Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

"Keine echte Erfindung ist nötig, um einen PC zu entwickeln"

06.05.1983

CW sprach mit Ken Olsen, Präsident der Digital Equipment Corporation

- Digital Equipment plant die Produktion eines 32-Bit-Mikrocomputers. Wie wird er Ihre restlichen Produkte, insbesondere die 16-Bit-Systeme, beeinflussen?

Wir verfolgen derzeit zwei Entwicklungen im Mikrobereich, ein relativ großes Produkt und ein sehr kleines auf einem Chip. Beide kommen gut voran. Die Markteinführung wird noch etwas auf sich warten lassen, weil unsere Tests sehr aufwendig sind. Die neuen Mikros sollen zwar in vielen unserer Produkte verwendet werden, aber die 16-Bit-Systeme bleiben weiterhin sehr wichtig. Zum einen gibt es sehr viel Software für diese Systeme, zum anderen werden sie immer billiger als 32-Bit-Systeme sein. Obendrein können wir mit dieser Rechnerklasse dem Kunden die Chance bieten, von sehr kleinen zu großen Systemen zu wachsen.

- In diesem Zusammenhang: Wird DEC Unix jetzt endgültig unterstützen?

Ja. Wir glauben zwar, daß für die meisten Anwendungen unsere eigenen Systeme besser sind, aber es gibt Applikationen, für die Unix besser geeignet ist. Und wenn die Welt mit Unix arbeiten will, dann werden wir es auch tun.

- Sie werden, zumindest hier in Europa, erst relativ spät auf dem kommerziellen Markt aktiv. Woran liegt das und welche prinzipiellen Unterschiede sehen Sie in diesem Bereich zwischen den USA und Europa?

Es gibt eigentlich keine großen Unterschiede. Es ist schwer, dies abzugrenzen. Mit Büroautomation beispielsweise befassen wir uns schon seit vielen Jahren. 1960/ 61 begannen wir mit Textverarbeitung. Electronic Mail entwickelten wir bereits in den späten fünfziger Jahren für ein Produkt namens "Arpanet" , mit dem die Universitäten heute noch arbeiten.

Unsere Rechner haben in den Staaten im Einsatz als echte kommerzielle Anwendungen beispielsweise die Abläufe im Zeitungswesen total verändert. Ähnliches geschieht in den Verwaltungen von Universitäten oder Ingenieurgesellschaften. Einer der Gründe, warum wir in die klassische Bürowelt erst spät einsteigen ist, daß wir in der Vergangenheit mehr Aufträge hatten, als wir erfüllen konnten. Es galt daher zunächst, das Augenmerk auf diese Aktivitäten zu richten. Dabei sind die Produkte, die wir für den Bürobereich anbieten, dieselben, wie wir sie bisher auch schon angeboten haben. Die Definition technischer und kommerzieller Anwendungen ist einfach im Wandel begriffen.

- Gibt es in den Vereinigten Staaten etwas Vergleichbares wie die sogenannte Mittlere Datentechnik mit all ihren Branchenlösungen hier in Deutschland, und wenn das so ist, vor welche Probleme stellt das die Minicomputeranbieter bezüglich des Softwareangebotest?

Die Bedürfnisse des Marktes sind dieselben. Vermutlich hat Nixdorf die Probleme hier besser gelöst als irgendjemand in den Staaten. In den USA ist Nixdorf nicht ganz so erfolgreich, aber die Bedürfnisse sind vergleichbar. Wir glauben allerdings, daß die Anwender in Zukunft leistungsstärkere Maschinen wollen, die in Netzen miteinander kommunizieren können. Sie wollen genau das, was wir im technisch-wissenschaftlichen Bereich schon seit langem realisiert haben. Kommunikationskonzepte und leistungsfähigere Maschinen sind die Forderungen des Marktes.

- Wie passen Personal Computer in dieses Konzept

Wenn Leute lernen, mit einer VAX umzugehen, wollen sie immer mehr Rechenleistung. Wenn die Leute lernen, mit einem Personal Computer umzugehen, kann es passieren, daß sie sich bald damit langweilen und das Ding in irgendeine Ecke stellen. Oder sie werden echte Profis und wollen dann einen leistungsfähigeren Computer.

- Verfolgen Sie damit die Philosophie, bei wachsendem Leistungsbedarf des Anwenders nicht den PC auszubauen, sondern auf Minicomputer umzusteigen?

Das ist weniger eine Philosophie als vielmehr eine Beobachtung, die zeigt, daß die Erfahrung keine unerhebliche Rolle spielt, wenn es darum geht, mehrere Anwender an einem System arbeiten zu lassen. Wie viele Leute hier auf der Messe können ein funktionsfähiges System für 64 Benutzer zeigen? Es gibt zwar einen Haufen Versprechungen, aber wenn man so etwas zum Laufen bringen soll, zählt nur noch die Erfahrung. Wir entwickeln seit mehr als 20 Jahren Timesharing-Systeme - praktisch von Anfang an.

- Betrachten Sie PCs also lediglich als Einstieg in die Datenverarbeitung?

Nicht für jeden. Eine Reihe von Aufgaben lösen Personal Computer sehr gut und werden sie auch weiterhin gut lösen. Aber hier unterscheidet sich unsere Philosophie von anderen. Wir wollen Produkte herstellen, mit denen man acht oder zehn Stunden am Tag arbeiten kann. Folglich sind auch unsere Personal Computer nicht für Leute ausgelegt, die damit ein paar Minuten zu Hause spielen.

Dabei enthält kein Personal Computer eine wirklich neue Technologie. Keine echte Erfindung war nötig, um ihn zu entwickeln. Aus diesem Grund gibt es auch so viele hier auf der Messe. Sie werden entworfen, indem man einen Chip von irgendeinem Hersteller kauft und der dann auch noch die Anleitung liefert, um ihn zusammenzubauen.

Tatsächlich haben Personal Computer nichts, was die Minicomputer nicht schon viel früher hatten. In diesem Sinn produzieren wir schon seit 15 Jahren Personal Computer. Aber jeder PC heute ist im Prinzip ein abgemagerter Mini. Bei den neueren PC-Entwicklungen versucht man nun, ihn wieder aufzurüsten.

Hier stellt sich dann die Frage, wann der Personal Computer aufhört, ein Personal Computer zu sein. Das ist genau dann der Fall, wenn es mehr als einen Benutzer gibt. Sobald mehrere Benutzer mit einem System arbeiten, handelt es sich um einen Minicomputer.

- Funktioniert der DEC-Service auch für die Arbeitsplatzcomputer?

Der Aufbau des AC ist so einfach, daß mit etwas Übung auftretende Schäden von jedem behoben werden können, sofern er die dazu notwendigen Teile zur Verfügung hat. Eine Zeitlang haber wir damit geworben daß jede Lehrerin den Personal Computer reparieren kann. Wir sagen das jetzt nicht mehr, nachdem wir feststellten, daß auch jede Mitarbeiterin in unserem Unternehmen dazu fähig ist. Und wir glauben nicht, daß Lehrerinnen weniger kompetent sind. Außerdem haben wir sowohl in Deutschland als auch in den USA einen Telefonservice eingerichtet. Weil wir in den Staaten auch Buchstaben auf der Wählscheibe haben, muß man dort nur "digital" wählen.