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16.06.1995

Keine Alternative zu Client-Server-Konzepten Studie ermittelt die Trends und Facts im Datenbank-Management

MUENCHEN (ua) - Die Auswahl eines Datenbanksystems gehoert aufgrund mangelnder Portabilitaet mit zu den schwierigsten Entscheidungen in der DV. Als Faustregel gilt, dass es ueber die gesamte Lebensdauer einer Anwendung eingesetzt wird und etwa drei bis fuenf Hardwaregenerationen ueberdauern muss. Welchen Trends ein Datensystem in den naechsten Jahren gewachsen sein muss, zeigt die Studie "Datenbanken in Netzwerken" von der Unternehmensberatung Jenz & Partner, Erlensee, auf.

Obwohl sich mit ueber 80 Prozent der weitaus groesste Teil der operationalen Datenbestaende in konventionellen Dateien sowie in hierarchischen und Netzwerkdatenbanken befinden, kommt die Studie zu dem Schluss, dass Client-Server eine "aeusserst interessante Alternative fuer Unternehmen jeder Groessenordnung" darstellt. "Der Druck der Anwender, aber auch die sich verschaerfenden Anforderungen an die Verfuegbarkeit aktueller Daten wird zu einer breiten Einfuehrung von Client-Server-Konzepten und verteilter, jedoch integrierter Datenhaltung fuehren."

Die untersuchten Datenbanksysteme CA-Ingres, IBM DB2 fuer MVS, DB2/6000, DB2/2, Informix-Online, Oracle, und Sybase System 10 werden deshalb in der Studie auf ihre Client-Server-Faehigkeiten und auf Moeglichkeiten zur verteilten Datenhaltung hin untersucht. Jenz und Partner gehen davon aus, dass Client-Server- Konzepte eine effiziente Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten bei einem hohen Grad an Flexibilitaet ermoeglichen.

Die Studie rechnet damit, dass das Volumen der Datenbestaende im Jahr 2000 in Unternehmen mit einer hohen Anzahl an abzuwickelnden Geschaeftsvorfaellen die Terabyte-Grenze weit ueberschreiten wird. Dabei duerften relationale Datenbank-Managementsysteme (RDBMS) das Rueckgrat der Datenhaltung bilden.

Objekte gehoeren an die Seite relationaler Daten

Netzwerk- und hierarchische DBMS seien nicht flexibel genug und objektorientierte Systeme haetten noch nicht die erforderliche Reife. Der gesamte Umsatz mit objektbasierten Datenbanken sei bislang "fast unbedeutend". Er habe im Jahr 1993 schaetzungsweise 70 Millionen Dollar betragen.

Auf laengere Sicht werden nach Einschaetzung der Marktforscher relationale und objektorientierte Datenbanken jedoch koexistieren. Dabei koenne die standardisierte Abfragesprache SQL, die derzeit in Richtung Objektorientierung modifiziert wird, eine Brueckenfunktion erfuellen.

Insbesondere bei der Notwendigkeit von BLOB-Datentypen, die wie bei Bildinformationen strukturierte Daten enthalten, stossen relationale Systeme an ihre Grenzen. Laut Untersuchung waere es vorteilhaft, wenn Daten und Prozesslogik gekapselt werden koennten.

Datenbanktechnik ist ausserdem abhaengig von den Hardware- und Betriebssystemtrends sowie von Standardisierungen und der zunehmenden Marktkonzentration. So beguenstige die jaehrliche Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhaeltnisses bei intelligenten Arbeitsstationen im Rahmen von 30 bis 40 Prozent eine funktionale Aufruestung der Anwenderarbeitspaetze auf Multitasking-Plattformen.

Andererseits, behauptet die Studie, wird der Leistungsumfang der Betriebssysteme auf Client- und Server-Ebene immer mehr auseinanderklaffen. Auf der Server-Seite gewaennen etwa das symmetrische Multiprocessing zur Steigerung des Durchsatzes und Sicherungsfunktionen wie die Plattenspiegelung an Bedeutung.

Windows 95 werde sich als Client-Betriebssystem durchsetzen, waehrend als Server-Betriebssysteme kuenftig hauptsaechlich Unix und Windows NT in Frage kaemen. OS/2 spiele auch weiterhin lediglich eine Aussenseiterrolle.

Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass der Grossrechner-Sektor, da er die ureigene Domaene der IBM darstellt und weiterhin von ihr gestuetzt wird, sowie die zugehoerigen Betriebssysteme VM, VSE und MVS auch in ferner Zukunft nur wenig an Bedeutung verloeren. Gleichwohl, so die Studie, werden die Installationszahlen dieser Betriebssysteme voraussichtlich nicht mehr steigen. Das gelte um so mehr, als der OLTP-Betrieb auch unter Unix und Windows NT durch entsprechende System-Software wie etwa TP-Monitore, unterstuetzt wird.

Um die enormen Investitionen, die mit der Entscheidung fuer ein Datenbanksystem verbunden sind, zu schuetzen, sind Standards erforderlich, betont die Untersuchung. Zwei Ziele sollten dabei gleichrangig im Vordergrund stehen: Interoperabilitaet und Portabilitaet.

Trotz des weithin akzeptierten ISO-SQL-Standards ist die Portabilitaet der Anwendungen zwischen Datenbanksystemen unterschiedlicher Hersteller nicht gegeben, beklagen die Autoren der Studie. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Anwendung ueber den gesamten Lebenszyklus hinweg eng an das Datenbanksystem gebunden bleibt, ist somit sehr hoch. Damit stehen Anwendungsunternehmen vor der Wahl, nur Systeme eines einzigen Herstellers einzusetzen, oder die Anwendungen fallweise an die Charakteristika der jeweiligen Datenbank anzupassen.

Gateways koennten zwar Adapterfunktionen uebernehmen, doch eine vollstaendige Transparenz sei mit ihnen nicht zu erzielen. Auch die Microsoft-Technik ODBC biete keine universale Loesung; sie unterstuetze zwar auch konventionelle Dateiverwaltungssysteme mit flachen Datenstrukturen, jedoch keine komplexen Datenmodelle wie das hierarchische und das Netzwerk-Datenmodell.

Zudem zeigt die Erfahrung nach Meinung der Analysten, dass auf Seiten der Softwarehersteller ein nur geringes interdisziplinaeres Know-how vorhanden ist. Das Zusammenspiel von Betriebssystemen, Netz-Software und -Management, verschiedenen Datenbanksystemen und Entwicklungswerkzeugen sowie eventuell mit TP-Monitoren wird zum Problem. Als Faustregel gilt: "Die Komplexitaet des Gesamtsystems steigt faktisch mit jedem Software-Produkt exponentiell." In der Konsequenz muss das Anwender-Unternehmen die Rolle des Systemintegrators in sehr viel staerkerem Mass als gewollt uebernehmen.

Der Markt fuer Datenbanksysteme ist nach Einschaetzung der Marktforscher bereits verteilt. Ein Neugeschaeft finde lediglich bei relationalen und objektorientierten Systemen statt, wobei sich die Anbieter relationaler Systeme an zwei Haenden abzaehlen liessen. "Anbieter unter einem Umsatzvolumen von 200 Millionen Dollar koennen keine langfristigen Marktchancen eingeraeumt werden. Auch neue Produkte sind in diesem Sektor nicht mehr zu erwarten."

Im Grossrechnerbereich mit MVS als Betriebssystem dominiert bei Neuinstallationen DB/2 mit einem Anteil von nahezu 100 Prozent. Im Bereich relationaler Systeme, die auf mehreren Hardware- und Betriebssystemplattformen von Mikro- bis zu Minicomputern eingesetzt werden koennen, sei der Markt ebenfalls aufgeteilt. Im Gegensatz dazu koenne der Anbietersektor fuer den Bereich der reinen Mikrocomputer-Datenbanksysteme als ueberbesetzt bezeichnet werden. Kurzfristig sei auch hier mit einer Verschaerfung des Selektionsprozesses zu rechnen. So draengten beispielsweise die Hersteller von "Mittelklasse"-Datensystemen wie Oracle mit Workgroup-Versionen in den Low-level-Markt.

Die Tendenz der Hersteller, ihre Erloese bis zu einem Anteil von 50 Prozent in Marketing und Werbung zu investieren, sei ein deutlicher Gradmesser dafuer, dass die Wachstumspotentiale ausgeschoepft sind und ein Verdraengungswettbewerb eingesetzt hat. Zudem habe die Marktsituation in den vergangenen Jahren zu einem Preiskampf gefuehrt, der sich zwar nicht unbedingt in den Bruttopreisen, wohl aber in ueberhoehte Preisnachlaesse niederschlug. Die Folge: Geringe Ertraege liessen weniger Raum fuer Forschungs- und Entwicklungsaufgaben. Unternehmen mit nur einem Produkt seien am meisten gefaehrdet. Sie koennten die Ertragseinbussen, die sie durch Bundling-Aktivitaeten anderer Anbieter erleiden, nicht kompensieren.

Deshalb sind fuer Jenz und Partner die Unternehmen am besten gewappnet, die eine rechtzeitige Diversifikation in die Wege leiten. Entscheidend sei zudem die Verfuegbarkeit von geeigneten Softwarewerkzeugen sowie von Standardanwendungen; bisher laeuft etwa R/3 von SAP nicht auf Sybase.

Keine Chance fuer Anbieter mit nur einem Produkt

Bei den Tools zeichne sich die Abloesung von 4GLs durch CASE-Tools ab. Der Grund: "Nur mit einer homogenen CASE-Umgebung, die mit geeigneten Werkzeugen und Sprachen alle Phasen der Software- Entwicklung und die Wartungsphase unterstuetzt, kann ein maximales Mass an Unabhaengigkeit der Anwendung erreicht werden."

Eine der Schlussfolgerungen der Studie lautet: "Je universaler der Anspruch, desto proprietaerer zwangslaeufig die Loesung". So sind beispielsweise Replikationsverfahren und -mechanismen nur in homogenen Umgebungen verfuegbar. Es gibt weder eine omnipotente Zugriffssprache fuer alle Datenmodelle, noch eine entsprechend leistungsfaehige Anwendungsschnittstelle oder ein ebenso umfassendes Protokoll. Verteilte Datenbanken bleiben sowohl in heterogenen als auch homogenen Umgebungen fuer absehbare Zeit Illusion. "Die Hersteller haben andere Prioritaeten."