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19.09.1997 - 

Kolumne

"Kein Streit zwischen Gut und Böse"

Marketing ist oft in doppelter Hinsicht eine Frage des richtigen Timings.

Diesen Lehrsatz haben die Gates-Company und ihre Windows-Vasallen nicht berücksichtigt, als sie Sun aufforderten, die Kontrolle über Java an ein Standardisierungsgremium abzutreten. Zwar heizt ihr offener Brief - wie intendiert - die Diskussion um Java (siehe Seite 5) weiter an, aber Microsofts eigene Sünden liegen noch nicht lange genug zurück, um aus dem Gedächtnis getilgt zu sein.

Die erinnernswerten Stichworte lauten "Active X" und "Public Windows Interface" (PWI). Als Microsoft im Oktober 1996 mit großer Geste die Komponenten-Architektur in die Obhut von "The Open Group" gab, hatte das Unternehmen bereits dafür gesorgt, daß die Weiterentwicklung der Technik vom sogenannten Steering Committee der Active-X-Group überwacht wird. In diesem Gremium haben praktisch ausschließlich Microsoft-freundliche Unternehmen Sitz und Stimme. Etwas länger liegt die Diskussion um das PWI zurück. 1993 hatte Sun - welch ein Zufall - Microsoft aufgefordert, das Windows-API unter der Bezeichnung PWI als offenen Standard in die Hände einer herstellerunabhängigen Organisation zu geben. Ziel dieser Initiative war es, Windows-Applikationen auch auf Nicht-Windows-Systemen ablauffähig zu machen. Microsoft lehnte dieses Ansinnen entrüstet ab.

Der Streit zwischen Microsoft und Sun ist übrigens kein Kampf zwischen Gut und Böse. Beide Parteien versuchen, als integre Verfechter von Standards dem anderen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Gates kann es nicht zulassen, daß sich neben der Windows-Welt eine zweite Architektur durchsetzt, und Sun will die Wintel-Dominanz brechen.

Wie die Auseinandersetzung um ein standardisiertes Java ausgeht, ist dabei relativ irrelevant. Bisher hat sich noch kaum eine Technologie durchgesetzt, nur weil sie mit dem Etikett Standard versehen war. Im Gegenteil: In der Geschichte der DV haben als Standardbemühungen getarnte "Verschleppungstaktiken" vielmehr verhindert, daß Technologien einen breiten Markt fanden. Unix beispielsweise hat seinen Siegeszug nicht aufgrund irgendwelcher Gremien in der Unternehmens-DV angetreten, sondern war trotz des jahrzehntelangen Streits um seine Standardisierung einfach zu interessant, um in den Aktenbergen zu versauern.