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20.06.1997 - 

Leserbrief

Kein Kredit für Rüttgers

20.06.1997

Die Mitglieder dieser Bundesregierung lernen offensichtlich nicht dazu: Rüttgers' "risikolose Vollkaskogesellschaft" mit vier Millionen Arbeitslosen scheint ein Teil von Kohls "kollektivem Freizeitpark" zu sein. Leider tendieren die substantiellen Aussagen des Ministers gegen Null. Mit heißer Luft alleine werden allerdings keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden. Den Ausführungen des Ministers kann man eigentlich nur noch mit Ironie begegnen:

Wieso reicht das "Pflichtgefühl" der "4000 arbeitslosen Chemiker und ebenso vieler Ingenieure" eigentlich nicht aus, um sich selbständig zu machen?

Verhältnisse wie in den USA, wo für große Teile der Bevölkerung drei Jobs nötig sind, um eine Familie zu ernähren, wollen wir hier nicht; und eine Gleichung, bei der "sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber (...) mehr Vorteile haben als von festen Angestelltenverhältnissen", geht nicht auf. Märchen sollte Herr Rüttgers lieber seiner Oma mit dem Grundstück erzählen - für seine Ideen würde er von einer soliden Bank sicher keinen Kredit bekommen.

Die Frage der CW, die das Abwälzen der Arbeitsmarktprobleme auf die jungen Leute anspricht, trifft bei diesem Minister genau ins Schwarze: Das Engagement des Bildungsministeriums, um den Schritt in die Selbständigkeit zu erleichtern, hat Grenzen. Für einen Großteil der Jugendlichen, die im dualen System eine Berufsausbildung durchlaufen, verspielt der Minister mit kurzsichtiger Politik alle Zukunftsperspektiven: Wenn es ihm gelingt, den "zweiten Berufsschultag" abzuschaffen, verkommt die betriebliche Lehre zu einem Anlernverhältnis. Die Deutsche Wirtschaft scheint nach Ansicht dieses Ministers nur noch auf Kosten der Lehrlinge zu retten zu sein.

Kreativität in bezug auf die "Zukunft der Arbeit" kann vom derzeitigen Wissenschaftsminister offensichtlich nicht erwartet werden. Wir alle sollen uns neben "ständiger Weiterbildung" auch einstellen auf "zeitweises Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit für intensivere Fortbildung" und uns mit einer "individuellen, projektbezogenen Bezahlung" (sprich: billigeren, nur zeitweisen Bezahlung) zufriedengeben.

Anstatt die Bevölkerung auf die Horrorszenarien vorzubereiten, die sich aus einer verfehlten Politik ergeben, wäre es Aufgabe des Ministers, durch weitsichtige Politik die Zukunft zu gestalten.Gerhard Ihle, 35578 Wetzlar