Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.01.1991 - 

Japanische Fujitsu hat das Nachsehen

Kienzle ist unter der Haube - DEC Corp. machte das Rennen

DÜSSELDORF/MÜNCHEN (bk) - Überraschendes Ergebnis in Sachen Mannesmann-Kienzle: Nicht Fujitsu, sondern die Digital Equipment Corp. machte das Rennen um den Schwarzwälder MDT-Hersteller. Mit Wirkung vom 1. Januar 1991 gründeten DEC und Mannesmann die Digital-Kienzle Computersysteme GmbH & Co. KG.

Die Düsseldorfer Mannesmann AG hat sich aus ihrem glücklosen, aber immerhin knapp zehn Jahre dauernden DV-Engagement verabschiedet. Der gesamte Bereich Datensysteme von Kienzle wird in die mit dem amerikanischen Computerriesen Digital Equipment Corp" Maynard, gegründete neue Gesellschaft eingebracht.

Dazu gehören auch die Tochtergesellschaften PCs Computersysteme, Procad GmbH und Kienzle Miete GmbH, das BIT-Schulungszentrum in Donaueschingen sowie die Vertriebs- und Servicegesellschaften des MDT-Herstellers in Großbritannien, Spanien, Belgien, Norwegen, Frankreich, Österreich und in der Schweiz.

An der Digital-Kienzle Computersysteme GmbH & Co. KG, die ihren Sitz in Villingen/ Schwenningen haben wird, ist die DEC Corp. mit 65 Prozent, Mannesmann-Kienzle mit 35 Prozent beteiligt.

Der verbleibende Teil der Mannesmann-Kienzle GmbH unter anderem mit den Geschäftsbereichen Tally, Autocom und Scangraphic - ist nach wie vor zu 100 Prozent in Besitz des Düsseldorfer Stahlriesen. Die Geschäftsführung der Rumpfgesellschaft soll weiterhin Roland Mecklinger wahrnehmen, der erst Ende 1989 das Ruder bei dem Villinger Traditionsunternehmen übernommen hatte.

Wer der neuen Digital-Kienzle Computersysteme vorstehen wird, ist noch offen. Mannesmann-Sprecher Friedrich Schunder erklärte dazu, dies sei Aufgabe von DEC, da die Amerikaner die industrielle Führung hätten. Die Münchner Digital Equipment GmbH indes konnte zu den personellen Entscheidungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen.

Daß der amerikanische Computerkonzern, der finanziell derzeit nicht gerade seine Glanzzeit erlebt, letztlich den Zuschlag für die "Partnerschaft" mit Mannesmann erhielt, kam überraschend. Bei allen Spekulationen um die Zukunft von Kienzle Datentechnik war Digital Equipment nie erwähnt worden. Bis zuletzt hatte die Branche mit dem Einstieg der japanischen Fujitsu gerechnet. Zurückzuführen ist die Entscheidung von Mannesmann offenbar auf DECs Zugeständnisse bei den organisatorischen Rahmenbedingungen. Schunder: "Durch die getroffene Vereinbarung bleibt der gute Name Kienzle erhalten. Vor allem aber werden dadurch die Arbeitsplätze und der Standort Villingen für Kienzle Datentechnik gesichert. Die gesamte Mannschaft geht in die neue Gesellschaft ein, bleibt in ihrem Verbund erhalten und muß nicht wechseln." Im Bereich Datensysteme sind bei Kienzle derzeit weltweit 4300 Mitarbeiter beschäftigt - davon rund zwei Drittel im Inland.

Standbein für DEC in Deutschland

Darüber hinaus eröffne die Verbindung neue, zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für Mannesmann. So erhoffen sich die Düsseldorfer einen Ausbau ihrer Aktivitäten bei der Fertigungsautomation, der Prozeßleittechnik, der Prüf- und Simulationstechnik und der Telekommunikation. Geplant sei, so Schunder weiter, zudem eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Mannesmann und DEC bei Bürodruckern. Der Düsseldorfer Stahlkonzern ist in dies ein Geschäft über die Mannesmann Tally GmbH, Elchingen, vertreten, in die die Siemens AG Mitte des Jahres ihr Druckergeschäft einbrachte und sich zu 49 Prozent beteiligte.

Die Olsen-Gesellschaft wiederum, die sich das Kienzle-Engagement wie verlautete rund 340 Millionen Mark kosten läßt, hat nun endlich - zumindest in Deutschland - das erhoffte Standbein im kommerziellen Markt. Bislang nahezu ausschließlich im technisch-wissenschaftlichen Großkundengeschäft aktiv, hatte Jörg Rieder, Geschäftsführer der deutschen GmbH, schon 1989 erklärt, sich zukünftig auf den Mittelstand konzentrieren zu wollen. Theresia Wermelskirchen, Sprecherin der Münchner DEC-Tochter: "Allein aber hätten wir sicher vier bis fünf Jahre gebraucht, um uns in der mittelständischen Wirtschaft zu etablieren."

Von Nutzen sei auch die technologische Nähe in Sachen Unix- und RISC-Rechnern, die von der Münchner Kienzle-Tochter PCs Computersysteme stammen. Wermelskirchen: "Die Kienzle-Unix-Version basiert auf System V. Unsere Version Ultrix ist dazu kompatibel. Somit passen unsere Unix-Aktivitäten zusammen." Vorerst nicht geplant ist hingegen, trotz der neu hinzukommenden Fertigungsstätte - dem Werk D von Kienzle - weitere Produktionsaktivitäten nach Deutschland zu verlegen. "Wir produzieren bereits in Irland (VAX-Rechner) und in Schottland (Chips)", so die DEC-Sprecherin, "zudem ist in Kaufbeuren unsere Massenspeicherfertigung angesiedelt." Im Kienzle-Werk D soll vorerst weiterhin die Computerserie 9000, das Hauptprodukt des MDT-Spezialisten, hergestellt werden - zumindest solange, bis diese Rechner durch Unix-Systeme von Digital-Kienzle abgelöst werden können.

Darüber hinaus hofft DEC auch auf eine Verstärkung im europäischen Markt. Dies jedoch scheint fraglich. Bislang konnten die Schwarzwälder im internationalen MDT-Geschäft nur wenig auffallen. 1989 erzielte Kienzle Datentechnik laut Berechnungen von Erik Hargesheimer, Geschäftsführer der Management Service GmbH, Bad Homburg, einen Umsatz von 745 Millionen Mark, hinzu kamen 69 Millionen Mark von der Münchner Unix-Schmiede PCS. Von diesen 814 Millionen Mark nahm man jedoch nur knapp ein Viertel im Ausland ein.

Auch die internationale Infrastruktur wird sich für Digital Equipment kaum verbessern. Kienzle ist zwar in sieben Ländern vertreten, dort aber verfügt auch DEC über Niederlassungen. Somit wird eine der nächsten Aufgaben des Computerriesen sein, die Kienzle-Niederlassungen in die eigenen Aktivitäten einzugliedern - oder sie eventuell aufzulösen. Eine Entscheidung hierzu steht noch aus.

Die Mitbewerber reagieren gelassen

Gelassen reagierten hiesige Mitbewerber auf die neue Konstellation des Schwarzwälder Traditionsunternehmens. Von der Kölner Bull AG verlautete dazu, der Rückzug von Mannesmann werde zunächst zu keinen großen Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft führen. Man beglückwünsche die Düsseldorfer allerdings, auf der Suche nach einem Partner für Kienzle fündig geworden zu sein. Bull selbst war ebenfalls monatelang mit Kienzle in Verbindung gebracht worden.

Ein Sprecher von IBM Deutschland erklärte: "Letztlich entscheiden die Kunden und nicht Firmenzusammenschlüsse, wer am erfolgreichsten im Markt ist." Kommentar aus Reihen der Siemens Nixdorf Informationssysteme AG: "Wir respektieren die Entscheidung von Digital Equipment, sind jedoch in keiner Weise beunruhigt, daß sich dadurch auf dem DV-Markt eine wesentliche Veränderung ergeben könnte."