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Land Schleswig-Holstein legt keinen Wert auf historische Rechentechnik:


19.05.1989 - 

"Kieler Computermuseum sucht neue Heimat

KIEL (CW) - Ein Computer-Museum wird verschenkt: Dem 1981 In Kiel-Altenholz gegründeten, weltweit erstem DV-Museum geht die Ausstellungsfläche aus. Zudem mangelt es an Geld. Das Land Schleswig-Holstein Indes bietet keine Hilfe. Deshalb suchen die Museums-Initiatoren jetzt Interessenten, die die Ausstellung erhalten oder übernehmen möchten.

Anfang der Achtziger Jahre taten sich eine Handvoll Computer-Fachleute und Museums-Experten zusammen und gründeten den Verein "Schleswig-Holsteinisches Museum für Rechen- und Schreibtechnik e.V." Ihr Ziel war die Sammlung und Ausstellung von Rechentechnik, um sie der "Nachwelt" zu erhalten. Denn, so die Überlegung der Museums-Initiatoren, die rasche Weiterentwicklung der Technologie bedingt immer schnellere Generationswechsel der Maschinen. Werden die alten Anlagen aber ausgemustert und verschrottet, sind sie für alle Zeiten verloren. Gerhard Karck, Vorsitzender des Vereins, der sich mittlerweile in "Museum für Informations- und Kommunikationstechnik e.V." umbenannt hat: "Ein Computerchip von vor zehn Jahren ist nicht mehr nachzubauen."

Junge Leute aber sollten die Anfänge der Datenverarbeitung nachvollziehen können, um dadurch auch ein neues Verständnis für die Computertechnik der Zukunft zu bekommen. Fortan deklarierte der Verein deshalb die von der Technik überholten Computer als "Kulturgegenstand" und sammelten einen Rechner nach dem anderen. Private Unternehmen, Großbetriebe und Universitäten stellten dem Museum alles zur Verfügung, was an ausgedienten DV-Relikten bei ihnen in der Ecke stand, Die Museums-Initiatoren machten die Anlagen - wenn erforderlich - wieder funktionstüchtig und stellten sie in der Datenzentrale Schleswig-Holstein aus.

Zunächst gingen die Anlagen von Konrad Zuse (unter anderem der Z 11, Z 22, Z 23 und Z 25), der mittlerweile Ehrenmitglied des Vereins ist, in den Fundus des Museums über. Sie sind Schwerpunkt der Ausstellung. Im Laufe der Jahre kamen aber auch zahlreiche Rechenanlagen anderer Hersteller hinzu, die zusammen mit den Zuse-Rechner speziell die Datenverarbeitung der fünfziger und sechziger Jahre dokumentieren. Zu bewundern ist im Kieler Computermuseum zudem ein Nachbau der "Tübinger Rechenmaschine", die Professor Schickard 1623 erfand.

Doch die wachsende Sammlung, deren Umfang laut Karck inzwischen einem System-Neuwert von rund 80 Millionen Mark entspricht, sorgte nicht nur für großes Besucherinteresse (an die 40 000 Besucher sahen sich die Ausstellung bislang an). Sie brachte vielmehr auch zunehmend Platzprobleme mit sich. Diese nahmen noch zu, als der Museumsverein zudem eine Wechselausstellung plante, die jeweils Neuigkeiten aufnehmen und "zum Anfassen" sein sollte. Darüber hinaus benötigte man Geld für das Personal.

In Sachen Finanzen aber waren die Museumsväter von jeher in Schleswig-Holstein auf taube Ohren gestoßen, hatten nahezu alle Kosten selbst tragen müssen. Karck: "Es ist sicher auch schwer, jemandem von der politischen Ebene klarzumachen, daß und warum Computer jetzt zu sammeln sind. Besonders, wenn die betreffenden Entscheidungsträger stolz darauf sind, daß sie bisher noch nicht einmal einen Bildschirm auf dem Schreibtisch haben."

Bereits vor drei Jahren machten sich die Initiatoren deshalb auf die Suche nach einem potenten Partner, der die Trägerschaft übernehmen sollte. Doch der Erfolg blieb aus. Auch Gespräche mit anderen Museen, über eine mögliche Integration der Computersammlung, brachten nichts ein. Enttäuscht sind die Betreiber des Kieler Computermuseums aber vor allem vom schleswig-holsteinischem Kultusministerium. Karck: "Das Kultusministerium der Regierung Engholm war nicht gesprächsbereit, hat auf Schreiben nicht einmal eine Eingangsbestätigung gegeben."

Nachdem auch die Bemühungen des Landesmuseumsdirektors und des Wirtschaftsministeriums fehlschlugen, die Computersammlung im Land zu behalten, forderte die Mitgliederversammlung den Vorstand im März auf, mit anderen Institutionen, Bundesländern, Städten, Gemeinden, Museen oder möglichen Sponsoren Gespräche zu führen. Zielsetzung des Vereins ist jetzt, so Karck, die Rechnersammlung des Museums wie auch das Konzept zu retten und an einen geeigneten Ort zu bringen. "Damit läßt Schleswig-Holstein ein beneidenswertes Stück technischer Geschichte unbeachtet."

Wer an der Erhaltung oder aber an der Übernahme des Museums interessiert ist, wendet sich bitte an den Vorstand des Vereins "Museum für Informations- und Kommunikationstechnik e.V., Postfach 17 80, 2300 Kiel .

Ziele des Museums

Das Computermuseum will einen Beitrag leisten zur gesellschaftlichen Aufklärung über das Thema Informationsverarbeitung und Datentechnik.

Es will auf der Grundlage wissenschaftlicher Dokumentation einen Einblick geben in die Entwicklung der Computertechnik als einen wesentlichen Bestandteil unserer jüngeren Kulturgeschichte.

Am Beispiel der Computertechnik will es die vielfältigen Verknüpfungen allgemeinhistorischer und technischer Entwicklungen sowie die wechselseitigen Einflüsse von Technik und Gesellschaft aufzeigen.

Damit will es einen Beitrag für eine kritische, aber sachliche Betrachtung technischen Fortschritts leisten, um somit zu einem besseren Verständnis für die Rolle der Technik in unserem Leben zu führen.

Das Computermuseum will sich mit seinem vielfältigen Angebot an den Laien wie den Experten, den privaten wie den professionellen Benutzer wenden. Es versteht sich als Informations- und Diskussionsforum für eine breite Öffentlichkeit.

Aufgabenschwerpunkte

Das Museum sammelt und bewahrt Objekte und Dokumente der Computertechnik von besonderer technikgeschichtlicher und somit kulturhistorischer Bedeutung.

In einer Schausammlung wird mittels originaler und möglichst funktionsfähiger Objekte die Entwicklungsgeschichte der Computertechnik anschaulich dargestellt. Dieses geschieht auf der Grundlage einer didaktisch aufgearbeiteten Präsentation und eines mehrperspektivischen Verständnisses von Technikgeschichte.

Dem Besucher werden die Funktionsweise des Computers (Rechnerphilosophie) sowie spezielle Anwendungsbereiche dieser Technologie zugänglich gemacht.

Wechselausstellungen, Vortragsveranstaltungen etc. ermöglichen eine lebendige und flexible Form der Präsentation und stellen eine Plattform für einen regen Gedankenaustausch auch zu aktuellen Fragestellungen der Computertechnik dar.

Das Museum stellt sich die Aufgabe, die Entwicklungsgeschichte der Computertechnik auf breiter Basis zu erforschen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen In geeigneter Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.