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01.06.1984

Kein Konkurrenzdenken bei übergreifenden Softwareentwicklungen

Externe Berater liegen bei der Entwicklung von Anwendungsprogrammen nach wie vor gut im Rennen. Obwohl die Zusammenarbeit mit Freelancern generell als positiv bezeichnet wird, suchen doch viele DV-Verantwortliche verstärkt nach Möglichkeiten, sich zukünftig von externer Hilfe zu emanzipieren: Einerseits wird die Schlagkraft der eigenen Truppe erhöht, andererseits kommen immer mehr DV-Manager auf die Idee, sich mit Kollegen aus der gleichen Branche zusammenzuschließen, um "Software-Entwicklungsgemeinschaften" zu gründen. Einig sind sich die DV-Leiter, daß es trotz eigenem Engagement auch zukünftig immer Anwendungen geben wird, wo das interne Know-how nicht ausreicht und der Einsatz von Externen erforderlich wird. ih

Klaus-J. Bähr

Leiter Org.-/DV, Bierbaum-Proenen Bekleidungswerke, Köln

In immer stärkerem Maße liegt der Aufgabenschwerpunkt des Org./DV-Chefs heute darin, als Informationsmanager ein Konzept zu entwerfen, einzuführen und zu pflegen, das alle Stellen eines Unternehmens mit den gewünschten Informationen versorgt. Hierbei stehen die Entwicklung von Strategien und Verfahren, sowie die Beratung seiner Kunden der Fachabteilungen an erster Stelle.

Zur Verwirklichung benötigt der Org./DV-Chef unter anderem fundierte Kenntnisse im Hard- und Softwarebereich. Da der DV-Markt aber heute für erfahrene Org.-Leiter infolge der Vielzahl der angebotenen Produkte - sowohl Hard- als auch Software - immer schwerer überschaubar wird, kann auch für ihn eine gute Beratung, die Entscheidungskriterien in verständlicher Forma vorgelegt, nützlich sein. Eine solche Beratung gewinnt umso mehr an Bedeutung, weil man nur vom Kauf- oder Mietpreis beziehungsweise von den Lizenzgebühren ausgehend bei Hard- oder Softwareprodukten nicht die Qualität beurteilen kann. Das Teuerste ist nämlich noch lange nicht das Beste.

Steht also die Auswahl eines Rechners, eines Kompakt-Softwarepaketes oder eines Mikros ins Haus, sollte sich der DV-Leiter nicht scheuen, Beratung bei seiner Geschäftsleitung anzufordern. Aber er muß dies mit einem klaren Konzept tun, damit nicht der Berater in Sachen DV ganz allgemein berät, sondern aufgrund einer genauen Aufgabenstellung. Dadurch kann er einmal die besseren Möglichkeiten des Beraters beim Vergleich von mehreren Produkten nutzen und zum anderen auch seine eigenen Ideen chekken. Hinzu kommt, daß ich persönlich bisher Beratung immer als eine ideale Möglichkeit der Weiterbildung betrachtet habe.

Nun sind ja Berater mehr als in der DV in anderen. Unternehmensbereichen tätig. Deshalb ist ein Faktor wichtig: Vor den externen Beratungen steht die interne Beratung. Der DV-Chef muß im eigenen Haus verstärkt als Berater eingesetzt werden. Bei der Vielzahl von Wünschen nach Rationalisierung, Automatisierung und besserer Information der Fachabteilungen sollte der DV-Verantwortliche nicht erst gerufen werden, wenn das Problem EDV-reif ist, sondern schon im Vorfeld der DV betriebsintern beratend tätig werden.

Ein weiterer Aspekt ist, daß DV- oder Organisationsleiter in die Rolle dessen geraten können, der den Fortschritt verhindern will oder nur Eigeninteressen vertritt. Ich denke da vor allem an die Fachabteilungen, die Mikrocomputer auf eigene Verantwortung einsetzen wollen. Derartige Konflikte geraten nur zu oft in den emotionalen Bereich, und das kann keiner sachlichen Lösung dienlich sein. Auch hier kann der Berater helfen und schlichten.

Allerdings stellt sich für jeden DV-Chef die Frage: "Wer berät mich gut? " Wir haben bisher immer dann gute Erfahrungen gemacht, wenn vom Berater zwei Voraussetzungen erfüllt wurden: einmal viel DV-Erfahrung - wenn möglich mit dem bei uns angewandten Betriebssystem - sowie genaue Kenntnisse der Probleme und Anforderungen der Branche, in der unser Unternehmen tätig ist. Auch sollte nicht nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne einfach ein Bericht vorgelegt werden, sondern während der Beratungsphase ist eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen DV-Verantwortlichem und Berater notwendig.

Fazit: Berater können sinnvoll und nützlich sein - sehr oft sind sie sogar notwendig. Aber das eigene Potential darf durch Berater nicht mundtot gemacht werden, es muß sogar vor der Beratung von ausgeschöpft werden.

Ralph Elfgen

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu Köln

Aufgrund der zentralen Bedeutung der Software von ADV-Systemen sind für diesen Bereich eine Vielzahl von Software-Beratungsunternehmungen entstanden die dem ADV-Anwender durch ein breitgefächertes Dienstleistungsspektrum zahlreiche Hilfen und Arbeitserleichterungen für den Software-Erstellungsprozeß anbieten. Auch das Angebot an Standard-Software hat sich weiter vervollständigt und qualitativ konsolidiert, so daß sich dem ADV-Anwender nunmehr mit dem Fremdbezug von Software eine echte Alternative zur Eigenerstellung eröffnet.

Die Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme von Software-Beratungsleistungen kann im Prinzip als eine klassische "Make-or-buy" Entscheidung angesehen werden. Als Entscheidungskriterien für beziehungsweise gegen den Fremdbezug von Software sind personelle, programm- und anwendungsspezifische Kriterien sowie insbesondere Kostengesichtspunkte von Bedeutung.

Die Inanspruchnahme von Software-Beratungsleistungen erscheint dann unzweckmäßig, wenn eine eigenständige, auf die spezifische Unternehmensproblematik abgestimmte Programmentwicklung und die Unabhängigkeit von DV-Herstellern und Softwarehäusern angestrebt werden. Eine Eigenerstellung von Software wirkt sich ferner positiv auf die Motivation des hauseigenen -DV-Personals aus und bewirkt somit eine höhere Akzeptanz der zu implementierenden Software (Berufsstolz der hauseigenen Programmierer). Die Inanspruchnahme von Software-Beratungsleistungen ist dagegen zweckmäßig, wenn:

- hauseigenes DV-Personal fehlt,

- hauseigenes DV-Personal unzureichend qualifiziert ist,

- eine hohe Personalfluktuation im DV-Bereich herrscht,

- eine wertneutrale Analyse und Software-Erstellung aufgrund divergierender Interessenslagen der betrieblichen Funktionsbereiche nicht möglich ist und

- eine schnelle Anwendungsinstallation erfolgen soll.

Bei Fremdbezug ist dann zunächst zu prüfen, ob auf bereits bestehende mehrfach verwendbare Anwendungssoftware (MVAS) zurückgegriffen werden kann (Miete, Kauf). Im Gegensatz zum allgemeinen Sprachgebrauch handelt es sich hier jedoch um die Inanspruchnahme einer Verkaufsleistung und nicht einer Beratungsleistung im engeren Sinne. Stimmt das Leistungsprofil der verfügbaren MVAS nicht mit dem Anforderungsprofil der gewünschten Software überein, so ist eine auf die individuellen Anforderungen abgestimmte Fremderstellung der Software in Betracht zu ziehen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Inanspruchnahme derartiger Leistungen in der Regel hohe Kosten verursacht und möglicherweise auch eine Abhängigkeit von Software-Beratungsunternehmungen schafft (zum Beispiel bezüglich Wartungs- und Ausbildungsaktivitäten).

Vor der Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme von Software-Beratungsleistungen ist ein situationsspezifisches Abwägen der Vor- und Nachteile notwendig, das heißt, es muß eine Zielpräferenz in bezug auf die einzelnen Vor-und Nachteile gebildet werden. Wird auf lange Sicht eine Unabhängigkeit von Softwareberatern angestrebt, so bestehen zusätzlich die Möglichkeiten

- der Akquisition von entsprechend qualifiziertem Personal,

- der Ausbildung des vorhandenen Personals im Rahmen der betrieblichen Personalentwicklung sowie

- der Bildung von Software-Entwicklungsgemeinschaften mit anderen Unternehmen.

Rolf-Udo Reinholdt

Leiter Organisationsstelle, Maschinenfabrik Goebel GmbH Darmstadt

Unser Unternehmen hat im Bereich Organisation in der Vergangenheit verschiedentlich mit Beratungsfirmen zusammengearbeitet und wird dies sicherlich auch in Zukunft wieder tun. Die zur Zeit anstehenden Projekte laufen unter eigener Regie und mit teilweiser Mitwirkung des DV-Herstellers.

Die bisherigen Erfahrungen mit externer Unterstützung waren unterschiedlich. Eine gleichmäßige und durchgängige Beratung durch den DV-Hersteller hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Dies liegt sicherlich auch daran, daß außer der üblichen Systemsoftware auch Standardprogramme der IBM auf der Anwenderseite im Einsatz sind.

Die Konzeption der gesamten Auftragssteuerung war Gegenstand eines Beratungsvertrages mit einem Düsseldorfer Unternehmen. Es handelte sich hier um ein Projekt größeren Umfangs, das im Jahre 1979 abgeschlossen wurde. Auf dieser Grundlage erfolgte die Einführung eines effektiven Fertigungs-Steuerungssystems. Bei einem derartigen Gesamtvorhaben bleibt festzuhalten, daß unter anderem die Überzeugungskraft des externen Projektleiters zum Erfolg des Vorhabens beigetragen hat. Aber auch die vielfältigen Erfahrungen des Beraters, über die wir im Hause nicht verfügten, wirkten sich positiv aus.

Ein Negativ-Beispiel dagegen ist die Realisierung eines unserer kommerziellen Abrechnungsgebiete. Die Vergabe der Programmerstellung an externe Spezialisten führte zu einer Projektdauer, die weit über das ursprüngliche Maß hinaus ging. Der Schaden hielt sich nur deshalb in Grenzen, weil der Auftrag zum Festpreis erteilt worden war. Es hat sich im nachhinein herausgestellt daß die Durchführung der notwendigen Arbeiten mit eigenen Mitarbeitern der bessere Weg gewesen wäre.

Bei der bevorstehenden Einführung eines Standard-Softwareprodukts haben wir uns der Hilfe des anbietenden Softwarehauses im Sinne beratender Unterstützung versichert. Unsere Erfahrungen bestätigen, daß eine eigene schlagkräftige Abteilung die wesentlichen Belange des Unternehmens am besten abdeckt. Dabei ist es wegen der nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Personalkapazität erforderlich, Standardlösungen anzustreben.