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11.07.1980 - 

Diagnose- und Therapiebemühungen der GMD und des Arbeitskreises Org.EDV:

Kein Patentrezept gegen die Softwarekrise

LAHNSTEIN/MÜNCHEN (je) - Viele Werkzeuge, aber kein integriertes Konzept- so läßt sich das Ergebnis der Referate und Diskussionen zusammenfassen, die das Institut für Software-Technologie (eine GMD-Abteilung) für einen kleinen Kreis von Vertretern aus DV-Privatwirtschaft und -Forschung zum Thema "Software-Krise in Lahastein veranstaltete. Als Werkzeug, das eine ganz wesentliche Ursache dieser Software-Krise beseitigt, präsentierte der Arbeitskreis Org./EDV in München, einem ähnlich zusammengesetzten Hörerzirkel "Byblos, ein System zur rechnergestützten Dokumentation.

Das GMD- "Symposium on Software Engineering Environments sollte einen Überblick über den Stand der Entwicklung von Software-Produktions-Umgebungen bieten und dabei den Blick von der unsittelbaren Software-Erstellung auf den Bedarf der Benutzer und auf die Einbeziehung der von Software-Systemen Betroffenen lenken.

Entsprechend dieser breiten Thematik behandelte man zahlreiche konzeptionell verschiedene Ansätze zu Software-Produktions-Umgebungen, jede spezifisch für eine bestimmte Entwicklungsrichtung. Darunter waren bereits einsatzerprobte pragmatische Lösungen zur Engpaßbeseitigung, ferner Systeme, die um ein technisches Instrument (Datenbank, Programmier- oder Spezifikationssprache) konstruiert wurden, sowie Konzepte, die von organisatorischen und gesellschaftlichen Randbedingungen ausgehen.

Laiengerechte Lösungen sind Mangelware

Bilanzierend stellte die GMD fest: "Gemeinsam ist fast allen vorgestellten Lösungsansätzen, daß sie sich an den qualifizierten Fachmann, nicht jedoch an den DV-Laien wenden. Eine wirkliche Integration von Methoden und Werkzeugen in ein einheitliches Konzept steht ebenso aus wie eine bewußte Gestaltung des Arbeitsplatzes oder die Konzeption eines Software-Produktions-Managements.

Zufrieden konstatiert die GMD den von Referenten und Teilnehmern deutlich vermerkten großen Erfolg der Veranstaltung - auch und gerade im Vergleich zu vier ähnlichen, thematisch aber enger angelegten Konferenzen, die seit 1978 in den USA stattfanden.

Von vornherein auf einen speziellen Aspekt ausgerichtet war die letzte Veranstaltung der Sommervortragsreihe des Münchener Arbeitskreises Org./EDV, dessen Mitglieder sich aus Informatik-Studenten und -Professoren, DV-Praktikern und Herstellerfirmen rekrutieren. Im Vortrag "Tools/ Methoden behandelte Friedel Marksteiner, leitender Mitarbeiter der Gesellschaft für Systementwicklung (gfs) mbH, München, die "Computer-unterstützte Dokumentation in der Software -Entwicklung".

Marksteiner orientierte sich dabei an Byblos, einem seit längerem am Markt eingeführten und von mehreren Anbietern vertriebenen System zur rechnergestützten Dokumentation, Planung, Wartung und Integration komplexer Org/DV-Systeme, an dessen Entwicklung er selbst wesentlich mitgewirkt hatte.

Automatisierte Dokumentation noch kaum angewendet

Große Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich eines praxiserprobten Demonstrationssystems hätte Marksteiner, nimmt man ihn beim eigenen Wort, ohnehin nicht gehabt. Denn bei einem Marktpotential von - in der Bundesrepublik - 20 000 bis 30 000 gibt es, wie Marksteiner mitteilte, bis heute gerade um die 50 Anwender von rechnergestützten Dokumentationssystemen. Wirklich vorzeigbar unter diesen 50 sind nach Marksteiners Ansicht eigentlich nur die knapp 20 Byblos- und das Dutzend Datamanager-Anwender.

Die übrigen am Markt vorhandenen Tools seien von der Qualität oder den Installationszahlen (oder beidem) her betrachtet recht relevant, und mit beispielsweise Orgware oder HIPO, grenzte Marksteiner zur anderen Seite hin ab, setzten die Anwender nichtautomatisierte Tools ein. Auch wenn Marksteiner zu Vortragsbeginn seine Überzeugung äußerte, Byblos sei ein effizientes Instrument gegen die Software-Krise - der Byblos-Blindheit kann man ihn nicht zeihen: Bevor er die Zuhörer an die Byblos-Philosophie heranführte, räumte er ein, auch dieses System habe einige wenige Mängel und Fehler, "über die wir heute aber nicht reden wollen".