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23.04.2004 - 

Kolumne

"Keine Vorkasse mehr"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Trotz Ebay finden es die meisten Geschäftsleute immer noch unseriös, Zahlungen für Services oder Produkte zu leisten, die sie noch nicht bekommen haben. Normalerweise zahlen sie, nachdem die Leistung erbracht wurde. Eine der wenigen Ausnahmen für dieses eigentlich sehr vernünftige Gebaren - schließlich weiß man nicht immer, ob einem Lieferanten zu trauen ist - machen die meisten Unternehmen bei kommerziellen Standardsoftwareprojekten. Hier soll die Ware vor der Installation bezahlt werden, also bevor klar ist, ob sie richtig funktioniert. Dabei wissen viele Anwender aus leidvoller Erfahrung, wie kompliziert es ist, Software im eigenen Unternehmen sauber und performant zu implementieren, und wie viele IT-Projekte scheitern.

Doch auch wenn die Vorkasse sicher die von der Industrie bevorzugte Zahlungsart ist, muss sie niemand als gottgegeben hinnehmen - vor allem nicht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Wahrscheinlich ist dieses Geschäftsgebaren, das das finanzielle Risiko ganz auf den Anwender abwälzt, sogar ein wichtiger Faktor für die immer noch spürbare Investitionszurückhaltung der Anwender. Deshalb wäre es durchaus spannend zu fragen, ob es nicht ein Heilmittel gegen die schwache IT-Nachfrage sein könnte, wenn sich das Anschaffungsrisiko für den Anwender verringern ließe. Das hieße keine Zahlungen mehr vorab, sondern erst dann, wenn die Systeme das tun, was versprochen worden ist. Man kann es natürlich auch andersherum aufziehen: Anwender, die risikofreudiger sind, erhalten - analog zur höheren Rendite von spekulativen Börsentiteln - einen deutlich niedrigeren Preis als die, die erst am Ende eines Softwareprojektes zahlen.

Unter Umständen ebenfalls risikomindernd können sich Abrechnungsmodelle auf Mietbasis auswirken, wie sie Microsoft oder CA anbieten. Allerdings dürften sie nicht wie heute lediglich für den Anbieter einmalige Umsätze in einen kontinuierlichen Gebührenfluss umwandeln, sondern müssten dem Anwender ebenfalls Vorteile bringen. Ähnlich einem Vermieter von Immobilien müssten Softwareanbieter vertraglich für den ordnungsgemäßen Zustand ihrer Produkte über den Mietzeitraum hinweg garantieren. Außerdem muss geregelt werden, was am Vertragsende zu passieren hat. Um bei dem Wohnungsvergleich zu bleiben: Heute schließt der Softwareanbieter seine Kunden in den Wohnungen ein und wirft den Schlüssel weg.

Auf welche Modalitäten sich die Vertragspartner auch immer einigen, fest steht, dass Anwender bis heute ihre IT-Partner viel zu oft viel zu kritiklos bezahlt haben. Wenn sie mit ihnen wie mit normalen Lieferanten umgehen würden, hätte sich das Investitionsrisiko schon längst gerechter verteilt - entweder weil die Systemhersteller mehr auf Qualität achten oder weil Verträge geschlossen würden, die Rechte und Pflichten genauer spezifizieren.