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27.02.1981 - 

Warum steht der Mensch im Mittelpunkt?

Kein Platz mehr zum Sitzen - alles zu mit Maschinen

Wenn die Anbieter von Organisationssystemen, Computern, Kommunikationsgeräten und EDV-Netzwerken am 1. April in der CeBIT-Halle der Hannover-Messe die Erwartungshaltung der Benutzer mit dem alljährlichen Innovationsschub befriedigen, so steht diese Demonstration verstärkt unter dem Motto des "Integrierten Büros" - natürlich mit Hinweis auf die Position des Menschen im Zentrum des datentechnischen Geschehens. Und wie immer, wenn die Euphorie der Branchenprofis aufkocht, verschaffen sich die Insider mit kolportierter Respektlosigkeit Luft. Frage: Warum steht der Mensch im Mittelpunkt? Antwort: Weil ringsherum kein Platz mehr ist zum Sitzen. Alles zugebaut mit Maschinen.

Trotz dieser Mißachtung des weitgefächerten Spektrums an bequemen Ergonomiemöbeln trifft der Messekalauer den Kern der aktuellen Entwicklung: Das apparative Umfeld wird dichter, die Forderung, sich der konzertierten Büroautomation zu bedienen, dringlicher. Terminals, Textsysteme, Speicherschreibmaschinen, Fernkopierer und Kleincomputer bilden die Basis für die lange vernachlässigte "White-Collar"-Produktivität, wenngleich die bloße Kumulation des kombinierbaren Materials noch nicht den Durchbruch bringt; der kommt erst mit dem Aneinanderkoppeln von Informations- und Kommunikationseinheiten zu integrierten Funktionsbündeln, zu Schaltzentren, die den Unternehmensprozeß in seinen Abläufen steuern und regeln.

Was die computer- und nachrichtentechnische Hardware betrifft, so könne die maximale Büroeffizienz jetzt schon erreicht werden. Auch die Software, deren Erstellung hinter der elektronischen Betriebsbereitschaft herhinkt, bietet dem "Integrierten Büro" im Frühjahr 1981 ausreichende Arbeitshilfen, besonders im Sektor der Online-Lösungen, der Datenfernverarbeitung, des Dialogverkehrs und der Datenbanken.

Dem Konsens näher

Auch bezüglich der Akzeptanz der integrierten Systeme sind wir derzeit einem allgemeinen Konsens näher als dem Jobkiller-Syndrom der siebziger Jahre. Das hängt primär damit zusammen, daß der Vormarsch des Computers ins weite Feld der Verwaltung die Arbeitsplätze offenbar nicht in dem Maße gefährdet, wie das ursprünglich befürchtet wurde. Darüber hinaus scheint die Einsicht in die Notwendigkeit der modernen Verbundlösungen mehr und mehr das anfängliche Unbehagen vor dem technischen Funktionsschema zu überdecken, was angesichts der Vorteile, die ein "umgestelltes" Büro für die Wettbewerbsfähigkeit (des Unternehmens) und die Leistungsentfaltung (des zukunftsbewußten Mitarbeiters) bereithält, nicht verwundert.

Die Hürden, die trotz guter Ausgangsposition einer raschen Realisierung integrierter Funktionsketten entgegenstehen, sind meist mentalitätsbegründet. Sie beruhen auf fehlender Übereinstimmung von Denkweisen mit der vorauseilenden Machbarkeit - sind also dem Mangel an organisatorischer Planung zuzurechnen. Das Defizit an "Systemdenken" ist eklatant, vor allem bei kleineren Wirtschaftseinheiten, die durch den Preisverfall der EDV-Geräte nun erst ihre hausgemachte Computer-Revolution durchleben.

Um das Ausmaß der kognitiven Schwierigkeiten zu erkennen, muß man sich die folgenden Einflußfaktoren klarmachen:

- Tradition und Erfahrung

Im Unterschied zum Bereich der industriellen Produktion (Taylorismus, Automation, Roboter) gab es bei den ehrwürdigen Verwaltungsmethoden nie einen grundsätzlichen Wandel, höchstens Verbesserungen innerhalb des tradierten Rahmenkonzeptes (zum Beispiel die doppelte Buchführung). Jede aktuelle Erfahrung beruht auf dem in Jahrhunderten gefestigten Denkschema - und es fällt schwer, sich davon zu lösen.

- Umsetzungsschablone

Die Versuchung ist groß, eingefahrene Methoden unverändert mit elektronischen Systemen, nachzubilden, ohne ihre Gültigkeit zu überprüfen (zum Beispiel die externe und interne Korrespondenz - auch die überflüssige - einfach auf die Textverarbeitung zu übernehmen): Fortsetzung überlebter Arbeitsweisen mit neuen Mitteln.

- Input-Output-Fixierung

Das traditionelle Kausaldenken verläuft parzelliert und mechanistisch, ganz im Gegensatz zu dem jetzt erforderlichen komplexen Systemdenken, das über den elementaren Input-Output-Schritt hinausgeht und den Pluralismus der Wechselwirkungen einbezieht. Selbst der Terminus "Synergie", der die multikausalen Erscheinungen in der Organisationswelt beschreibt, ist ins Managerdeutsch kaum eingedrungen.

- Schwerpunkt Fachwissen

Wo die EDV die Sachaufgaben löst, muß der Mensch die Verfahrensfragen beherrschen. Zwar ist es nach wie vor wichtig, zu wissen, was im "Integrierten Büro" im sachlogischen Sinne verarbeitet wird. Indes: Dem Know-how über die Verfahrensweisen gebührt künftig erhöhte Aufmerksamkeit, denn wenn in einem zweckrelevant strukturierten Informationssystem die EDV-Einheiten untereinander verkehren, wobei quantitative Bewegungen stattfinden, die das Menschenmögliche übersteigen, verbleibt dem einzelen dennoch die Kontrollfunktion, die eine profunde Kenntnis des Methodischen voraussetzt. Hier klafft die enorme Lücke.

Die Auflistung läßt erkennen, daß die Hemmnisse 1 bis 3 abgebaut werden, wenn es gelingt, den Punkt 4 zu bewältigen. Somit reduziert sich die beste Nutzung des "Integrierten Büros" auf ein Schulungsproblem.

Wenig Systemdenken

In den landläufigen Bildungsprogrammen für Manager, Planer und Fachbereichsleiter findet man aber nur wenige Hinweise auf das Systemdenken und die davon ableitbaren organisatorischen Formalisierungen. Der Bedarf ist erkannt, doch die Ausformung des abstrakten Lehrstoff zu praktischen Anwendungsregel bereitet Mühe - und kostet viel Zeit.

Auch das gilt als typisches Merkmal der EDV-Epoche: Die Hardware ist schon vorhanden, bevor die Ideen über ihren optimalen Einsatz Verbreitung finden.

*Heinzgünther Klaus ist Pressesprecher von Honeywell Bull, Köln.