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08.04.1988 - 

Keine Trennung mehr zwischen Netz- und Systemseite:

KHD setzt auf Net/Master

Mit Net/Master Version 2.0 glaubt Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) beim Netzwerkmanagement auf das richtige Pferd gesetzt zu haben. Die Kontrolle und Steuerung des Rechenzentrums wird heute problemlos über einen einzigen Bildschirm abgewickelt. Für das Cincom-Produkt entschied sich der Kölner Maschinenbauer in erster Linie deshalb, weil die vorher implementierten IBM-Komponenten die Bereiche Netzwerkmanagement und Systemmanagement nur schwer unter einen Hut bringen konnten.

In den letzten Jahren mußte mit zunehmender Bedeutung der Informationsverarbeitung für die jeweiligen Fachbereiche den wachsenden Anforderungen an das Rechenzentrum Rechnung getragen werden. Im einzelnen bedeutete dies: steigende Anforderungen an die Verfügbarkeit der DV-Systeme, Ausdehnung des Online-Betriebes von einer auf drei Schichten und 24-Stunden-Betrieb, Verlagerung von Rechenzentrums- und Verwaltungsarbeiten (zum Beispiel Datensicherung oder Reorganisation) auf das Wochenende. Die genannten Ziele sollten ohne zusätzliche personelle Ressourcen durch Steigerung der Produktivität, Erhöhung der Qualifikation der Mitarbeiter und Automatisierung erreicht werden.

Bezogen auf die Batch-Abwicklung hatte das Kölner Unternehmen bereits vor vier Jahren mit der Implementierung eines automatischen Jobsteuerungssystems begonnen und konnte diesen Bereich zufriedenstellend abdecken. Für die Automatisierung des Netzwerk- und MVS-Operatings kamen 1985 nur die IBM-Produkte NCCF, NDPA, NLDM, die heute in Netview Release 1 zusammengefaßt sind, und OCCF in Frage. Zu Beginn des Projektes wurden die Arbeitsplätze im Operating analysiert und ein auf die neuen Aufgaben abgestimmtes Konzept geschaffen.

Das im Rahmen der Umstellung geschaffene System-Network-Control-Center (SNCC) beinhaltet folgende Strategie:

- Steuerung und Kontrolle des Rechenzentrums über einen physischen Bildschirm,

- keine Funktionstrennung im Bereich der Systemüberwachung (universell einsetzbarer Operator),

- Gliederung der Tätigkeiten in User-Help-Desk (Level 1) und Technical Support (Level 2).

Eine derart massive Umstellung des Arbeitsplatzes "Operator" im klassischen Sinne ging natürlich nicht ohne Reibungsverluste vonstatten. Ein beträchtlicher Aufwand entstand durch die Motivation und Ausbildung der Mitarbeiter. Heute ist KHD in der Lage, rund um die Uhr qualifiziertes Personal für alle Funktionen bereitzustellen. Die RZ-Mitarbeiter wurden weitgehend von Routinetätigkeiten befreit und konnten für höherwertige Aufgabqn wie Weiterentwicklung der Automatisierung und Entlastung der Systemprogrammierung eingesetzt werden. Dazu Willi Kopp, DV-Leiter bei Klöckner-Humbold-Deutz: "Wir hatten zunächst eine sehr aufwendige Tätigkeit am Bildschirm durch das Abarbeiten von Commands. Heute hingegen kommt hin und wieder mal ein Command, so daß in diesem Bereich eine starke Entlastung eingetreten ist." Früher seien eine Unmenge von Meldungen auf den Schirm gekommen, wovon aber letztlich 60 Prozent für den Operator keine Bedeutung gehabt hätten.

Die Analyse des Operator-Arbeitsplatzes ergab nämlich, daß die Automatisierung im wesentlichen in der Bearbeitung von Systemnachrichten besteht. Zum Zeitpunkt der Analyse fielen in 36 Stunden zirka 531 000 Nachrichten an. Davon konnten rund 60 Prozent unterdrückt und 35 Prozent über NCCF-C-Listen automatisiert werden. Durch die Automatisierung brauchte der Operator nicht mehr im Sinne von Befehlseingaben in einen Dialog mit dem Rechner einzutreten. Die Meldung wird vielmehr im Hintergrund von selbst beantwortet.

Die Konzentration des gesamten Nachrichtenstroms (VTAM, MVS, IMS) auf einen physischen Bildschirm verursachte aber bei der Realisierung technische Probleme. Die gewünschte Funktionsfähigkeit des Systems war ohne die Unterstützung von aufwendigen Assembler-Exits nicht zu gewährleisten. Ein vordergründiges Ziel der KHD, die Weiterentwicklung der Automatisierung in Eigenverantwortung des Operating, konnte nicht erreicht werden. Für die Pflege und Entwicklung wäre eine permanente Bindung von Ressourcen aus der Systemprogrammierung erforderlich gewesen. Dies hätte bedeutet, daß der notwendige Wartungsaufwand die erhofften Vorteile dieser Lösung zunichte gemacht hätte.

Aus diesem Grunde stoppte Klöckner-Humboldt-Deutz Mitte 1986 das Projekt und entschloß sich, Alternativen auf dem Markt zu prüfen, zumal auch Performance-Probleme sichtbar wurden. Kopp: "Die IBM bietet eine Netzwerksteuerung und geht davon aus, daß man sowohl einen Netzwerkoperator als auch einen Systemoperator hat. Das sind zwei völlig verschiedene Funktionen, und genau die wollten wir nicht übernehmen." Die Trennung hätte systemtechnische Klimmzüge zur Folge gehabt. "Wir wären dauernd dabei gewesen, die Exits zu verändern. Das sind Nahtstellen, die permanent gepflegt werden müssen."

Im dritten Quartal 1986 wurden dann erste Kontakte mit Cincom aufgenommen. Die Architektur von Net/Master und insbesondere die moderne Hochsprache NCL (Network Control Language) gaben den Ausschlag dafür, das Netzwerkmanagement-System zu wechseln. Allerdings mußte zunächst auch hier ein Problem ausgeräumt werden: Net/Master berücksichtigte den Bereich des MVS-Managements nur ungenügend,

KHD erarbeitete daher zusammen mit Cincom Systems einen geeigneten Anforderungskatalog für die Implementierung des Systemmanagements in Net/Master. Nach einer eingehenden Diskussion des Konzepts mit dem Entwicklungslabor in Sidney, Australien, wurde der Umstieg auf Net/Master vertraglich fixiert. Willi Kopp spekuliert, daß die Zusammenarbeit zwischen KHD und Cincom Systems "vielleicht den letzten Anstoß" für die Einbindung der MVS-Schiene gab.

Im ersten Schritt wurde im März 1987 die VTAM- und IMS-Steuerung umgestellt. Es gelang nach Angaben von Kopp innerhalb von kürzester Zeit, bestehende Teile aus dem NCCF in Net/Master abzubilden. Parallel dazu implementierte man für etwa 100 Benutzer den Session-Manager MAI und die Benutzeroberfläche Easinet. Diese Tools ermöglichen es, gleichzeitig mehrere Sessions im Rechner zu aktivieren und auf einfache Art und Weise zwischen ihnen hin- und herzuspringen. KHD deckt somit ebenfalls den Bereich des Endbenutzer-Services ab und genießt so die Vorteile einer integrierten Gesamtlösung.

Im September 1987 lieferte Cincom dann die lang erwartete Version 2.0 von Net/Master im Rahmen einer Beta-Test-Installation aus, einschließlich der neuen SYS/Master-Komponente für die Automatisierung des MVS-Operating (Systemmanagement).

Im November 1987 erfolgte planmäßig die komplette Umstellung auf die neue Version im Austausch gegen die bis zu diesem Zeitpunkt noch für den MVS-Teil parallel installierten IBM-Komponenten. Die gesamte Steuerung und Kontrolle des Rechenzentrums läuft jetzt über einen einzigen Bildschirm, was man Kopp nicht auf Anhieb abnehmen möchte. Der RZ-Mann: "Wir haben wirklich nur einen Bildschirm. Es waren schon eine ganze Menge Besucher hier, die das zunächst nicht glauben wollten." Wichtig erscheint ihm in diesem Zusammenhang auch die Aussage, daß dieser Monitor oft "schwarz ist." Der erreichte Automatisierungsstand mit Net/Master bei KHD sieht heute so aus, daß auf der zentralen Alert-Konsole nur noch durchschnittlich zehn Messages pro fünf Minuten erscheinen.

Im Rahmen der Umstellung konnten zirka 40 Prozent der C-Listen von NCCP aufgrund der wesentlich mächtigeren NCL entfallen, da viele Servicefunktionen schon standardmäßig enthalten sind. Die Entwicklungszeiten für in NCL geschriebene Automatisierungsprozesse wurden erheblich reduziert und die Notwendigkeit von Assembler-Exit-Programmierung entfiel.

Eine weitere Steigerung der Produktivität ergab sich durch den Einsatz von NCL/EF - EF steht für Extended Facility - (Datenbankmanagement und Tabellenverarbeitung) sowie den Zugriff auf VSAM-Dateien und PDS (Partition Data Set) erreicht werden. Steuerungsinformationen für die Automationslogik lassen sich von außen maschinell geprüft einsteuern. Damit wurde der Wartungsaufwand weiter minimiert. Eine komfortable Bildschirmformatierung der NCL erlaubt laut KHD überdies die Entwicklung individueller, dialogorientierter Anwendungen.

KHD-Konfiguration

Im kommerziellen Rechenzentrum der KHD fallen täglich zirka 320 000 IMS-Transaktionen und 12 000 Batch-Steps des Produktionsbetriebes an. Daneben sind etwa 200 Roscoe/TSO-Benutzer in den Bereichen Systementwicklung und individuelle Datenverarbeitung (IDV) aktiv. Diese Arbeiten werden von zwei Großrechnern unter MVS/XA durchgeführt. Alle inländischen Fertigungsstätten sind über VTAM/SNA miteinander verbunden. Unter VTAM laufen zirka 2000 Terminals, 11 RJE-Stationen und zirka 100 HFD-Leitungen. Darüber hinaus betreibt die KHD Rechner der Hersteller Prime, DEC und Tandem.