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Kolumne

Keine Open-Source-Ära

25.08.2000
Christoph Witte, Chefredakteur CW

Keine Woche vergeht ohne eine Ankündigung zum Thema Linux. Allen voran macht die IBM eine Plattform Linux-fähig. Selbst Compaq und Dell installieren auf ihren Rechnern neuerdings das quelloffene Betriebssystem. Die Motive dafür sind nachvollziehbar: Sie wollen den Linux-Zug nicht verpassen - wenn er denn abfährt. Außerdem kostet es sie so gut wie nichts, das Betriebssystem neben Windows vorzuinstallieren. Auch die IBM will in erster Linie Hardware verkaufen. Linux bietet ihr aber zudem die Chance, die diversen Plattformen zumindest marketingseitig unter einen Hut zu bringen. Allerdings dürfte Big Blue darüber hinaus daran interessiert sein - mutmaßen zumindest die Marktforscher von Forrester Research -, weltweiten Service und Support für Linux anzubieten.

Auch Anbieter von Unix-basierter Software singen zur Zeit das hohe Lied von Linux, überschlagen sich förmlich mit der strategischen Bewertung des Betriebssystems und portieren ihre Programme.

Doch warum sollten Unternehmen heute Linux-Rechner kaufen? Standardapplikationen sind außer im Web-Bereich noch wenig bekannt. Die Einsatzhäufigkeit in den klassischen DV-Sektoren liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Vor Service- und Supportfragen haben viele, vor allem große Unternehmen bisher Angst, weil Linux-Systemhäuser und -Integratoren eher lokal oder regional agieren. Außerdem ist Linux über acht CPUs hinaus relativ schlecht skalierbar. Für das Betriebssystem sprechen dagegen seine Quelloffenheit und damit die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern.

Wer das große (Hersteller-)Interesse an Linux jedoch mit dem Beginn der Open-Source-Ära gleichsetzt, irrt gewaltig. Es bedeutet keine Abkehr vom bisherigen Lizenz-orientierten Geschäftsmodell. Wer einen Beweis für diese These will, braucht nur den zur Zeit tobenden Streit um Softwarepatente zu beobachten. Anbieter sehen in dem Betriebssystem lediglich eine weitere, zudem kostenfreie Plattform, über die sie mehr Hard- und Software absetzen können. Außerdem wird sich Linux schwerlich auf breiter Front durchsetzen: Außerhalb des Web-Umfeldes hat die Plattform zwar noch großes Potenzial im Markt für Embedded Systems, aber in den klassischen IT-Einsatzfeldern dürfte Linux ein Exot bleiben.

Kommentare zu diesem Kommentar bitte an cwitte@computerwoche.de