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16.08.2007

Kellerkinder und Künstler sind out

Gabi Visintin 
Die Nachfrage nach Entwicklern ist groß. Erwartet werden vor allen Dingen Objektorientierung, Domänen-Wissen und Teamgeist. Viele Entwickler arbeiten heute beim Kunden und nicht mehr im stillen Kämmerlein.

Für IT-Entwickler sind rosige Zeiten angebrochen. So sucht allein die Business Technology Consulting AG(BTC) aus Oldenburg mit fast 1000 Beschäftigten über 25 Entwickler: Java-EE-Technologie-Experten, SAP-Integrationsprofis, Anwendungs- und Anwendungslandschafts-Architekten sowie Softwareentwickler für Automotive, für Geo-Informationslösungen und für Netzleittechnik in der Energieversorgung. Die allgemein große Nachfrage auf dem Jobmarkt bestätigt Jürgen Rohrmeier, Senior Partner und Mitglied des Vorstands bei der Personalberatung Pape Consulting Group aus Neuried: "Gesucht wird querbeet, zum Beispiel Programmierer, Spezialisten originärer Plattformen, Entwickler für Web-Applikationen und ganz wichtig Anwendungsentwickler."

Hier lesen Sie ...

warum heute für die Softwareentwicklung (Branchen-) Spezialisten stark gesucht werden;

welche Rolle der IT-Architekt in der Entwicklung spielt;

warum ein objektorientiertes Denkmuster wichtiger ist als die Beherrschung einer speziellen Programmiersprache.

Wunsch-Skills

Neben den Soft Skills ist Know-how zu Programmier- und Architekturparadigmen wichtig:

Mindestens eine objektorientierte Programmiersprache (Java, C#, C++, Abap Objects etc.);

weitere Programmierparadigmen, zum Beispiel logische, funktionale Programmiersprachen;

Frameworks wie Spring, Hibernate, MyFaces/Tobago, JDBC;

Service-Orientierte Architekturen, Enterprise Application Integration;

theoretische Grundlagen: Relationen-, Prozessalgebren und Petri-Netze;

Modellierung mit UML und Aris.

(zusammengestellt von Jörg Ritter, BTC AG Oldenburg)

Gerade auf diesem Feld, der Suche nach Kandidaten mit Branchenkenntnissen, hat sich die Personalberatung Pape Consulting Group in ihrer Gründerphase in den 90er Jahren einen Namen gemacht und damit auch eine Entwicklung in der IT nachvollzogen: Während lange Zeit rationalisierte Verwaltungsabläufe und allgemeine Office-Aufgaben den Fokus vieler Entwickler bestimmten, hat die IT-Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche und Branchen eine Spezialisierung der IT-Jobs bewirkt. In der Investitions- und Gebrauchsgüterindustrie begann die Durchdringung zum Beispiel von "unten her": Embedded Software, anfangs noch als Black-boxes für Maschinen oder Elektrogeräte programmiert, wird heute zunehmend vernetzt und oft in obere Schichten und Systeme wie Manufacturing Execution Systems (MTS), Leitstände und Produktionsplanungssysteme oder übergreifende Elektroniksteuersysteme (Automobil) verlinkt. Auch der Trend zur Standardisierung der Softwareentwicklung auf Basis von Komponenten hat sich im Jobmarkt niedergeschlagen.

Jörg Ritter Vorstandsmitglied bei BTC, konkretisiert: "Wir suchen heute keine reinen Programmierer mehr, sondern Softwareingenieure mit Branchen-Know-how zum Beispiel für neue Entwicklungen wie Echtzeit-Leitstände in der Energieversorgungsbranche, SAP-Lösungen im kommunalen Finanzwesen oder für spezielle Lösungen der Zuliefererindustrie im Automotive-Bereich." Diese so genannten Bindestrich-Informatiker sind auch im Embedded-Bereich sehr gefragt. So hält der Embedded Spezialist ICT, der vor kurzem die Xcc Software AG in Karlsruhe und den Automotive-Softwarespezialisten Lineas Automotive GmbH übernommen hat, händeringend nach Softwareingenieuren Ausschau, die sowohl IT-Kompetenz wie auch Branchenwissen aufweisen.

Nach wie vor wird zuviel planlos programmiert

"Ein Entwickler von Softwarekomponenten für die Automotive-Branche muss über eine gewisse Domain-Erfahrung im Automotive-Umfeld verfügen und gleichzeitig als kompetenter IT-Architekt und Entwickler Softwarelösungen konzipieren und realisieren," erklärt Bram Schot, Managing Director der ICT aus Barendrecht in den Niederlanden. "Nur so wird gewährleistet", führt Schot aus, "dass die Software nicht proprietär entwickelt wird, sondern kompatibel ist und wachsen kann, ohne dadurch ihre Stabilität und ihre Eigenschaften zu verlieren."

Das ist auch für Jörg Nissen, Geschäftsführer von Framework Systems, ein zentraler Punkt: "Nach meinen Erfahrungen wird heute an vielen Stellen noch ziemlich planlos drauf losprogrammiert." Der Experte für Entwicklungswerkzeuge ist sich sicher: "Das freie Künstlertum ist heute passe!" Das 35-köpfige Entwicklerteam aus Stockach am Bodensee ist das Produkt dieser Erkenntnis. Es bietet seine Dienste auf Basis des Entwicklungswerkzeugs Framework Studios an, das die Schwesterfirma für das planmäßige Software Engineering entwickelt hat. Für Nissen muss ein Entwickler deshalb ein grundsätzliches Verständnis qualitätsgerechter Softwareentwicklung mitbringen. Ralph Steins, Geschäftsführer von Concret Logic, einem Spezialisten für Web-basierende Anwendungen und Schnittstellen aus Bonn, stößt in dasselbe Horn und betont die besondere Bedeutung einer vorausschauenden Herangehensweise bei der Konzeption und beim Design einer Softwarelösung: "In jedem Team muss ein IT-Architekt mitarbeiten."

Zwar werden "anständige theoretische Grundlagen" wie Relationenalgebra oder Prozesssprachen- und Datenstruktur-Wissen erwartet, zwar werden Analyse-Design- und UML-Know-how als vorteilhaft bezeichnet und SOA- und EAI-Kenntnisse derzeit besonders nachgefragt laut Ritter allerdings "von den wenigsten mitgebracht", doch sind diese Kenntnisse nicht entscheidend. So ist es für den BTC-Vorstand kein Beinbruch, wenn die "Wunschliste der Skills" nicht vollständig abgedeckt wird: "Eigentlich müssen Bewerber nicht unbedingt die ausgeschriebene Programmiersprache beherrschen. Vielmehr müssen sie die darüber liegenden Programmierparadigmen auf Basis einer vergleichbaren Sprache richtig erlernt haben", betont der Manager und erläutert: "Wer die Objektorientierung begriffen hat, kann ein Problem durchdringen, strukturieren und eine Lösung auch schnell mit neuen Programmiersprachen erstellen." Framework-Chef Nissen unterstreicht diese Erwartung: "Ein Kandidat oder eine Kandidatin, die sich bei uns bewirbt, muss Objektorientierung als Denkmuster verinnerlicht haben."

Auch Joachim Obst vom Braunschweiger IT-Business-Consulting-Dienstleister ckc mit 200 Mitarbeitern, der als eine "ideale Skill-Kombination" für sein Unternehmen Großrechner- und C# -Kenntnisse anführt, ist trotzdem überzeugt, dass wichtiger als Spezialistentum bei Programmiersprachen und Werkzeugen das übergreifende Denken ist. Ralph Steins von Concrete Logic bekräftigt: "Wir brauchen eher Globalisierer, die Kundenanforderungen analysieren, in ein technisches Konzept umsetzen und darüber hinaus dem Anwender auch noch erklären können, warum das alles so gemacht wird."

Die meisten Projekte laufen mittlerweile sehr kundennah ab

Damit wird nach dem Bild des "Programmierers als freier Künstler" ein weiteres Bild zertrümmert, das jahrzehntelang mit dem Berufsbild Entwickler korrespondierte: Den Programmierer, der im Keller mit Pizza und Cola vor sich hinprogrammiert, gibt es heute kaum noch. Personalberater Rohrmeier betont: "Die Vorstellung, dass Programmierer in einer Dunkelkammer verschwinden und irgendwann ein Stück Software ausspucken, gehört inzwischen der Vergangenheit an. Die meisten Projekte laufen heute sehr kundennah ab."

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Größe der Entwicklungsprojekte - weil der größte Aufwand in den vorgefertigten Komponenten steckt, umfassen Einführungsprojekte von SAP-Modulen oder Add-ons heute nur noch wenige Personen , sondern auch auf die sozialen Fähigkeiten, die von Entwicklern erwartet werden. Eine Erfahrung, die der Personalberater Rohrmeier nur unterschreiben kann: "Die Kundenschnittstelle ist heute die bestimmende." Das heißt, selbst wenn die "reinen Programmieraufgaben" nach Indien oder Polen outgesourct werden, benötigt das Unternehmen vor Ort die Experten für die Entwicklung oder Anpassung der kundenspezifischen Softwarelösung.

Im Trend: Consultant und Entwickler in einem

Das Team, das heute direkt beim Kunden arbeitet, hat in der Regel die Aufgabe, die Anforderungen an die gewünschte Softwareapplikation richtig zu analysieren, die IT-Architektur zu designen, die offshore produzierten Teilkomponenten abzunehmen, Tests zu konzipieren und zu überwachen und Lösungen anzupassen.

Der Projektleiter eines solchen Teams muss deshalb sowohl über technische als auch über beratende Fähigkeiten verfügen. Framework-Geschäftsführer Nissen räumt zwar ein, dass nicht von jedem Entwickler verlangt werden kann, dass er zum Kunden geht, doch im Idealfall vereinige ein Bewerber den Consultant und den Entwickler in einer Person: "Im Grunde brauchen wir den ConWickler." Doch angesichts des fast leer gefegten Jobmarkts schieben die Arbeitgeber ihre "Ideale" beiseite und betonen, dass sich vieles "on the job" erlernen lässt. Manager Ritter von BTC: "Die Hauptsache ist, die Bewerber bringen ein solides Grundwissen und den Willen zur ständigen Weiterbildung mit." (hk)