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28.03.1997 - 

Kolumne

"Keine Kontrolle auf Dauer"

Objektorientierung spielt in der künftigen Applikationswelt nur eine Rolle für GUIs oder Schnittstellen. In den eigentlichen Programmen hat sie nur in Ausnahmefällen Platz. Diese Auffassung vertritt SAP-Mitbegründer und Vorstandsmitglied Hasso Plattner (siehe Seite 9). Neben technischen Gründen führt er vor allem ins Feld, daß bei Software, die aus objektorientierten Komponenten zusammengesetzt ist, keiner die Verantwortung für das komplette Programm übernehmen kann. Niemand, so die Annahme, könne für ein reibungsloses Zusammenspiel von Applets garantieren, die womöglich noch von unterschiedlichen Software-Anbietern stammen. Softwarekomponenten seien nun einmal komplexer als Legobausteine.

Aus der Sicht des Marktführers ist Plattners Argumentation nachvollziehbar, würde doch eine funktionierende objektorientierte Anwendungssoftware, deren Elemente wie Lego-Bausteine kombiniert werden könnten, die Spitzenposition von SAPs umfangreicher Standardsoftware bedrohen.

Aber in Abrede zu stellen, daß sich in Zeiten von Java, Active X und Applets, mit denen die IBM-Tochter Lotus demnächst bereits Textverarbeitung und Tabellenkalkulation darstellt, Objektorientierung zunehmend durchsetzt, erscheint zu einfach, zumal SAP selbst Java zumindest für die grafischen Oberflächen benutzt. Außerdem erwähnt der SAP-Vordenker die sogenannten Frameworks von Firmen wie SNI, Template Software oder Vantive mit keinem Wort. Sie stellen dem Anwender einen Softwarerahmen zur Verfügung, der um zusätzliche Objekte - auch von anderen Softwarehäusern - erweitert werden kann.

Mit ihren Mitteln planen die Walldorfer ohnehin das gleiche wie die objektorientierten Softwerker: das Programm zu dezentralisieren und über das Internet verteilbar zu machen. Selbst die Öffung für andere Anbieter ist nicht mehr tabu. Allerdings wollen die Walldorfer die Kontrolle behalten.

Freilich ist auch SAP nicht in der Lage, den Fortschritt in der Softwaretechnologie zu kontrollieren. Das, was Plattner heute noch als unmöglich darstellt, kann morgen funktionieren. So sieht es zumindest die IBM (siehe Seite 8), die zwar lange die Weiterentwicklung der IT bestimmte, aber spätestens nach dem OS/2-Debakel schmerzhaft erfuhr, daß Kontrolle auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist.