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27.04.1990 - 

Expertensysteme für Großrechner sind im Kommen

KI-Einsatz auf dem Mainframe hängt von der Integration ab

MÜNCHEN (hv) - Auf Großrechnern werden in Deutschland - anders als in den USA - bisher kaum Expertensysteme eingesetzt. Hersteller wie Aicorp, Intellicorp, Aion und IBM haben jetzt mit der Erschließung dieses Marktes begonnen. Gefragt sind vor allem solche Produkte, mit deren Hilfe KI-Systeme in die vorhandene DV-Umgebung der Anwender eingebunden werden können.

"Wir setzen mit unserem neuen Produkt 'Tears' voll auf Integrationsfähigkeit", kündigt der IBM-KI-Experte Wolfgang Beer an. Die Einbindung der Expertensysteme in die bestehende DV-Landschaft, wie sie das im Juli erscheinende Produkt Tears leisten soll, ist nicht zuletzt eine zentrale Forderung jener IBM-Anwender, die bereits Erfahrungen mit der älteren Shell "ESE" gemacht haben. Jahrelang hatte Big Blue versäumt, eine Verbindung zwischen der Expertensystem-Schale und der weit verbreiteten IMS-Datenbank herzustellen.

Ohne eine Integration der im Einsatz befindlichen Datenbanken und sämtlicher Anwendungen, ob sie nun in Cobol, in PL/1 oder in Assembler verfaßt sind, nutzen Expertensysteme dem Anwender nur wenig. Deshalb existieren derzeit eine Reihe von XPS-Systemen nur als Insellösungen.

IMS-Einbindung als zentrales Kriterium

Das neue IBM-Tool reiht sich in eine Palette relativ junger Produkte ein, mit denen Expertensysteme für die Großrechner-Welt konstruiert werden können. Dazu zählen unter anderem die Werkzeuge "KEE" von Intellicorp, "ADS" von Aion und die "KBMS"-Shell von Aicorp. Alle Unternehmen haben die Integration bestehender Anwendungen und Datenbanken auf ihre Fahnen geschrieben. "Wir bauen unsere Tools in die Anwendungsumgebung unserer Kunden ein", verspricht Aion-Präsident Harry Reinstein.

Für die Entwicklungsumgebung "ADS", in den USA ein viel genutztes Werkzeug, konnten sich in Deutschland bisher nur wenige Unternehmen entscheiden - darunter die Düsseldorfer KKB-Bank. Zentrales Kriterium bei der Tool-Auswahl war für dieses Unternehmen die Möglichkeit, auf sämtliche in IMS-Datenbanken abgelegte Daten zugreifen zu können. Deshalb kam das IBM-System ESE nicht in Frage. Seit April 1988 setzt die Großbank das Mainframe-Expertensystem "Rhamses" ein, ein Anlageberatungs-System, das die Bankangestellten in den Zweigstellen bei der Kundenberatung unterstützt.

In Spitzenzeiten bis zu 1200 Zugriffe

Die Mitarbeiter nutzen das System eifrig: Thomas Wolters, Abteilungsleiter für Expertensysteme bei der KKB, verzeichnet derzeit etwa 400 Systemzugriffe täglich. In Spitzenzeiten könne es sogar zu 1200 Zugriffen kommen. "Wir sind im April 1988 ins Wertpapiergeschäft eingestiegen. Wir haben uns damals für den Einsatz eines Expertensystems entschieden, weil wir unsere Mitarbeiter in den Filialen optimal unterstützen wollten." Nach Einschätzung von Wolters hat sich diese Entscheidung gelohnt.

Auch die Münchner BMW AG plant den Einsatz eines Großrechner-Expertensystems. Derzeit testet der Automobilhersteller Einsatzmöglichkeiten der Expertensystem-Shell "KEE" von der Intellicorp GmbH auf einem IBM-3090-Mainframe.

BMW hat ebenfalls die ESE-Shell von IBM geprüft und sich aus technischen Gründen dagegen entschieden. "ESE ist ein rein regelbasiertes Werkzeug und verfügt nicht über die für uns so wichtigen objektorientierten Eigenschaften", erläutert Wilfried Schliep, Abteilungsleiter DV-Architektur und -Technologie bei BMW.

Der Einsatz von Expertensystemen auf dem Mainframe wird vor allem für klassische Großrechner-Anwender wie Banken und Versicherungen immer interessanter. Der Prokurist eines Münchner Versicherungsunternehmens - er zieht es vor, anonym zu bleiben - nennt zwei komplexe Aufgabenbereiche, in denen sich der Einsatz wissensbasierter Systeme auszahlen dürfte: der Vertrieb und der Innendienst. Beim Vertrieb könnten Bereiche wie die Risikoanalyse oder Tarifierung unterstützt werden. Im Innendienst, so der Versicherungsexperte, ließe sich die Beitragsermittlung einfacher gestalten.

Allerdings sieht der Versicherungsmitarbeiter eine Reihe von Problemen - darunter die eingeschränkten Integrationsmöglichkeiten. "Ich kenne kein Expertensystem, das bei Versicherungen richtig produktiv zum Einsatz kommt und nicht als Insellösung arbeitet", zweifelt der KI-Experte. Integrationsprobleme erwartet er vor allem bei der Anpassung des Expertensystems an die unterschiedlichen Data Dictionarys.

Tatsächlich arbeiten die meisten Anwender, die sich für den Einsatz von Expertensystemen interessieren, derzeit noch mit Insellösungen - allerdings oft mit dem Ziel, das fertige System später auf einen größeren Maßstab zu übertragen.

XPS-Systeme arbeiten noch nicht produktiv

XPS-Systeme, die in den vergangenen Jahren zur Verfügung standen, genügen aufgrund mangelhafter Integrationseigenschaften oft nicht mehr den Anwenderwünschen, oder sie sind in erster Linie als Workstation-Lösungen geeignet, wie das etwa 400mal verkaufte Intellicorp-Werkzeug KEE.