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05.07.1991 - 

Realisierung durchgängiger BK-Anwendungen

Kernforschungszentrum in Belgien setzt auf Tapestry

Durch den Einsatz der von Interconnect realisierten Netzwerklösung "Tapestry II" konnte die gesamte PC-Palette beim belgischen Kernforschungszentrum aus Mol in den Kommunikationsverbund dieser Organisation integriert werden. Ausgehend von der installierten Basis, beschreibt Emil Herssen* die Vorteile der mittlerweile realisierten Lösung.

Wie in den meisten Organisationen wurde auch beim belgischen Studienzentrum für Kernenergie in Mol eine große Anzahl von PCs angeschafft und für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbankanwendungen eingesetzt. Die PC-Palette reicht hier von alten Mikros über Rechner mit Prozessoren der Typen 80286 bis zu leistungstarken Rechnern mit 80386- und 80486-Prozessoren. Unter den Herstellern dieser Systeme befinden sich außer IBM, Zenith, Compaq und Bitac noch eine Anzahl weiterer Anbieter. Mehrere dieser PCs waren über koaxiale, twinaxiale und serielle Leitungen mit verschiedenen Hosts verbunden.

Konformität zu gängigen Standards

1989 holte das Forschungszentrum Angebote für eine LAN-Lösung von mehreren Firmen ein. Das anvisierte Konzept sollte folgende Anforderungen erfüllen:

-Konformität zu Standards wie IEEE 802.3, IEEE 802.59 ISO; SNA, X.25 und Netbios,

-Verwendung des PCs als multifunktionale Workstation mit Anbindung an andere PCs, Minis und Mainframes,

-Schaffung einer Umgebung, die den Zugriff auf relationale Datenbanken ermöglicht,

-Möglichkeit zur Emulation eines 3297-Grafikterminals S3G auf den PCs.

Die verschiedenen Abteilungen des Forschungszentrums sind auf einem Gebiet der Größe 2 mal 3 Kilometer verteilt. Die typische Bebauung innerhalb der Organisation besteht aus dreistöckigen Gebäuden mit Einzelbüros. Besonderes Augenmerk wurde auf ein Hades (High Activity Disposal Experimental Site) genanntes Projekt gelegt. Hierbei handelt es sich um ein unterirdisches Labor in einer Tiefe von 229 Metern, in dem verschiedene PCs statistische Daten sammeln, die von dort an einen IBM-Mainframe übertragen werden und über eine Modemanbindung Forschern auf der ganzen Welt zur Verfügung stehen sollten.

Bei der Suche nach einer geeigneten Lösung fiel die Wahl auf ein Konzept der in Antwerpen ansässigen Firma Interconnect, den offiziellen Torus-Distributor für Belgien und Luxembourg. Mit der Umsetzung wurde Mitte 1989 begonnen. Interconnect verwendete bei der Verwirklichung der Netzwerklösung ein Ethernet auf der Basis von 802.3. In den Hauptgebäuden kommt ein Backbone mit Thick Ethernet (10Base-5) zum Einsatz, wobei das Backbone vom obersten Stockwerk bis zum untersten Stockwerk verlegt wurde. Auf jedem Stockwerk befindet sich ein Repeater, über den die einzelnen Büros über ein dünnes Koaxialkabel miteinander verbunden sind. Die dazu eingesetzten Komponenten stammen vom Hersteller Bicc.

Als Netzwerkkarten wurden die leistungsstarken Torus-Ethernet-Karten verwendet; sie sind für sämtliche aktuellen PC-Bus-Architekturen wie ISA, MCA und EISA mit 32-Bit erhältlich. Sie eignen sich sowohl für dicke als auch für dünne Kabel.

Auf den Torus-Karten wurde die Enterprise-Software Tapestry II installiert. Dieses von Torus Systems, einer Abteilung der Trend-Gruppe, entwickelte Netzwerk-Betriebssystem basiert auf den heute aktuellen LAN-Standards wie Netbios, NDIS, DOS, OS/2 und LAN Manager. Außer den grundlegenden Funktionen eines Netzwerk-Betriebssystems (File- und Druckerservice) bietet Tapestry II eine Vielzahl nützlicher Netzwerkanwendungen wie elektronische Post, Zeitplaner, Terminkalender und eine hochentwickelte Netzwerkverwaltung. Diese Funktionen werden auf eine einheitliche, benutzerfreundliche Weise präsentiert, nämlich mit Sinnbildern. Da das Betriebssystem auf Netbios basiert, arbeitet es mit allen Mehrplatz-Anwendungen zusammen, die diesen Standards entsprechen.

Zur Verbindung der Tapestry-Enterprise-LANs mit dem Host dient die Eicon-Technolologie. Die externen Abteilungen verwenden dabei ein SDLC3270/5250-Gateway, die EDV-Abteilung und die Verwaltung des Forschungszentrums ein Eicon-TIC-Gateway. Dieses Gateway bietet eine vollständige 3297-Emulation S3G mit bis zu neun parallelen Sessions je Benutzer. Sämtliche Workstations im Enterprise-LAN haben mit 16 Mbit/s Zugriff auf den IBM-Host. Die Eicon-Karte überträgt die Ethernet-LAN-Frames auf das Token-Ring-LAN, das mit TIC über 3174 verbunden ist.

Das Netzwerk für das unterirdische Labor Hades besteht aus fiberoptischen Komponeten.

Aufgrund der besonderen Bedingungen und Anforderungen (lange Strecken, hohe Sicherheitsanforderungen, elektrische und magnetische Felder) kam hier nur eine fiberoptische Lösung in Betracht.

Der Domain-Manager von Tapestry II ist auf der Erdoberfläche installiert. Die Übertragung der Daten vom Fileserver zum Host übernimmt eine Workstation, während ein Async-Modem den externen Zugriff ermöglicht. Die verschiedenen Workstations, die unterirdisch die statistischen Daten sammeln, sind an einen zwölf adrigen fiberoptischen Leiter angeschlossen,

Es gab mehrere Gründe, die für Tapestry II als Netzwerklösung für SCK und Vito sprachen. Durch die Wahl dieses Netzwerk-Betriebssystems konnte die gesamte vorhandene PC-Hardware verwendet werden. Es wurden die alten PCs und XTs zusammen mit den hochmodernen Computern mit 80386-und 80486-Prozessoren in einem Netzwerk verbunden. Da die Tapestry-II-Enterprise-Software zusammen mit gut durchdachten und weitverbreiteten Protokollen wie Netbios, NDIS, SMB und anderen läuft, wird durch die Investition in diese Software ein zukünftiges Wachstum abgesichert. Da Tapestry-II auf Layer 6 und 7 des ISO-Modells arbeitet, können alle darunter liegenden Layer geändert werden, ohne daß dies einen Einfluß auf die Benutzerschnittstelle hat.

Ein weiterer Grund für die Wahl von Tapestry II war das einzigartige Domain-Konzept, das es ermöglicht, strukturierte Netzwerke mit Dutzenden oder Hunderten von PCs aufzubauen. Mit diesem Konzept können Firmen eine Netzwerkstruktur an ihre firmenspezifischen Bedürfnisse anpassen.

Ein typisches Tapestry-Netzwerk besteht aus einer oder mehreren Domains. Je Domain können eine oder mehrere Sections definiert werden, wobei die Benutzer einer Section zugeordnet sind. Die Ressourcen lassen sich von verschiedenen Domains gemeinsam nutzen, ohne daß alle Benutzer in sämtlichen Domains definiert werden müssen. Es ist möglich, die Domains lokal (mit Hilfe von Ethernet- oder Token-Ring-Verkabelungssystemen) oder untereinander über Standleitungen oder über private beziehungsweise öffentliche X.25-Netzwerke zu verbinden. Die Verwaltung der verschiedenen Domains kann ein Benutzer durchfuhren, der über die entsprechende Berechtigung verfügt.

In den Jahren 1991 und 1992 werden die verschiedenen Gebäude des Forschungszentrums untereinander über fiberoptische Leitungen und FDDI-Bridges verbunden, um so die Tapestry-Domains zu einem großen Netzwerk mit mehreren Domains zusammenzuschließen. Mit Hilfe von TCP/IP-Protokollen will man auch einige Unix-Rechner integrieren, um so Filetransfer und Terminalemulationen zu ermöglichen. Das Endziel ist, bis 1992 für jeweils zwei Angestellte eine Workstation zur Verfügung zu haben.

Die Kombination von Ethernet Tapestry II Enterprise, Eicon-Gateways, Bicc-Isolan Verkabelungssystemen sowie die Sachkenntnis von Interconnect haben ein leistungsfähiges offenes LAN geschaffen, das nicht nur den heutigen Bedürfnissen des Forschungszentrums gerecht wird sondern darüber hinaus Möglichkeiten für den zukünftigen Ausbau bietet.