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21.03.1986

Kein neues Schlagwort, sondern Srategie:CIM fordert mehr als die Fertigung heraus

Ein neuer Begriff macht Furore und ist auf dem besten Weg, die Strukturen in der Fertigungsindustrie maßgeblich zu verändern, ist sich Dr. Klaus Richter. Leiter Informationsverarbeitung bei der Scientific Consulting Dr. Schulte-Hillen in Köln, sicher. Computer Integrated Manufacturing (CIM) sei dabei kein neuer Werbeslogan der CeBIT, sondern vielmehr eine Langzeitphilosophie für die integrierte Informationsverarbeitung in Konstruktion, Betrieb und Verwaltung.

Der CIM-Gedanke beruht, so der Consulting-Experte, auf dem grundlegenden Verständnis des Unternehmens als integratives und operatives System, das zudem in Wechselwirkung steht zu anderen gleichartigen Systemen, also anderen Unternehmen. In gewandelter Sicht ist das fertigende Unternehmen nun nicht allein ein System, das unter Einsatz von Kapital und Arbeit Material durchschleust, sondern auch ein System, das neben Material auch Information verarbeitet. Diese Information werde auf vielfältigen Wegen durch die einzelnen Bereiche des Unternehmens hindurchgeschleust und mit Außenstellen ausgetauscht. Integrierte Informationsverarbeitung benutzte, wenn sie computergestützt abläuft, stets als Basis sowohl ein Informations- wie auch ein Kommunikationssystem, zitiert Richter Erfahrungen.

Computerintegrierte Fertigung wolle, so der CIM-Experte, die einzelnen Automatisierungsinseln im Unternehmen, die in der Vergangenheit oft ein Eigenleben geführt haben, zusammenführen, so daß sie also in Zukunft - und nicht nur unter hohem Aufwand - vernetzbar sind.

Es entstanden in den vergangenen Jahrzehnten einzelne Automatisierungsinseln in den verschiedenen Bereichen der Unternehmen. Sie führten in der Fertigung, im Finanz- und Rechnungswesen und in letzter Zeit auch in der Konstruktion und der Fertigungssteuerung zu Rationalisierungseffekten infolge der Automatisierung der repetitiven, analytischen und in zunehmendem Maße auch der dispositiven Prozesse.

Durch Integration ließen sich Mehrfacherfassungen von Daten vermeiden: Hierdurch würden Fehlerquellen ausgeschaltet, seien Analysen und Entscheidungsfindungsprozesse leichter abwickelbar, da auf Informationen benachbarter Bereiche zugegriffen werden könne, so der Consulter; eine Redundanz der Informationen werde weitgehend vermieden. Es werde verhindert, daß verschiedene Unternehmensbereiche verschieden "gut" und verschieden "falsch" informiert sind.

Betrachte man das Schaubild, daß den Informationsfluß in einem typischen Fertigungsunternehmen darstellt, erkenne man sofort, daß die Erarbeitung eines CIM-Konzeptes keineswegs eine einfache Aufgabe sei. Da hier technische und kaufmännische Bereiche eng zusammenwirken müßten, verlange die Konzepterarbeitung vom CIM-Manager Einfühlungsvermögen sowohl in technische wie auch kaufmännische Zusammenhängen, Einblick in betriebswirtschaftliche Überlegungen, wie auch einiges fertigungstechnische Know-how, formuliert Richter die vielfältigen Anforderungen.

Zudem handelt es sich bei CIM keineswegs "nur" um ein DV-Konzept, also um die Lösung eines wenn auch komplexen Problemes mit Hilfe geeigneter Software; gefragt sei vielmehr im Vorfeld der späteren Computerlösungen das gezielte Abklopfen der Aufbau- und Ablauforganisationen auf Effektivität, Transparenz und rationelle Auftragserfüllung

Erst wenn das Unternehmen selbst sich ebenfalls als integriertes, operatives System versteht, bei dem die einzelnen Bereiche des Unternehmens eng integriert und verzahnt ineinander und miteinander arbeiten - und Stichworte wie überlappende Qualifikation, Teamarbeit, gesamtheitliche Vorgangsbearbeitung dem Unternehmen und den Mitarbeitern kein Fremdwort mehr sind - stellt der Kölner CIM-Experte heraus, könne ein integriertes DV-gestütztes Informations- und Kommunikationssystem seine volle Wirkung entfallen.

Fraglich sei, wenn beispielsweise, "das beste CAD-System, das integriert mit der Produktplanung und -steuerung Stücklisten austauschen kann, lediglich als komfortable Zeichenmaschine eingesetzt wird".

Ebenso stehe es um Komponenten wie die Textverarbeitung mit Ganzseitenbildschirmen, schwarz-auf-weiß-Schrift, Zoom-Funktion, Maus, Laserdrucker und integrierter Grafik, wenn die Angebote nach wie vor vom Kalkulator mit dem Taschenrechner kalkuliert, von Hand vorgeschrieben, anschließend in die Textverarbeitung eingetippt und hinterher nochmal in den Fernschreiber hineingehämmert würden.

Zum Thema Motivation meint Richter: "Was nützt die beste Feinplanung als Bestandteil eines PPS-Systems, wenn die erstellten Arbeitsplane vom Meister im Betrieb ignoriert oder vielleicht sogar boykottiert werden". Was nützten all die schönen Computer, resümiert der Fachmann aus der Kölner Scientific-Consulting, und die leistungsfähige Hardware mit noch so viel Mips wenn die Software nicht mitmache und sich der Programmierer am Problem der Groß- und Kleinschreibung in der Kundendatei die Haare rau(...). Gerade integrierte Informationsverarbeitung heiße auch und vor allem daß bei der Erarbeitung eines CIM-Konzeptes die Frage nach dem sinnvollen Computereinsatz gestellt werde.