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17.07.1992

"Keine Marktanteile um jeden Preis"

Mit Francois Dutray, Directeur International der Groupe Sligos S.A., Paris, sprach CW-Mitarbeiter Lorenz Winter

Im Geschäftsjahr 1991 setzte Sligos 3,2 Milliarden Franc um (plus 10,8 Prozent) und verdiente 171 Millionen Franc. Das entsprach einem Zuwachs von 6,5 Prozent und einer Umsatzrendite von 5,4 Prozent. Von den 2300 Mitarbeitern sind zirka 1200 im europäischen Ausland tätig. Bislang stammen je 30 Prozent vom Umsatz aus den Geschäftsbereichen Bankenautomation und Software-Engineering, der Rest aus Dienstleistungen in Mehrwertnetzen, Entwicklung von PC-Software für den Mittelstand sowie aus Handels- und Support-Tätigkeiten. Das Softwarehaus betrieb in der jüngeren Vergangenheit unter seinem Gründer und Präsidenten Gerard Bauvin eine europaweite Expansion. Dabei übernahm die Gruppe, die sich selber zu etwa 60 Prozent im Besitz der staatlichen Großbank Credit Lyonnais befindet, in Deutschland die Firmen Actis, Ikoss und B + S Card Service.

CW: Herr Dutray, welche Strategie steht hinter dem Erwerb von Firmen wie Actis, Ikoss und B + S?

Dutray: Ende 1989 beschloß Sligos, sich in vier Ländern Europas durch die Übernahme von Unternehmen aus zwei Branchen zu etablieren, die für unsere künftige Entwicklung Schlüsselfunktion besitzen: Die Länder sind Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien, die Branchen Bankenautomation und Software-Engineering. Im Prinzip orientiert sich unsere Strategie an der Zielmarke 1993, aber den Zeitpunkt für einzelne Maßnahmen wählen wir nach Gutdünken.

CW: Was würden Sie als Hauptergebnisse der Europa-Strategie von Sligos bezeichnen?

Dutray: Es war ursprünglich unsere Absicht, bis Ende 1993 etwa 20 Prozent vom Gruppenumsatz in den vier erwähnten Ländern zu erwirtschaften. Mit B + S haben wir dieses Ziel Anfang 1992 bereits leicht übertroffen.

CW: Das Softwaregeschäft war in den Vorjahren rezessiv. Kauften Sie Marktanteile zu, um die Flaute wettzumachen?

Dutray: Nein, es war weder die Absicht noch das Ergebnis unserer Bemühungen, mangelndes internes Wachstum der Gruppe extern zu kompensieren. Inneres Wachstum hat für Sligos stets Priorität gehabt. Auch im etwas flauen Geschäftsjahr 1991, als zum Beispiel der französische Softwaremarkt nur acht bis neun Prozent zulegte, schaffte Sligos ein Umsatzplus von fast elf Prozent.

CW: Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die übernommenen Firmen aus?

Dutray: Wir kaufen keine Marktanteile um jeden Preis und betreiben auch keine Beteiligungspolitik im Stil einer Holding. Wir sind an Unternehmen interessiert, von deren Handwerk wir etwas verstehen und die zu uns und zueinander passen.

CW: Was bedeutet diese Regel konkret für Deutschland?

Dutray: Dort gibt es eine Kohärenz zwischen Actis, Ikoss und B + S, woraus sich beträchtliche Synergien erzielen lassen. Actis entwickelt Software je zur Hälfte, für die Autoindustrie und das Bankenwesen. Beides sind interessante Märkte, und daß Actis sich dabei auf kleinere und mittlere Banken spezialisiert hat, kommt uns zugute. Diesem Marktsegment gilt unsere besondere Aufmerksamkeit.

Schwerpunkt von Ikoss ist das Softwareengineering für die Industrie, gleichzeitig arbeitet das Unternehmen aber auch in den Bereichen Mehrwertnetze und Bankenautomation. Es gibt also sowohl Verbindungen zur Tätigkeit von Actis als auch zu der unseres Partners Eucom, einem Gemeinschaftsunternehmen von France Telecom und Deutsche Bundespost Telekom für den Betrieb von Mehrwertnetzen, Schließlich erbringt Ikoss Dienstleistungen für Firmen wie die Gesellschaft für zahlungssysteme, GZS, oder für B + S.

CW: Ist dem Markt schon bewußt, mit wem er es bei Sligos zu tun hat? Eigentlich gelten Sie doch als Spezialist für Bankenautomation.

Dutray: Richtig, bisher sind wir wahrscheinlich dem Banker-Milieu Europas eher ein Begriff als der Industrie oder dem Dienstleistungsgewerbe im allgemeinen. Dabei sind wir beim industriellen Software-Engineering mittlerweile einer der wichtigsten europäischen Anbieter. In Frankreich, Deutschland und in Italien, wo wir 1990 die Mehrheit bei Msarteam übernahmen, beschäftigen wir heute in diesem Bereich insgesamt etwa 600 Mitarbeiter. Aber es ist uns bewußt, daß wir trotz unseres Gewichts auf diesem Markt noch nicht genügend Profil zeigen.

CW: Vorerst scheinen die Zeichen aber auf Konsolidierung zu stehen. Sligos-Präsident Gerard Bauvin kündigte erst kürzlich ein Ende der bisherigen Expansionsphase an...

Dutray: Wir sind in Europa noch keineswegs ausreichend präsent, und es gibt noch genug Platz zur weiteren Ausdehnung.

CW: Warum gebot Bauvin dann Einhalt? Herrscht Ebbe in der Sligos-Kasse?

Dutray: Finanzielle Gründe haben dabei womöglich eine Rolle gespielt, aber schließlich kauft ja keine Firma andere Unternehmen einfach so

auf. Jetzt müssen wir erst einmal eine Menge von Integrations- und Management-Problemen lösen und die neue Situation unter Kontrolle bringen. Wenn die Integrationsphase abgeschlossen ist, und das braucht sicher seine Zeit, werden wir unsere Entwicklung in Europa fortsetzen - mit Großbritannien und Italien als nächsten Schwerpunkten.

CW: Darüber hinaus denkt Sligos vorläufig nicht?

Dutray: Jedenfalls ist es nicht unser Fernziel, einmal zu den drei oder vier größten Akteuren am Weltmarkt für Software zu zählen. Wenn uns das eines Tages trotzdem gelingt: um so besser. Aus heutiger Sicht aber bedeutet internationale Entwicklung für uns in erster Linie, eine maßgebliche Position in Europa zu erringen. Vermutlich trifft sich dieses Ziel auch mit den Strukturveränderungen, die der Gemeinsame Markt in unserer Branche auslösen wird.

CW: Inwiefern?

Dutray: Wenn Sie sich die Software- und Systemhäuser in Europa anschauen, werden Sie feststellen, daß die Konzentration dort schon erheblich fortgeschritten ist. Es gibt eine Handvoll Großunternehmen, die mit weitem Abstand vorn liegen, dann einen Haufen kleiner und allerkleinster Nischenfirmen, die sich zum Teil dennoch sehr erfolgreich schlagen, und dazwischen die mittelgroßen Firmen, die mir am stärksten gefährdet scheinen. Diese verschwinden entweder in einem großen Konzern von jenseits des Atlantiks, oder sie versuchen, ihre Identität im Verbund einer Unternehmensgruppe zu wahren, die gewachsenes Know-how und gewachsene Strukturen achtet, eine Gruppe, die gleichzeitig die europäischen und die lokalen Aspekte unseres Geschäfts berücksichtigt. Sligos bietet auch heute als ein solcher Unternehmensverbund an.

CW: Wird nicht manchen Bündniskandidaten die Tatsache stören, daß er bei Sligos in den Einflußbereich einer staatlichen Großbank gerät?

Dutray: Mit solchen Bedenken müssen wir uns in der Tat immer wieder auseinandersetzen, aber ich glaube, wir können sie ausräumen. Als Sligos in Großbritannien die Firma Nexus kaufte, wurden wir mit der Behauptung vor die Kartellkommission geschleppt, wegen unserer Verbindung zu Credit Lyonnais seien wir doch eigentlich ein Staatsunternehmen und würden in letzten Instanz von Herrn Beregovoy geleitet, der damals Wirtschafts- und Finanzminister war. Aber wir bestanden die üblichen Hearings bei der Behörde; sie bescheinigte uns unsere Unabhängigkeit.

CW: Stand die Bank nicht dennoch Pate bei Ihrer Expansion in Europa?

Dutray: Unsere regionale Entwicklung und die stärkere Diversifizierung sind nicht von unserem Großaktionär finanziert worden, sondern aus zwei Kapitalerhöhungen und durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen.

CW: Gehen nicht trotzdem die Strategien der Bank und ihrer Software-Tochter Hand in Hand.

Dutray: Über unsere geplanten Firmenkäufe war unser Hauptaktionär natürlich im Bilde. Credit Lyonnais war damit auch einverstanden, aber die dazu nötigen Beratungen, und Verhandlungen führte Sligos, und wir faßten auch die endgültigen Beschlüsse. Wir folgten dabei weniger der Politik unseres Hauptaktionärs als der Entwicklung unserer wichtigsten Kunden.

Viele davon sind inzwischen auch multinational aktiv geworden und brauchen auf europäischer Ebene einen Partner, der ihnen genügend Sicherheit bietet. Es gibt heute in Europa nur wenige Firmen, die solchen Ansprüchen genügen, und wir sind stolz darauf, daß Sligos zu dieser Gruppe gehört anstatt zu den ganz Größen.