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05.03.1982 - 

Der Rest war nur noch die Hälfte wert:

Kienzle geht ganz an Mannesmann

DÜSSELDORF (CW) - Der Mannesmann-Konzern, der sich vor einem Jahr mit 50 Prozent an der Kienzle Apparate GmbH, Villingen, beteiligt hatte. Übernimmt nun vollends den Schwarzwälder MDT-Anbieter. (Siehe CW Nr. 8 vom 19. Februar 1982). Die restlichen 50 Prozent kosteten gerade noch die Hälfte der ersten.

Die totale Übernahme wurde deshalb für Mannesmann wesentlich billiger, weil Kienzle nach einem Verlust von bereits 14,79 Milliarden Mark im Geschäftsjahr 1980/81 (zum 31. März) heuer sogar mit dem doppelten Verlust zu rechnen hat. In Branchenkreisen geht man von einer Verkaufssumme von etwa 60 Millionen Mark aus.

Mannesmann-Chef Dr. Egon Overbeck bezeichnete den Erwerb von Kienzle als "Schritt von der Peripherie ins Zentrum der Datenverarbeitung". Mit schwarzen Zahlen indes rechnet das Düsseldorfer Unternehmen bei Kienzle erst wieder im Laufe des Jahres 1984. Die eskalierenden Verluste - so der Mannesmann Chef - resultierten aus hohen Kosten für Forschung und Entwicklung sowie eine auf Wunsch von Mannesmann beschleunigte Markteinführung neuer Produkte in der Datentechnik.

Auch künftig will der Düsseldorfer Röhrenhersteller bei Kienzle erhebliche Mittel für Forschung und Entwicklung sowie für den Vertrieb aufwenden. Allein für F + E wurden 1981/82 etwa neun bis zehn Prozent vom Inlandsumsatz verwendet. Im nächsten Jahr soll dieser Anteil noch steigen.

Noch einmal beschließen

Allerdings habe auch die konjunkturelle Situation dazu beigetragen, daß der Gewinn im Unternehmensbereich Apparate nicht so groß wie erwartet und der Verlust bei der Datentechnik höher als befürchtet ausfällt. Dennoch, so betont Overbeck, würde der Mannesmann-Vorstand die Beteiligung "noch einmal beschließen". Sie passe in die Konzeption, den Markt der Informationstechnik "von der Komponente bis zum System" zu erarbeiten. Das Problem bei Kienzle liege darin, daß Kapitalmangel gerade bei der Mittleren Datentechnik die Entwicklung und Einführung neuer Gerätegenerationen verzögert habe.

Durch die Transaktion wird die Familie Kienzle nicht mehr an dem Unternehmen beteiligt sein, das ihren Namen trägt und dessen rund 900 Millionen Umsatz (1981) sich etwa je zur Hälfte auf die Produktion von Fahrtenschreibern, Taxametern und anderen Zählgeräten sowie auf Computer aufteilt. In allen Unternehmensbereichen wird bei Kienzle weiter rationalisiert werden. Dabei sei, so ist von Kienzle-Kennern zu hören, ein Abbau der derzeit 8600 Mitarbeiter um 300 eine beschlossene Sache.

An der Unternehmensspitze wird sich nichts ändern. Die beiden Gründersöhne Herbert und Jochen Kienzle bleiben ebenso Mitglieder der Geschäftsleitung wie der seit 1978 amtierende Vertriebschef Gert Bindels. Umbesetzt hatte Mannesmann unmittelbar nach dem Einstieg lediglich das Finanzressort.