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23.03.2001 - 

Auf dem Prüfstand: Group Technologies AG

Keine Furcht vor Anna Kournikova

MÜNCHEN (gh) - Spätestens seit sich die Hackerszene mit Anna Kournikova des russischen Glamourgirls der weltweiten Tennisszene bemächtigt und einen gleichnamigen Virus in die Welt gesetzt hat, ist das Thema E-Mail-Security zum Allgemeingut geworden. Ein auf den ersten Blick guter Nährboden für die Group Technologies AG.

Jürgen Wege ist sichtlich zufrieden. Mit 12,12 (Vorjahr: 10,05) Millionen Euro Umsatz und einem operativen Gewinn vor Steuern von 624000 Mark gelang seiner Company mehr als eine Punktlandung. Man habe im Vorfeld "sehr konservativ" geplant und sei - auch aus diesem Grund - nicht wie viele andere Firmen am Neuen Markt "abgestürzt", betont der Chief Executive Officer (CEO) und Gründer von Group Technologies. Bei den vergangene Woche veröffentlichten endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 ist nach Ansicht von Wege vor allem bemerkenswert, dass die Produktumsätze gegenüber dem Vorjahr um über 100 Prozent gestiegen sind. Damit belege man nachhaltig "den Wandel vom Projekt- zum Produkthaus".

Eigene Tools werden seit 1993 vermarktetLetzteres ist nicht nur, wenn man so will, Teil der "Mission" der Karlsruher, sondern liegt auch in deren für die Verhältnisse am Neuen Markt langen Geschichte begründet. Denn die Wurzeln der Company reichen bis ins Jahr 1992 zurück, als man unter dem Namen Problem & Lösung EDV-Unternehmensberatungs-GmbH firmierte. Ein Jahr später wurde das Unternehmen in Group Wege & Partner EDV-Unternehmensberatung GmbH umbenannt. Bereits zu dieser Zeit befasste man sich mit der Entwicklung von Sicherheitssoftware und vertrieb das erste Release des eigenen Antiviren-Programms "Watch-Dog". Heute ist Wege jedenfalls stolz darauf, besagten Schwenk zum Softwareanbieter geschafft zu haben, denn nur "mit eigenen Lizenzen" verdiene man Geld, nicht aber "mit dem Verkauf der Lösungen" von Drittanbietern.

Bis dato wichtigste Zäsur war im Jahr 1998 die 100-prozentige Übernahme durch den Anbieter von Dokumenten-Management-(DMS-)Lösungen CE Computer Equipment AG. Ein Jahr später verschmolz Group mit der Netconcept Gesellschaft für innovative Netzdienste GmbH. Der Deal mit CE, daraus macht Vorstandschef Wege gar kein Hehl, war für seine Company mit der Anfang vom Durchbruch. Die im westfälischen Bielefeld ansässigen DMS-Spezialisten schrieben eine der wenigen nachhaltigen Erfolgstories am Neuen Markt, fahren selbst einen profitablen Wachstumskurs und fungier(t)en da und dort als Türöffner für ihre E-Mail-Security-Tochter Group. Wobei das "Genre" E-Mail-Security längst nicht mehr deren alleiniges Betätigungsfeld ist. Group Technologies positioniert sich inzwischen als Komplettanbieter für die so genannte E-Business-Security und deckt dabei alle Belange von der Sicherung der Inhalte (Virenschutz), der Verarbeitung (SPAM-Abwehr), die Rechtsgültigkeit sowie den Themen Verschlüsselung und Aufbewahrung ab.

Basisplattform aller Group-Lösungen sind die im Markt neben Novell Groupwise wohl verbreitetsten Groupware-Systeme Lotus Notes und Microsoft Exchange. "Ein Stück Investitionssicherheit für uns und unsere Kunden", wie Wege im Vorfeld des IPOs gerne witzelte. Doch solche vermeintlich lockeren Sprüche werden bis jetzt jedenfalls von den Realitäten im Markt bestätigt. Derzeit machen E-Mails rund 70 Prozent des gesamten unternehmensübergreifenden Netzverkehrs aus, nur zehn Prozent davon sind geschützt, heißt es in einer Studie der britischen Marktforschungsgesellschaft Ovum. Die Folge sind unliebsame Hackerangriffe - das publicityträchtige Beispiel Microsoft lässt grüßen! Allein in den Vereinigten Staaten werde der hierdurch verursachte finanzielle Schaden auf jährlich etwa 400 Milliarden Dollar geschätzt, so Ovum. Viren wie "Melissa", "I love you" und zuletzt "Anna Kournikova" taten zu einer entsprechenden Bewußtseinsbildung ihr Übriges. Kein Wunder also, dass Ovum entsprechend positive Schlüsse zieht. Der Markt für E-Business-Security soll von 3,5 Milliarden Dollar (2000) auf nahezu 59 Milliarden Dollar im Jahr 2005 ansteigen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 60 Prozent entsprechen würde.

Produktportfolio ein Alleinstellungmerkmal?"Wenn wir in dieser Zeit nur ein Prozent Anteil am Weltmarkt erreichen, sind wir auf der sicheren Seite", macht Vorstandschef Wege eine vermeintlich einfache Rechnung auf. Doch die Wettbewerbssituation ist für die Karlsruher bei näherem Hinsehen dann doch nicht ganz so rosig. Zwar ist in Fachkreisen weitgehend unbestritten, dass Group Technologies derzeit mit seinem Kernprodukt, der Antiviren-Software "SecuriQ-Watch-Dog" sowie anderen Tools (Verschlüsselung, Firewalls, Rechtssicherheit) aus der "SecuriQ"-Familie über ein modular aufgebautes Produktportfolio verfügt, das derzeit im Markt für ein respektables Standing sorgt. Doch ein avantgardistischer Anspruch ist das eine, die Kräfteverhältnisse im Markt das andere. Denn in Teilbereichen konkurrieren die Karlsruher natürlich mit Branchengrößen wie Symantec, Network Associates (NAI) oder Trend Micro. Schon ein Blick auf die Umsätze dieser US-Companies dürfte die Relationen wieder zurecht rücken. Gleiches gilt, wenn auch mit Einschränkung, für Konkurrenten am Neuen Markt, etwa Utimaco Safeware.

Auch aus diesem Grund ist Group-Chef Wege vermutlich bemüht, seine Company produktmäßig auf eine (noch) breitere Basis zu stellen. So haben sich die Karlsruher beispielsweise auch das Problem der so genannten "E-Business-Organization" groß auf ihre Fahnen geschrieben, also die Bearbeitung der elektronischen Post bei krankheits- oder urlaubsbedingter Abwesenheit des Users, der elektronische Terminkalender - und das heute noch wenig spannende Thema E-Mail-Nutzungsstatistik beziehungsweise Budgetkontrolle des E-Mail-Verkehrs, das aber in Zukunft einiges an unternehmensinternen Zündstoff in sich bergen könnte. Mittelfristig soll die entsprechende "OrganiziQ"-Produktfamilie sogar zum Kerngeschäft avancieren, betont Wege.

Gefahr droht durch Lotus und MicrosoftKritisch dürfte neben der Tatsache, dass mit Microsoft und Lotus auch die Hersteller besagter Groupware-Plattformen in den Security-Markt drängen könnten, auch die noch geringe Größe und mangelnde internationale Präsenz des Unternehmens sein. Trotz erster namhafter Kunden im In- und Ausland ( Deutsche Bank, Daimler-Chrysler, Coca-Cola) ist man derzeit alles andere als ein Global Player. Die Gelder, die der Börsengang einbrachte (rund 56 Millionen Euro), sollen deshalb neben der weiteren Produktentwicklung vor allem der Expansion zugute kommen.

Fazit: Mit einem Ausgabepreis von 7,50 Euro gelang Group Technologies im November 2000 nur am unteren Ende der Bookbuildung-Spanne der Sprung aufs Börsenparkett - die Stimmung an Frankfurts "Zockerbörse" war seinerzeit schon im Keller. Gemessen an dem, was inzwischen passiert ist, habe man sich "alles in allem gut geschlagen", redet Group-Chef Wege die Tatsache schön, dass der Aktienkurs seiner Company bei derzeit knapp unter drei Euro arg unter die Räder gekommen ist. Fakt dürfte in jedem Fall sein, dass die Karlsruher im Lichte ihrer aktuellen Ergebnisse momentan nicht unbedingt fair bewertet sind.

Abb.1: Umsatzentwicklung

Boom-Markt E-Security: Mit den Group-Einnahmen soll es steil aufwärts gehen. Quelle: Group Technologies

Abb.2: Gewinnentwicklung

Trotz Expansion hat sich Group einen profitablen Wachstumskurs verordnet. Quelle: Group Technologies