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20.07.1979 - 

Zehn Jahre Kirchliche Gemeinschaftsstelle für elektronische Datenverarbeitung:

KIGST will DV-Wildwuchs im Krankenhaus verhindern

FRANKFURT (CW) - Die Kirchliche Gemeinschaftsstelle für elektronische Datenverarbeitung (KIGST) e. V. "hat sich von einer Programmierstelle zu einer Service-Einrichtung entwickelt, deren Aufgabe in der Bereitstellung von komplexen Organisationslösungen besteht", heißt es in der Jubiläumsbroschüre, die die KIGST zu ihrem einige Monate zurückliegenden zehnten Geburtstag herausbrachte. Datenverarbeitung sieht die KIGST zukünftig nur noch als Teil einer Organisations-Gesamtlösung, weshalb auch - anders als bisher - "rechtzeitig und zielgerichtet" von den Leitungsgremien über DV-Verfahren entschieden werden müsse - bevor eine DV-Abteilung vollendete Tatsachen geschaffen habe.

Daß die KIGST sich mit einmal Erreichtem nicht zufrieden gibt, wurde auf der zurückliegenden Interhospital-Messe in Düsseldorf deutlich. Sie hat, berichtete Hans Ermshaus, Prokurist im Rheinischen Rechenzentrum für Kirche und Diakonie, mit Digital Equipment ein OEM-Abkommen geschlossen, das interessierten KIGST-Kunden die Segnungen des Mengenrabatts verschafft. Und das in Kooperation mit Digital Equipment entwickelte Krankenhaus-Informationssystem KIGST-SYS kümmert sich nicht nur um Administration, sondern auch um den, der verwaltet wird: den Patienten. Dessen Labor- und Befunddaten stehen jedem Arzt schnell zur Verfügung.

Mit dem Krankenhaus-Informationssystem KIGST-SYS beschäftigt sich der Beitrag von Dr. Hermann Haase - bei der KIGST für den Kleinrechnerbereich zuständig. Der folgende Beitrag ist der Fachzeitschrift "Methods of Information in Medicine" (Vol. 18, Nr. 1 vom Januar 1979, erschienen im F. K. Schattauer-Verlag, Stuttgart) entnommen und wird hier in gekürzter Übersetzung wiedergeben.

In der Bundesrepublik ist es hauptsächlich die Verwaltung von Krankenhäusern, die DV-unterstützt abgewickelt wird. Gesammelt werden die Daten in der Regel (unter Beibehaltung konventioneller Verfahren) auf Datenträgern, die dann zur Weiterverarbeitung an ein externes Rechenzentrum gehen. Diese Vorgehensweise ist einigermaßen preiswert und - mit geringfügigen Änderungen in der Organisation - leicht implementiert; doch beschränkt sich der Rationalisierungseffekt auf Bereiche der Verwaltung.

Die Daten spiegeln so nicht die Organisation als Ganzes wider, und wichtige Daten werden nicht umgehend ausgewertet. Überdies sehen die Krankenhäuser sich jetzt der gesetzlichen Verpflichtung gegenüber, den Krankenversicherungen ihre Ausgabewirtschaft darzulegen, was ein weiteres Anwachsen der Datenmengen bedeutet. Stehen aber alle Krankenhausdaten einem EDV-System zur Verfügung, so können einerseits Auswertungen erstellt werden, die der Optimierung und Offenlegung der Organisation dienen, andererseits kann das auch noch ohne personellen Mehraufwand geschehen.

Die Kirchliche Gemeinschaftsstelle für EDV (KIGST), angegliedert an die Evangelische Kirche Deutschlands, ist verantwortlich für die Beratung, Koordinierung, Planung und Implementierung EDV-unterstützter Organisationslösungen in etwa 1000 evangelischen und katholischen Krankenhäusern.

Knapp 300 Hospitäler mit insgesamt rund 80 000 Betten sind es zur Zeit, die ihr Abrechnungswesen einem der 14 KIGST-angeschlossenen Rechenzentren übertragen haben. KIGST hat für diese Krankenhäuser ein flexibles und den verschiedenen Anforderungen gerecht werdendes DV-System geschaffen.

Ein solches Datenverarbeitungssystem läuft zum Beispiel bereits seit Februar 1977 im Caritas-Hospital in Bad Mergentheim, das ein allgemeines Krankenhaus mit 621 Betten und neun medizinischen Abteilungen ist. Die EDV unterstützt die Abteilungen Patientenaufnahme, Labor und Verwaltung. DV-Kommunikation zwischen den Abteilungen und den einzelnen Stationen kann auf Wunsch auch hergestellt werden. Datenverarbeitung für administrative Zwecke wird von einem KIGST-Rechenzentrum durchgeführt.

Wirtschaftlichkeit ist Bedingung

Vorausgesetzt wird, daß alle Krankenhäuser - große und kleine - mit ihrem DV-Konzept dieselben Funktionen abdecken wollen. Der Unterschied soll jeweils nur in der anfallenden Datenmenge liegen. Aus medizinischer und administrativer Sicht müssen folgende Bedingungen gestellt werden:

1. Die Implementierung des Systems muß für die Krankenhäuser wirtschaftlich sein.

2. Systementwicklung und -wartung muß für den Hersteller wirtschaftlich sein.

3. Die Software sollte Hardware-unabhängig sein.

Wirtschaftlich kann die Datenverarbeitung in einem Krankenhaus bei diesen Voraussetzungen sein:

1. Realisierung ohne Personalzuwachs.

2. Das Krankenhaus kann die konventionellen Organisations- und Kontrollverfahren aufgeben, weil die Zeitverzögerung bis zur "Anlieferung" der elektronisch verarbeiteten Daten nicht ins Gewicht fällt.

3. Die zu tätigenden Investitionen sind gering und durch die möglichen Vorteile gerechtfertigt.

4. Die laufenden Systemkosten sind niedrig.

Für die Stelle, die die Programme erstellt und wartet, bedeutet Wirtschaftlichkeit in erster Linie, daß die Software von der jeweiligen Hardware-Konfiguration unabhängig ist. Implementierungs- und Wartungskosten müssen für jedes einzelne Krankenhaus so niedrig wie möglich liegen.

Diese Überlegungen führten in Bad Mergentheim zur Implementierung eines Turnkey-Systems, bedienbar durch EDV-Laien. Das KIGST-SYS-Paket ist ein Software-System, das die aufgezählten Anforderungen erfüllt. Geschrieben ist es in MUMPS, das folgende Vorzüge aufweist:

- MUMPS-Programme laufen ohne Modifikation auf großen und kleinen Rechnern (beginnend ab etwa 70 000 Mark).

- MUMPS enthält ein Timesharing-Betriebssystem (über 40 Anwender können auf einer Anlage simultan Programme fahren).

- MUMPS besitzt eine effiziente Speicherplatz-Verwaltung und verfügt über ein Datenbank-System.

Bisher wurde MUMPS in Europa von Digital Equipment auf Rechnern der Serie PDP-11 und von Philips auf Rechnern der Serie P 800 vorgehalten. Bei einigen unabhängigen Softwarehäusern ist MUMPS auch für Data General-, IBM- und Prime-Computer erhältlich. Ein Softwarehaus offeriert und demonstriert ein MUMPS-Betriebssystem für PDP-11 (von 11-04 bis 11-70), Data General-Eclipse und IBM-Serie /1. Die MUMPS-Anwendersoftware läuft auf jedem dieser Rechner ohne jegliche Veränderung.

Für KIGST-SYS-Anwender beschränkt die Aufgabe des Hardware-Herstellers sich auf Installation und Wartung des Rechners. Das MUPS-Betriebssystem und die Applikations-Software liefert und betreut KIGST.

Die Datenerfassung geschieht über Dialog-Bildschirm oder Fernschreiber, wobei der Anwender die freie Wahl hat. Datenmißbrauch wird durch eine wirksame Paßwort-Kontrollprozedur für jeden Arbeitsbereich und jeden Bediener verhindert. Aus Sicherheitsgründen werden alle neu hereinkommenden Daten in einer Logdatei gespeichert, so daß nach einem Systemzusammenbruch sofort - ohne Daten- und Arbeitszeitverlust - der Restart erfolgen kann. Das System erlaubt keine Manipulationen am Programm, doch kann der Anwender die Funktionen der Tabellen-gesteuerten Programme im kontrollierten Dialog ändern. Dadurch ist die zentrale Programmpflege relativ einfach.

Fernschreiber- Schnittstellen

Der Datentransfer zum externen Rechenzentrum findet über Wählleitungen oder durch Überbringen von Magnetbändern statt. Die Verbindung externer Anlagen mit dem System erfolgt ausschließlich unter Verwendung TTY-kompatibler Schnittstellen. Die Ausgabe der Labordaten läuft über eine Schnittstelle, die dem Rechner einen Fernschreiber "simuliert". Die TP-Prozedur IBM 3780 wird von einem Mikroprozessor durchgeführt, der mit dem Rechner ebenfalls wie ein Fernschreiber verbunden ist. Von spezieller Peripherie-Ausrüstung wurde aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgesehen.

Für die Online-Datenerfassung von Labor-Apparaturen aus eignet sich das Timesharing-Betriebssystem nur bedingt. Andererseits findet in einem Klinik-Labor keine Realtime-Datenverarbeitung statt. Nur die Datenübertragungseinrichtung muß jederzeit in der Lage sein, Daten aufzunehmen, die von den automatisierten Laborgeräten kommen. Dies schafft Raum für jedes Timesharing-System mit gepufferten Empfangsleitugen (innerhalb bestimmter Grenzen).

Laboranwendungen sind bei 80 bis 90 Prozent der Krankenhäuser ohne Anpassungen auswechselbar; doch hängt das Ausmaß der Anpassungsnotwendigkeit vom Umfang der Laborausstattung in den verschiedenen Hospitälern ab.

Bis heute sind in dem seit Anfang 1977 laufenden System keine Schwachpunkte aufgetreten (die Zahl der Anwender ist inzwischen zweistellig). Die gesamte Anwendersoftware kann auf der minimalen - MUMPS-gemäßen - Konfiguration laufen.

Die Leistungsfähigkeit eines Systems bestimmt der Anwender durch Hardware-Auswahl; das Softwarepaket ist davon nicht betroffen - ein wichtiger Punkt bei einem eventuellen Systemausbau.

Hardware -Auswahlkriterien

Für Systeme wie KIGST-SYS, bei denen das Schwergewicht auf Eingabe-/ Ausgabe-Vorgängen liegt, ist die Antwortzeit ein entscheidendes Kriterium dafür, ob es den Bedürfnissen des Anwenders gerecht wird. Die Antwortzeit wird bestimmt von der Programmlogik und folgenden Parametern: CPU-Zykluszeit, durchschnittliche Plattenspeicher-Zugriffszeit, Anzahl der CPUs in einem System und Anzahl der laufenden Jobs.

Unter der Bedingung der Kostenminimierung und einer Antwortzeit von unter einer Sekunde kann man diese Parameter nun so variieren, daß dabei eine Hardware-Konfiguration ermittelt wird die den Anforderungen des einzelnen Anwenders exakt entspricht. Dieses Verfahren kommt auf eine annähernde Kostengleichheit im Tagessatz bei großen wie bei kleinen Krankenhäusern. Für Krankenhäuser mit über 1000 Betten und hohen Ansprüchen an die EDV wird eine Anlage mit nur einer CPU nicht ausreichen. Hier sind mehrere Alternativen denkbar, beispielsweise zwei Verbundrechner, die sich die Aufgaben teilen.