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06.02.1998 - 

System-Management/Projekte erfordern Kenntnisse über Prozeßketten und DV-Strukturen

Kein kurzer Prozeß für das System-Management

Die Welt des Rechenzentrums ist heil: Seit etwa drei Jahrzehnten wissen die Datenverarbeiter im wesentlichen, wie ein RZ-Betrieb zu organisieren ist. Organisationsformen, Betriebssysteme, System-Management-Werkzeuge und Berufsbilder sind an einem bewährten Betriebsmodell ausgerichtet. Im Gegensatz dazu existieren PC und Server in kommerziellen Umgebungen vielleicht gerade einmal zehn Jahre. Oft waren es Autodidakten, die diese IT-Systeme verwalteten. Dazu kommt, daß die Hersteller der mehrheitlich auf PCs eingesetzten Betriebssysteme erst in den letzten beiden Jahren begonnen haben, die Problematik großer DV-Umgebungen zu verstehen und mit Softwareprodukten zu adressieren. Deswegen findet man in den Unternehmen Kombinationen aus dezentralen Systemarchitekturen, eingesetzter Software und Arbeitsweisen der Administration, die sich jeweils von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden.

Der Alltag in den Unternehmen stellt sich in den letzten Jahren nun folgendermaßen dar: Immer mehr PCs und Server werden installiert und damit die Anforderungen an die DV-Umgebung komplexer. Allein die täglichen Aufgaben überfordern die Administratoren; zu langfristiger Planung und Etablierung einer verwaltbaren Infrastruktur bleibt keine Zeit. Der Service ist teilweise unzureichend, und die Personalkosten wachsen meist in den Himmel. Schon ist abzusehen, daß in Zukunft auch Personal mit ausreichender Qualifikation weder zu haben noch zu bezahlen ist, das heißt, daß das immer größer werdende Arbeitspensum unmöglich zu bewältigen sein wird. Außerdem wachsen die vorher getrennten DV-Welten Host, Server und PC zusammen. Aus der am PC gestarteten 3270-Emulation zum Zugriff auf die Host-Applikation wird allmählich eine Anwendung mit Drei-Ebenen-Architektur, die sich zudem über verschiedene Betriebssysteme hinweg erstreckt. Das Management wird immer komplexer.

In dieser Notlage hoffen Anwender nun, mit System-Management-Produkten, vielleicht sogar zusammen mit umfassenden Plattformen, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Dabei orientiert sich die Auswahl aber fast ausschließlich an technologischen Anforderungen, der strategischen Ausrichtung und am Preis. Deswegen bleibt verborgen, wie extrem komplex die Prozeßketten des Managements von verteilten DV-Umgebungen sind und wie viele Schnittstellen sie zu anderen Verfahren im Unternehmen haben.

Diese Interfaces sind von Unternehmen zu Unternehmen wenig einheitlich, da sie in der Regel manuell zu bedienen sind. Paradebeispiele für solche Schnittstellen sind die nicht-technische Bestandsverwaltung von DV-Komponenten, das Bestellwesen für DV-Ausstattung sowie die Finanzbuchhaltung oder die Integration von Benutzerverwaltung und Personalstammdaten. Erschwerend kommt bei der Einführung einer Management-Lösung hinzu, daß in den Unternehmen selten Klarheit über die Abläufe in der eigenen IT-Umgebung besteht, da sie im Laufe der Jahre gewachsen und nirgendwo dokumentiert sind. Nur wenige Unternehmen leisten sich in diesem Stadium eine Prozeßanalyse des DV-Managements. Teilweise fehlt dafür die Zeit. Häufig tun Praktiker in der Administration derartige Aktivitäten aber auch als abstrakten Beraterunfug ohne jeden praktischen Nutzen ab.

Weil Kunden die Management-Plattformen und -Anwendungen an die unterschiedlichsten DV-Umgebungen möglichst einfach anpassen wollen, müssen die entsprechenden Produkte einen komponentenorientierten Ansatz mit Werkzeugcharakter verfolgen. Hinzu kommt, daß wirklich skalierbare System-Management-Programme für verteilte Umgebungen selbst hochkomplexe verteilte Anwendungen darstellen. Der Integrationsaufwand erreicht zudem eine Größenordnung, die vergleichbar ist mit der Einführung kommerzieller Anwendungen samt Aufwendungen für Infrastruktur-Ressourcen (etwa Netze, Server, RAM und Plattenplatz) und Personal.

Auch vergißt man leicht, daß jede DV-Umgebung aufgrund der dort eingesetzten Betriebssysteme, Programme, Middleware sowie eigenentwickelten Anwendungen eine einzigartige Kombination darstellt, die nur durch ein individuell konfiguriertes und erweitertes Management-System angemessen zu verwalten ist. Dazu kommen dann noch die meist vorhandenen Möglichkeiten zur Definition von kundenspezifischen Management-Domänen und Administratoren-Rollen in einem Management-spezifischen Sicherheitskonzept. Alles in allem eine verwirrende Vielzahl von Optionen.

Bei Interessenten an derart mächtigen Produktfamilien stellt sich angesichts des internen und externen Aufwands für Personal im Umfeld der Systemintegration schnell Ernüchterung ein. Die Kosten reichen nicht selten an die Ausgaben für die Softwarelizenzen heran oder übersteigen sie unter Umständen sogar. Dies ist insbesondere in sehr heterogenen DV-Umgebungen und bei mangelnder Kenntnis der Prozeßketten der Fall. Die aufwendigen Integrationsprojekte binden zudem die ohnehin knappen internen Ressourcen. Das läßt sich nicht vermeiden, weil ohne Beteiligung der eigenen Mitarbeiter der dringend benötigte Know-how-Transfer zum weiteren Betrieb der System-Management-Lösung nicht stattfinden kann, der erhoffte Entlastungseffekt dadurch aber gleichzeitig konterkariert wird. Nicht selten beugen sich dann selbst die Anbieter von Management-Lösungen dem ökonomischen Zwang durch begrenzte Budgets. Sie hoffen, mit minimalem Integrationsaufwand ein Maximum an Softwarelizenzen verkaufen und trotzdem eine befriedigende Lösung für den Kunden schaffen zu können. Ein fataler Fehler.

An diesem Punkt beginnt nun meist eine unglückliche Kettenreaktion, die hier exemplarisch dargestellt werden soll: Der Systemintegrator der Management-Lösung benötigt für die Einführung klare Vorgaben des Kunden, die eigentlich auf Basis eine Prozeßketten-Definition ermittelt und auf das gewählte Produkt abgestimmt sein sollten. Fehlen diese Vorgaben, wird der Systemintegrator meist aufgefordert, doch aus seiner Erfahrung typische Verfahrenweisen vorzuschlagen und zu implementieren. Das führt dann zu einer sehr individuellen Lösung, da keine detaillierten Prozeßanforderungen bekannt sind. Das Ergebnis gefällt wiederum den betroffenen Administratoren nicht, denn es entspricht nicht ihren hohen Erwartungen an die neue Management-Umgebung und verbessert ihre Situation nur geringfügig.

Zur Ehrenrettung des DV-Managers und -Projektleiters muß hier erwähnt werden, daß dieser die hier geschilderte Kettenreaktion meist frühzeitig erkennt und versteht. Gegenmaßnahmen leiten die Betroffenen ein, noch bevor der größte anzunehmende Unfall eintritt. Eine Ausarbeitung der benötigten Prozeßdefinitionen wird dann im Rahmen des Integrationsprojekts veranlaßt. Bedauerlicherweise geschieht dies üblicherweise unter immensen Zeitdruck, weil sich die bereits erfolgten Investitionen in Softwarelizenzen möglichst schnell amortisieren müssen und die im Projekt eingesetzten Personalressourcen nicht kurzfristig anderweitig disponiert werden können.

Eine umfassende Vorbereitung für die Einführung von System-Management-Werkzeugen ist dringend anzuraten. Die Hoffnung, daß existierende Produkte die bestehenden Engpässe quasi "out of the box" lösen, ist in der Regel unbegründet und nur in extrem homogenen Umgebungen zu erwarten. Unter anderem ist eine Prozeßanalyse mit anschließender Soll-Prozeß-Definition ein wirksames Mittel, um die konkreten Anforderungen an die Management-Werkzeuge transparent zu machen und die nachfolgenden Implementierungsaktivitäten auf die wichtigsten Probleme zu konzentrieren - so geschieht dies ja auch in der normalen Anwendungsentwicklung. Außerdem werden damit allzu hohe Erwartungen auf ein realistisches Maß reduziert. Selbstverständlich gibt es abschreckende Beispiele von Geschäftsprozeß-Erneuerungsprojekten, wo man jede Menge Zeit und Ressourcen vergeudet und die wesentlichen Ziele aus den Augen verliert; vor entsprechenden Angeboten ist unbedingt zu warnen. Wirklich erforderlich ist nur soviel wie nötig mit sowenig Aufwand wie möglich. Wie in allen Dingen im Leben ist auch hier das rechte Maß entscheidend.

Angeklickt

Projekte zur Einführung einer System-Management-Plattform sind oftmals mit hohen Erwartungen der Administratoren belastet. Zudem fehlt häufig das Wissen über die Vorgänge und Prozeßketten in der Unternehmens-IT. Die heterogenen Umgebungen machen jede Implementierung zu einem einzigartigen Unterfangen, das interne und externe Ressourcen intensiv bindet. Eine umfassende Vorbereitung in Form einer Prozeßanalyse und Soll-Prozeß-Definition reduziert die Anforderungen auf ein realistisches Maß und richtet den Blick auf die wichtigsten Probleme.

*Michael Santifaller ist Geschäftsführer der Santix Software GmbH in Unterschleißheim.