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19.04.1996

Kerndienste als Rettungsring in der Informationsueberflutung

Michael Schmidt, Geschaeftsfuehrer der Cornet Gesellschaft fuer Kommunikationsdienstleistungen mbH, Idstein

Die Informationsflut ist da. Nicht nur im Internet droht sie den mittlerweile 50 Millionen Surfern, von denen viele geschaeftlich unterwegs sind, ueber den Kopf zu schwappen. Auch die Mitarbeiter in expandierenden Unternehmensnetzen koennen nur mit viel Muehe gegen sie ankaempfen - und gehen dennoch von Zeit zu Zeit unter. Aufgeben in dieser Situation hilft nicht, denn Informationen sind mittlerweile ueberlebensnotwendig geworden.

Genauer besehen sind es aber weniger die Fluten als vielmehr die fehlenden Daemme - sprich: Netzkerndienste. Das traditionelle Netzkonzept, Datensuche und -austausch unter die Regie der Netzwerk-Betriebssysteme zu stellen, traegt nicht mehr. Gefordert sind Namens- und Verzeichnisdienste, die unabhaengig von Netz- Betriebssystemen die Informationsfluten netzweit kanalisieren und gezielt zugaenglich machen. Der Namensdienst wuerde gebraucht, um Informationen - Daten, Verzeichnisse, Benutzer, Drucker, Rechner - netzuebergreifend eindeutig zu beschreiben, der Verzeichnisdienst, um die Informationen im Netz ohne langes Suchen anhand ihrer Eigenschaften oder Funktionen zu identifizieren. Dazu sollte der Netzteilnehmer weder wissen muessen, wo sich die Informationen im Netz befinden, noch, unter welcher Bezeichnung sie gespeichert sind.

Die Forderung nach derartigen Diensten ist nicht neu. Die Open Software Foundation (OSF) hat sie bereits vor vielen Jahren gestellt und auch die einzelnen Dienste benannt: Namens- und Verzeichnis-, dazu Sicherheits- und Management-Dienst. Denn wenn allen Netzteilnehmern saemtliche Informationen greifbar sind, muss natuerlich dieser Zugang durch Sicherheitsfunktionen kontrollierbar und das Netz ueber einen Management-Service verwaltbar sein.

Leider sind die systemtechnischen Ansaetze bei den aktuellen Kerndiensten immer noch weit von diesem Anspruch entfernt. Der Domain Name Service (DNS) in der Internet-Protocol- (IP-)Welt beispielsweise ist nur ein Namensdienst, der IP-Adressen auf logische Objekte - Benutzer, Systeme, Organisationseinheiten - abbildet.

Auch Novells Netware Directory Services (NDS) sind - nomen non est omen - nicht mehr als ein blosser Namensdienst, lediglich ergaenzt um Ansaetze eines Verzeichnisdienstes.

Microsofts Windows NT bietet zwar ausser dem Namens- auch einen vollwertigen Verzeichnisdienst, um klare Informationsstrukturen ins Unternehmensnetz zu bringen. Dafuer behindert aber das starre Domaenenkonzept jede zuegige Erweiterung des Netzes. Auch fehlt es oft an Attributen, um die Suche zu beschleunigen. Und wer im aktuellen Angebot nach einem vom Netzwerk-Betriebssystem unabhaengigen Sicherheits- und Management-Dienst sucht, der kann lange suchen.

Aber selbst beim Namens- und Verzeichnisdienst (soweit vorhanden) regieren die Hersteller mit proprietaerem Zepter. Daran aendern auch vollmundige Ankuendigungen, zum Beispiel die X.500-Directorys zu unterstuetzen, nichts. Meist gilt das Versprechen nur fuer die Namenssyntax, nicht aber fuer die Verzeichnisstruktur dieses OSI- Standards. Damit bleibt die unternehmensuebergreifende Kommunikation auf der Strecke, und die Vorteile der Netzwerkkerndienste sind auf die eigene Systemwelt begrenzt.

Also alles beim alten? - Nicht ganz, denn zumindest ein Unternehmen scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Die Rede ist von Banyan Systems, das mit ENS die Netzwerkkerndienste unabhaengig vom Betriebssystem gemacht hat. So wirken die Services ueber Herstellergrenzen hinweg. Hier sind sie alle versammelt: vom Namens- und Verzeichnis- bis hin zum Sicherheits- und Management- Dienst. Weil immer komplexere Netze immer hoehere Anforderungen an die Weitergabe und Integration von Informationen sowie die Zeitsynchronisation stellen, wurde die herstellerunabhaengige Diensteplattform zudem um einen E-Mail- und Zeitdienst ergaenzt.

Wieso ist dieser herstellerneutrale Ansatz so wichtig? Dadurch, dass die Anwendungen am Arbeitsplatz ueber die Kerndienste des Netzes auf die Informationen zugreifen, werden sie unabhaengig von Netz-Betriebssystemen, Netzwerktechniken und -topologien. Die herstellerspezifischen Kommunikationsgrenzen fallen, ein grenzuebergreifender Informationspool oeffnet sich. Die Plattform der Kerndienste wird selbst zum Netz im Sinne eines virtuellen Computers, aus dem sich die Arbeitsstationen nun - soweit berechtigt - schnell und gezielt mit Informationen bedienen koennen. Alle Unternehmen, die diese Entwicklung ignorieren und lieber auf proprietaere Betriebssystem-Welten setzen, werden Muehe haben, die steigende Informationsflut zu ueberstehen.