maschine, desto geringer sei in der Regel ihre Verfügbarkeit. Würden die Fehlerquellen in einer solchen Maschine mit Hilfe wissensbasierter Technologie schneller gefunden, so wäre die Produktivität höher.

Das Werkzeugmaschinen-Diagnosesystem des Rüstungskonzerns Heckler & Koch ist nach Ausführungen des Technologiezentrum-Mitarbeiters in seiner Funktionalität auf das Wesentliche beschränkt. Für die Werkzeugmaschine BA25 existieren 120 Fehlermeldungen, von denen 100 maschinenspezifisch sind und aus dem Bereich Speicher-programmierbare Steuerung (SPS) kommen. Die übrigen 20 Meldungen sind steuerungsspezifisch und stammen aus dem CNC-Bereich. Mit Hilfe dieses Systems können Kunden die Fehler ihrer Maschine dem nächst selbst suchen, denn das Diagnose-Werkzeug soll künftig mit der Maschine ausgeliefert werden.

Basis des Systems ist eine Shell von der Münchner Synergtech GmbH, mit der die grafische Modellierung eines Diagnosesystems und damit die Erstellung der künftigen Wissensbasis möglich ist. In dem modular aufgebauten System sind Ablaufsteuerung, Aufruf untergeordneter Wissensbasen sowie ein Datenbankanschluß zum Abspeichern diagnostizierter Fehler enthalten.

Für jede mögliche Fehlermeldung wurde in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Konstruktion und Technischem Kundendienst ein sogenannter Fehlersuchbaum aufgestellt - das Fundament für die automatische Erstellung einer Wissensbasis mit Hilfe der Shell. Benutzer werden über eine als Hypergrafik realisierte Hilfe-Komponente über weitere Vorgehensweisen informiert.

Die Wissensakquisition zählt zu den schwierigen Bereichen bei der Erstellung einer Wissensbasis. Ob wissentlich oder unbewußt - Tatsache sei, daß Experten in vielen Fällen falsche Angaben machen.

Die Fehlerdokumentation erfolgt auf zwei Arten: Einerseits wird innerhalb des Diagnosegraphen die Häufigkeit der Fehler statistisch erfaßt, zum anderen läßt sich die angeschlossene Datenbank zum Abspeichern der diagnostizierten Fehler nutzen. Wird einer nicht gefunden, so ist eine Weiterentwicklung des Systems notwendig.