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16.07.1982 - 

Umstrukturierung der Wirtschaft soll DV-Industrie nach vorn katapultieren:

Keine "Japanik" - gelbe Gefahr noch nicht akut

16.07.1982

MÜNCHEN (ih) - Nach den Zahlen, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden liefert, kann auf dem DV-Markt noch nicht von einer Invasion japanischer Computer gesprochen werden. Die vielzitierte "gelbe Gefahr" läßt in Deutschland offensichtlich noch auf sich warten. Nach wie vor sind die USA der Hauptlieferant. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft folgen an zweiter Stelle.

Doch möglicherweise ändert sich die Importstruktur nach Lieferländern der Bundesrepublik langfristig durch die Förderprogramme, die die japanische Regierung zur Umstrukturierung der Wirtschaft beschlossen hat. Bei der Entwicklung von neuen Technologien erhalten die japanischen Unternehmen jede denkbare Unterstützung des Ministry of International Trade & Industry (MITI), das den Konkurrenten der amerikanischen und europäischen Computerindustrie mit Subventionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar tatkräftig zur Seite steht. Im April schlossen sich acht japanische Hersteller, darunter Hitachi, NEC, Toshiba und Sharp, mit dem Ziel zusammen, gemeinsam neue Computer der sogenannten fünften Generation, kompakte EDV-Anlagen mit dem Leistungsvermögen großer Systeme, zu entwickeln.

Förderschwerpunkt Datenverarbeitung

Nach der Zielplanung der japanischen Industriepolitik gehören Mikroelektronik und Datenverarbeitung in Zukunft wesentlich mit zu einer japanischen Exportoffensive in Europa. Berichten des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge sieht der 1979 von der japanischen Regierung verabschiedete Wirtschafts- und Sozialplan bis 1985 eine grundlegende Umstrukturierung der japanischen Wirtschaft in den achtziger Jahren vor. Gefördert werden soll vor allem der Bereich Maschinenbau mit Schwergewicht Präzisionsmaschinen und Elektrotechnik. Positive Einflüsse erwartet Japan von der fortgeschrittenen Technik auf den Gebieten der elektronischen Bausteine wie der Computer.

Nikkei Business ermittelte als wichtigste Wachstumsträger der japanischen Wirtschaft in der laufenden Dekade die Industriezweige, die sich mit der Herstellung und Anwendung elektronischer Bauelemente und verwandter Produkte befassen. Der Ifo-Bericht zahlt in diesem Zusammenhang ferner die Computerindustrie sowie Hersteller von Ausrüstungen für die Nachrichtentechnik, von Präzisionsmaschinen sowie von Büromaschinen auf. Bis 1989 sollen elektronische Bauelemente und Röhren mit einem durchschnittlichen Wachstum von rund neunzehn Prozent an erster Stelle im Produktionswachstum stehen.

Die Datenverarbeitung folgt mit rund zehn Prozent auf Platz drei. Aus der Umstrukturierung der Wirtschaft ist eine weitere Umschichtung der Exporte hin zu Technologie- und Know-how-intensiveren Produktionsbereichen zu erwarten. Das Ifo-Institut rechnet damit, daß der Anteil von Computern und sonstiger elektronischer Ausrüstung an den japanischen Ausfuhren spürbar größer wird.

Der Anteil japanischer Direktinvestitionen im Ausland dürfte stark wachsen. Die gewaltigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung gerade auf dem Gebiet der Datenverarbeitung, die Erhöhung der Rohstoffpreise, allen voran das Erdöl, schreien geradezu nach dem Weltmarkt. Der Wirtschaftsplan bis 1985 sieht überdies ein reales Wachstum von 5,5 Prozent pro Jahr vor. Zu verwirklichen ist diese Zielvorgabe nur über den Export.

In Japan soll auch auf dem sensiblen Bereich der staatlichen Forschungsprojekte geöffnet werden. Bei dieser Entscheidung des japanischen Wirtschafts- und Industrieministeriums (MITI) dürfte der Gesichtspunkt eine Rolle spielen, dadurch am Know-how nichtjapanischer Unternehmen teilzuhaben. Wie Japan-Monitor aus dem Handelsblatt-Verlag berichtete, wird an einer grundlegenden Reform der bisherigen Verfahrensweise gearbeitet.

Es sei die Zulassung von nichtjapanischen Unternehmen zu den jeweils für ein Forschungs-Großprojekt gebildeten Unternehmens-Konsortien vorgesehen. Bisher war nichtjapanischen Unternehmen der Beitritt zu diesen "Technologieentwicklungs-Forschungsgemeinschaften" nicht möglich. Geplant sei ebenfalls die Bekanntgabe der Ergebnisse der Forschungsprojekte sowie die Vergabe von Einzelprojekten auch an nichtjapanische Unternehmen.

Gelassenheit im klassischen MDT-Bereich

Die Zulassung ausländischer Unternehmen soll erstmals bei dem Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Computers der fünften Generation praktiziert werden. Auch bei künftigen Projekten, wie beispielsweise "intelligente Roboter" sei die Zulassung nichtjapanischer Unternehmen vorgesehen.

Die Nixdorf Computer AG, Paderborn, sieht der japanischen Herausforderung gelassen entgegen. Der Hersteller von Computern der mittleren Datentechnik (MDT) betrachtet ein potentielles Bemühen der Japaner auf dem bundesdeutschen Markt eher als Stimulans denn als Schock. 1980 beispielsweise exportierte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge MDT-Anlagen im Werte von rund sechzig Millionen Mark nach Japan. Dort arbeitet Nixdorf mit der Kanematsu-Nixdorf Company Ltd. und der Marubeni-Electric Co. Ltd., beide Tokio, zusammen. Über Kooperationsbemühungen der Japaner in Richtung Bundesrepublik gibt es bei dem Paderborner MDT-Hersteller keine Anzeichen. Das Geschäft bleibt eine Einbahnstraße. Nach Ansicht eines Nixdorf-Sprechers erweist sich die anwenderorientierte Software noch einige Zeit als Marktbarriere für die japanischen Hersteller, die in dieses Marktsegment eindringen wollen.

Kooperationen auf dem PCM-Markt

Verglichen mit den zwar nach den Importstatistiken vorhandenen, aber nicht in Erscheinung tretenden Aktivitäten japanischer Rechnerhersteller auf dem mittleren Marktsegment sind japanische Rechner im oberen Bereich stark vertreten. Hitachi verpflichtete die BASF AG, Ludwigshafen, ab Herbst 1980 als OEM-Kunden. Die italienische Olivetti, in der Bundesrepublik vertreten durch ihre Tochtergesellschaft, die Deutsche Olivetti GmbH, Frankfurt, wagte mit diesem Hersteller erneut den Schritt ins Großanlagengeschäft. Die National Semiconductor Corp. (NSC) vertreibt über ihre Division National Advanced Systems (NAS), Frankfurt, ebenfalls Rechner dieses japanischen Konzerns in der Bundesrepublik.

Die Fujitsu Ltd. beschritt für den Vertrieb ihrer Großrechner einen anderen Weg als Hitachi. Sie vergab 1978 in einem auf zehn Jahre befristeten Vertrag das exklusive Vertriebsrecht an ihren langjährigen Kooperationspartner, die Siemens AG, München/Berlin. Ausgenommen von dem Vertriebsbereich ist nach Siemens-Angaben Spanien, wo Fujitsu den europäischen Rechnermarkt zuerst testete. Die Zusammenarbeit mit Siemens und der Fujitsu-Mutter, an der Siemens vor dem zweiten Weltkrieg mit fünfzig Prozent beteiligt war, reicht bis 1923 zurück. An der Fuji, der Muttergesellschaft von Fujitsu, hält der größte deutsche Rechnerhersteller eigenen Angaben zufolge heute noch einen Anteil von neun Prozent. Im Frühjahr dieses Jahres wurden die Verträge zwischen Siemens und Fujitsu bis Mitte der neunziger Jahre verlängert und auf das neue Produktspektrum, die sogenannte S-Serie, erweitert.

Über die US-amerikanische Mutter ist Fujitsu außerdem zu rund dreißig Prozent an der Amdahl Corp. beteiligt. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers vertreibt Amdahl jedoch auch in der BRD nur eigene Produkte. Ein Vertrieb der Rechner des japanischen Herstellers sei nicht geplant. Als Gene Amdahl jedoch seinen Rechner entwickelte und damit der PCM-Strategie zum Durchbruch verhalf, bediente er sich zunehmend der Hilfe von Fujitsu.

Interessanterweise suchte sich Nixdorf keinen japanischen Kooperationspartner, um ins Großrechnergeschäft einzusteigen. Der 1980 vorgestellte Rechner 8890 wird in Zusammenarbeit mit der israelischen Elbit hergestellt. Das Betriebssystem-Nidos kann auch durch das entsprechende Betriebssystem der IBM ersetzt werden. Insgesamt, so ergab eine Untersuchung der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt, teilen sich die PCM-Rechner in der Bundesrepublik nicht einmal ein Prozent des entsprechenden Marktes.

Nach Ansicht von Fachleuten droht den Vertriebspartnern der japanischen Großrechnerhersteller eines Tages ohne Anschlußvertrag dazustehen. Die Japaner könnten nach der Einführung ihrer Produkte in der Bundesrepublik selbst den Vertrieb übernehmen.