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09.06.2008 - 

Green IT

Kein Green IT um jeden Preis

Green IT ist eine gute Sache. Keine Frage. Aber Green IT um jeden Preis ist insbesondere für mittelständische Unternehmen der falsche Ansatz.

Im Interoute-Rechenzentrum in Berlin-Kleinmachnow direkt hinter der deutschen Google-Zentrale müssen sich Country Manager Jens Leuchters und der für das Data-Center zuständige Jürgen Knaack sowie der Director Data Center Axel Wendt Gedanken um eine Erweiterung des Rechenzentrums machen. Nicht flächenmäßig, denn Platz hätten sie genug. Vielmehr sind sie mit der verfügbaren Energieleistung, die sie Kunden momentan in ihrem Rechenzentrum zur Verfügung stellen können, zu 75 Prozent ausgelastet. Noch ist nicht entschieden, ob die Unternehmensleitung den Vorstellungen der drei entspricht, ein neues Rechenzentrum neben dem ebenfalls erst wenige Jahre alten einzurichten. Oder das bestehende durch eine Erweiterung auszubauen. Der Platz dafür wäre vorhanden.

Dabei haben sie konkrete Vorstellungen, wie auch das Thema Umwelt in die RZ-Planung einbezogen werden sollte. Ganz so einfach ist es übrigens nicht, sich für einen konsequenten Weg in Richtung Green IT zu entscheiden. Denn das bedeutet zunächst einmal, dass enorm investiert werden muss: Sowohl in Expertenwissen, das Geld kostet, denn man muss sich das von außen holen. Als auch in Hard- und Software sowie RZ-Kontrollsysteme, die Luft- und Kühlströme in einem Data Center überwachen und analysieren müssen etc. Bevor also die Auswirkungen eines Green-IT-Konzepts für ein Unternehmen in barer Münze erkennbar werden, weil man etwa bei den Energieausgaben sparen kann, muss man erst einmal "viel Geld in die Hand nehmen", wie Leuchters sagt.

Tipps für ein stressfreies Green-IT-Konzept

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE haben Leuchters, Knaack und Wendt festgehalten, was Unternehmen unbedingt berücksichtigen sollten, wenn sie ein Green-IT-konformes RZ-Konzept verwirklichen wollen.

Zunächst einmal sollte genau analysiert werden, welches die aktuelle Situation, der Zustand ist, in der sich ein Rechenzentrum befindet. Wendt dazu: "Man sollte sich die einfachen Fragen stellen: Was habe ich? Was will ich? Und was kann ich realisieren?" Dazu gehört auch die Entscheidung, ob RZ-Betreiber ihr Data Center im kleinen oder im großen Stil ausbauen wollen oder ob gleich ein ganz neues RZ gebaut werden sollte. Will man ausbauen, muss man sich beispielsweise vorher auch Gedanken darüber machen, welche Infrastruktur man wie in ein Gebäude verfrachten kann. Scheint einfach, aber Generatoren zum Ausbau der Stromversorgung für Rechenzentren haben Dimensionen, die nur mit Kränen zu bewältigen sind - und die nicht durch herkömmliche Türen passen. Der Carrier aus Kleinmachnow etwa wird gezwungen sein, Außenwände aufzubrechen.

Die Interoute-Manager glauben, dass sie mit einer geeigneten Klimatechnik die höchsten Kosteneinsparungen verwirklichen können. Um ein Rechenzentrum aber so zu konzipieren, dass es unter ökologischen Aspekten optimal gekühlt werden kann, sollte man sich unbedingt - so ein weiterer Rat - auch einmal ansehen, welche Wege andere RZ-Betreiber gewählt haben. Und man sollte weitere Kühlungsexperten wie etwa von der Firma Stulz heranziehen, um Expertenwissen zu nutzen. Es sei, sagt Knaack, das eine, in einem Data Center Managed Services anzubieten. Das Wissen um einen ökologischen RZ-Betrieb und wie die dafür nötige Infrastruktur aussehen muss, sei etwas ganz anderes. Für die Planung eines ökologisch ausgerichteten RZ ist es deshalb enorm wichtig, zu fragen: "Wie machen das andere?"

Ein weiterer Rat der Interoute-Manager: Schon die Planung und die damit verbundenen Aktionen kosten Geld - und das nicht wenig. Sowohl die Grob- als auch die Feinplanung lassen sich aushäusige Experten natürlich bezahlen. Die wenigsten dürften zudem wissen, dass es für die Entwicklung eines Rechenzentrums Fördermöglichkeiten gibt, die man nutzen sollte.

Gesellschaftspolitisch wichtig, aber …

Das Interoute-Management-Team ist sich einig, dass Unternehmen auch bedenken sollten, welche Auswirkungen ihre Planungen - wenn sie ökologischen Grundwerten verpflichtet sein soll - anderswo auf der Welt haben. Wenn man auf alternative Energien setzen wolle, "dies aber am anderen Ende der Welt" zu ganz neuen Problemen führt, weil beispielsweise agrarwirtschaftlich Ackerflächen nur noch für den Anbau von Rapsfeldern, genutzt werden, sei das problematisch.

All diese Überlegungen müssten in die Planungen einbezogen werden. Das sei, so Wendt, ein gesellschaftspolitisches Thema, dem sich IT-Manager bei der Planung ihrer RZs nicht entziehen könnten. Alle drei Interoute-Manager gestehen allerdings ein, dass es nicht so leicht ist, solch eine Geisteshaltung einem Controller zu verkaufen. Aber sie betonen, dass ein Bewusstsein für das Ökologie-Thema mittlerweile geschaffen sei. Nun müsse konkretes Handeln folgen.

Wichtig: Simulation der Klimasituation im Rechenzentrum

Knaack, der Manager des Interoute-Data-Center, betont, dass man ein Rechenzentrum zunächst einmal komplett analysieren muss auf Aspekte wie etwa den Stromverbrauch der einzelnen Geräte, den Wirkungsgrad etwa von unterbrechungsfreien Stromversorgungen, wo in einem RZ Problemzonen sind etc.

RZ-Betreiber könnten sich zum Beispiel auch fragen, ob der Einbau von individuellen Stromzählern sinnvoll sein kann. Knaack sagt, Messungen und Simulationen in einem RZ seien das A und O, um Daten über den ökologische Zustand eines Data Centers zu haben und, auf diesen aufbauend, ein Öko-RZ planen zu können.

Auch hierbei stellt sich das Problem, dass solch eine Simulation, die externe Experten erledigen, Geld kostet. Interoute beschäftigte beispielsweise die einfache Frage, was man machen kann, um Stromzähler in eine existierende Infrastruktur einzubauen. Hier spielten so banal erscheinende Fragen eine Rolle, ob diese überhaupt aus Platzgründen installiert werden können. Deshalb fragte der RZ-Betreiber bei IBM um Rat nach. Allein diese einfach erscheinende Analyse kostete einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag - nur für die Evaluierung von Optionen, wie Stromzähler eingebaut werden können. Die Kosten für die eigentlichen Produkte samt Software wären dann schnell auf etwa 100.000 Euro gestiegen. "Da fragt man sich dann schon, ob man das wirklich will", sagt der Interoute-Chef Leuchters. Nur: ohne eine zunächst abgehaltene Analyse hätte man sich die Kosten gar nicht erst bewusst machen können.

In einem Punkt sind sich die drei Interoute-Manager auch einig: Green IT um jeden Preis sei insbesondere mittelständischen Unternehmen nicht anzuraten. Wer ein bestehendes Data Center an ökologischen Aspekten ausrichten will, der solle auch und zuerst "nach den niedrig hängenden Früchten" Ausschau halten, meint Knaack. Er nennt das Beispiel Free Cooling, mit dem sich auch schon Energiekosteneinsparungen von 30 Prozent erzielen lassen. Free Cooling ist ein Konzept, bei dem Wärme im RZ verarbeitet werden kann, ohne dass extensiv Kältemaschinen betrieben werden müssen - die auch wieder Energie benötigen. Auf diese Weise kann der Aufwand für elektrische Energie zur Betrieb von Ventilatoren, Pumpen etc. verringert werden. (jm)

Interoute

Interoute ist ein Breitbandnetzanbieter, der für Unternehmen zudem Data-Center-Dienstleistungen wie Managed Services anbietet.

Die Geschäfte scheinen gut zu gehen. Konkrete Zahlen werden zwar nicht genannt, weil die zwei privaten Investoren aus der Schweiz und Dubai das nicht wollen. Aber die Carrier-Angebote und die Rechenzentrums-Dienstleistungen von Interoute scheinen gefragt. Zu den Kunden zählen bekannte Namen wie Verbraucherdienst Bundesverband, Aktion Mensch des ZDF, Studiosus Reisen, Airberlin, Bücher.de, die Deutsche Post, die Technologieausgründung der Bayer AG Lanxess, die Berliner Flughäfen, die offizielle Homepage der Bundeshauptstadt Berlin.de, der Wissenschaftsverlag Springer, ARD.de und Sony BMG.