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28.11.1980

Keine Methode, aber Wahnsinn

"Wir brauchen so viele Programmierer" schreibt Wolfgang Zinke in seinem Gastkommentar (CW 47/80), weil wir eine so schlechte Software haben." Die Zinkesche Aussage müßte noch um die Frage erweitert werden, ob "Problemlösung", die sich nahezu voll in mühseliger und teurer Programm-Wartung erschöpft, überhaupt weiter sinnvoll ist. Denn wenn nicht alles täuscht, wird es im Software-Bereich bald noch schlimmer kommen.

Heute sind es vorwiegend Closed-Shop-Programme mit Batch-Struktur, die an Überalterung leiden - ein Fall eher für Weichware-Chirurgen als für Software-Internisten, nach dem Motto: "Schwapp, ab!"

Aber wie sagt doch IBM-Chef Walter A. Bösenberg: "Wir stehen vor der dritten Phase der Informationsverarbeitung." Dies ist gewiß nicht die Auskunft eines Stationsvorstehers, der den neuen Software-Sommerfahrplan abrufbereit im Kopf hat. Dies ist - und das weiß auch Bösenberg - "wishfull thinking".

Dazu ein paar Zahlen, die das RZ-Betriebs-Klima verdeutlichen, das hierzulande immer noch herrscht: Bei jedem zweiten Universalrechner-Anwender in der Bundesrepublik wird nach einer Erhebung der amerikanischen Datapro Research Corporation nach wie vor in Assembler programmiert, dem geliebten Maschinen-Slang der Über-Spezialisten. Wer das liest, muß an einen schlechten Witz glauben. Aber es ist Realität. Und was die Anwendungsvielfalt betrifft, so ist Fehlanzeige - sprich Dürre - zu melden: Buchhaltung (74 Prozent) und Personalwesen (69 Prozent) machen laut Datapro den Löwenanteil des Workloads der in der Bundesrepublik installierten Mainframe-Anlagen aus. Wahrlich kein Testat für einen rasanten Online-Fortschritt, wie ihn Bösenberg nur zu gern sehen würde.

Der IBM-Boß hat eine Kommunikationswelt vor Augen, in der auch Nicht-EDV-Fachleute - frei von Computerdetails - die vielfältigen Möglichkeiten der Datenverarbeitung nutzen können. Davon sind wir heute - entgegen anderslautender Meldungen aus dem Software-Lager - meilenweit entfernt, weil ganz einfach die Werkzeuge fehlen ("natürliche" Programmiersprachen, High-LeveI-Communication-Systeme etc.), mit denen die Endbenutzer ihre Anwendungsprobleme im Computerdialog selber lösen können. Kurzum: weil es bei der Online-Software hapert.

Dagegen sind die Rechner in den vergangenen Jahren immer schneller geworden, wurde Computerleistung immer billiger. Die jüngsten IBM- und Amdahl-Größtrechner-Ankündigungen (Prozessorkomplex 3081, Serie 580) machen deutlich, welch große Lücke mittlerweile zwischen Hardware-Leistung und Software-Anspruch klafft.

Stehen also Nachrichten-Transportmittel und Datenstellplätze bereit, so mangelt es am Informationsaufkommen .

Abgesehen davon, daß die Sache für Anwender wie Anbieter höchst unwirtschaftlich ist: Die Datenverkehrskrise beginnt chronisch zu werden. Anwender und Hersteller haben sich bisher strikt geweigert, das Konzept der "Alt-Software-Sanierung" in Frage zu stellen.

Warum versucht man es nicht - aus der Erkenntnis heraus, daß Anwendungsentwicklung und -pflege mit den vorhandenen Werkzeugen und Methoden immer eine Sysiphusarbeit bleiben muß - mit einer Denkpause?

Es ist an der Zeit, zu sagen: Stellen wir den Eimer hin, lassen das Wasser auslaufen und konzentrieren alle Anstrengungen darauf, endlich praxistaugliche Methoden für den Software-Entwurf zu schaffen - auch um den Preis eines vorübergehenden Entwicklungsstillstandes.

Vermutlich wäre dann allen wohler.