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13.02.1981 - 

IBM-Equipment für Bremer Krankenhaus-Verbund

Kinderkrankheiten nur auf der Hostseite

BREMEN - Der reibungslose Betrieb in einem Krankenhaus setzt einen reibungslosen Informationsfluß voraus. Wie die Aktualität und Verfügbarkeit der Daten im Zusammenspiel der Bremer Krankenhäuser und deren kommunalem Rechenzentrum durch den Einsatz eines IBM-Verbundsystems erhöht wurden, beschreiben Gebhard Raschen und Volkhard Vetter vom Bremer Senator für Gesundheit und Umweltschutz.

In Bremen stehen, sechs kommunale Krankenhäuser unter der Trägerschaft des Senators für Gesundheit und Umweltschutz. Vier Zentralkrankenhäuser sowie zwei kleinere Krankenhäuser sind bis zu etwa 30 Kilometer von dem kommunalen Rechenzentrum der bremischen Verwaltung (RbV) entfernt. Diese sechs Krankenhäuser führen sowohl die Behandlungen von Akut- und Langzeitpatienten durch als auch von fachspezifischen Patientenfällen. Rund 5400 Mitarbeiter behandeln hier jährlich über 77000 Patienten. Der Jahresumsatz aller kommunaler Krankenhäuser lag 1979 über 320 Millionen Mark (ohne Investitionskosten) .

Die optimale Erfüllung der Aufgaben eines Krankenhauses erfordern sowohl die verwaltungsmäßige Bearbeitung der direkt mit der Patientenbehandlung anfallenden Daten als auch die Führung des Betriebes "Krankenhaus" unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Deshalb sind alle Hospitale verpflichtet, die Regeln der kaufmännischen Buchführung anzuwenden und eine Kosten-Leistungsrechnung zu führen.

In den kommunalen Krankenhäusern Bremens werden bereits seit 1968 DV-Verfahren für den Verwaltungsbereich eingesetzt. Während für fünf Krankenhauser der Einsatz als Stapelverarbeitung maximal dreimal monatlich im kommunalen RbV erfolgte, wurde in einem Krankenhaus für die Erledigung dieser Arbeiten eine DV-Anlage der mittleren Datentechnik . eingesetzt. Die hierzu eingesetzten Erfassungsverfahren waren auf die Aufgabenbereiche in den Krankenhäusern sowie auf die Gegebenheiten und Möglichkeiten im kommunalen RbV zugeschnitten. Da die Datenerfassung dezentral erfolgte, existierten unterschiedliche Erfassungsverfahren, Datenträger (OCR-Beleg, Lochkarte, Markierungsbeleg) und Erfassungsgeräte in den Krankenhausern. Die zentrale Verarbeitung der in den Krankenhäusern erstellten Datenträger erfolgte im kommunalen RbV auf einer IBM 370/158 zu festgelegten Terminen maximal dreimal monatlich. Der Datentransport wurde durch den Krankenhausbotendienst durchgeführt. Diese Regelungen bewirkten zwangsläufig sowohl einen erhöhten Personalaufwand durch Mehrfacherfassung und der erforderlichen zeitversetzten Fehlerkorrektur (bis zu zehn Prozent) als auch eine Beeinträchtigung der Aktualität der zu verarbeitenden. Daten und des erhöhten Informationsbedarfs .

Die Hardware-Situation hat sich in den letzten Jahren entscheidend geändert: Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, wegen der gesetzlichen Neuerungen die bisherigen DV-Verfahren des Rechnungswesens gegen Neuentwicklungen auszutauschen, ergab sich die Möglichkeit, das bisherige Konzept zu überdenken und eine neue Konzeption für die Arbeit in den kommunalen Krankenhäusern Bremens zu erarbeiten. Ziel der weiteren Planungen war, einerseits die vorgenannten Schwachstellen zu beseitigen, indem eine Verbesserung der Qualität der zu verarbeitenden Daten durch eine zeitnahe Verarbeitung erzielt werden mußte. Andererseits mußte auf der Grundlage der neuen gesetzlichen Bestimmungen der zusätzliche Bedarf der Krankenhäuser berücksichtigt werden.

Hardware-Situation

Es wurden alternative Lösungsmöglichkeiten untersucht, entweder bestimmte zeitkritische Aufgabenkomplexe dezentral im Krankenhaus, zeitunkritische und unkomplizierte Massenarbeiten weiterhin zentral im Rechenzentrum durchzuführen (Verbundlösung), oder aber autarke dezentrale Systeme in den einzelnen Krankenhäusern (autonome DV-Lösung) zu implementieren. Einheitlich festgelegte Anforderungen und Voraussetzungen für ein optimales System bildeten die Grundlage für Gespräche mit Herstellerfirmen. Nach Erhalt der entsprechenden Angebote erbrachte eine dynamische Wirtschaftlichkeitsrechnung (Barwertmethode) sowie ein Leistungsvergleich eindeutige Vorteile zugunsten des Verbundsystems IBM 3790. Wesentliches Auswahlkriterium hierfür war die Fähigkeit, im bedienerlosen Betrieb rund um die Uhr arbeiten zu können. Außerdem mußten Remote-Anschlußmöglichkeiten für die Bildschirme an die 3790 bestehen und nicht nur eine Remote-Möglichkeit von der 3790 zum Host-Rechner. Diese im zwischenzeitlich zweijährigen Routinebetrieb bestätigte Aussage ist besonders dadurch hoch einzuordnen, daß auch außerhalb der Betriebsstunden des Rechenzentrums das Informationsbedürfnis beziehungsweise die Dialogfähigkeit vorhanden ist. Weitere Vorteile sprechen für ein Verbundsystem bei einer möglichen DV-Aufgabenteilung und einer Vielzahl von gleichartigen Anwendern, da

- beim Anwender keine DV-Spezialkenntnisse erforderlich sind,

- im denzentralen System ein optimales Antwortzeitverhalten erreicht wird,

- einfache E/A-Prozeduren eine einfache dezentrale Anwenderrealisierung ermöglichen und

- beim bereits vorhandenen Zentralrechner eine spürbare Entlastung durch die Dezentralisierung eintritt.

Darüber hinaus ist die Einheitlichkeit der Programme und damit die Multiplizierbarkeit sowie ein geringer Pflegeaufwand durch eine zentrale Entwicklung und Dokumentation sichergestellt. Diese Punkte wurden darüber hinaus auch durch aufgabenbezogene und kostenmäßige Vorteile zugunsten eines ADV-Verbundsystems vervollständigt. Zwischen den verschiedenen Angeboten fiel schließlich unsere Entscheidung zugunsten des Verbundsystems IBM 3790 beziehungsweise 8140.

Realisierungsphase

Die Realisierung unserer Verbundlösung sah vor, die sechs Krankenhäuser Zug um Zug mit etwa 30 Bildschirmgeräten und zirka 15 Druckern auszustatten, die zunächst an zwei IBM 3790, seit Oktober 1980 an zwei IBM 8140 angeschlossen wurden. Die beiden Leitzentralen 8140 sind mit je einem Kernspeicher von 384 KB ausgestattet. Die Magnetplattenkapazität beträgt 2x29 und 1x64 MB. Jede Maschine hat einen Host-Anschluß an den Zentralrechner IBM 3031, einen Ringleitungsanschluß, an dem aus systeminternen Gründen lediglich die Masterkonsole hängt, sowie vier Anschlußmöglichkeiten für Standleitungen, an denen in Kürze insgesamt für die Krankenhäuser zehn Bildschirmgeräte IBM 3276, 16 Bildschirmgeräte IBM 3278 sowie sieben Drucker IBM 3287 und neun Prägeterminals angeschlossen sind. Die Verarbeitung in der 8140 erfolgt unter dem Programmsystem DPCX, wodurch ein reibungsloser Übergang von der bisherigen IBM 3790 zur 8140 durchgeführt werden konnte.

Diese Ausstattung erlaubt eine unabhängige, selbständige dezentrale Erledigung aller zeitkritischen und notwendigen DV-Aufgaben. In den Krankenhäusern kann die gesamte Datenerfassung, Fehlerkontrolle und Dialogführung mit aktuellen Bestanden der jeweiligen Aufgabengebiete (Buchhaltungskosten, Lagerartikel, Patientendaten) und die Erstellung aller zeitkritischen Unterlagen erfolgen. Darüber hinaus kann jedes Krankenhaus den Umfang oder die Beteiligung an der terminlichen Durchführung der zentralen Verarbeitung selbst bestimmen.

Während die dezentral organisierten Verfahrensteile selbst entwickelt wurden, konnten für die zentralen Verfahrensteile des Zentralrechners die bundeseinheitlich entwickelten DV-Projekte des Rechnungswesens FINK, KOLK, MAIK und in Zukunft auch MARK eingesetzt werden (FINK = Finanzbuchhaltung im Krankenhaus, KOLK = Kosten- und Leistungsrechnung im Krankenhaus, MAIK = Maschinelle Anlagenbuchhaltung im Krankenhaus, MARK = Materialwirtschaft im Krankenhaus). Hiermit wurde kostengünstig sowohl das gesamte Spektrum eines Rechnungswesens von der Beschaffung bis zur Kosten-Leistungsrechnung entsprechend dem tatsächlichen Bedarf abgedeckt als auch eine dezentral aktuelle Patienten-Datenhaltung in allen sechs Krankenhäusern angeboten.

Grundsätzlich erfolgt die Datenerfassung im Rahmen des jeweilig zu bearbeitenden Aufgabenbereiches mittels Bildschirmgerät. Hiermit soll die Grundlage eines flexiblen Personaleinsatzes für die gleichzeitige Datenermittlung und Datenerfassung geschaffen werden. Die sofortige Eingabe, Kontrolle und Korrektur der zu erfassenden Daten ermöglicht durch die verbesserte Qualität der Daten eine vollständige Datenhaltung und zeitnahe Verarbeitung. Darüber hinaus ist durch die Dezentralisierung der DV-Aufgaben sowohl eine aktuelle Auskunft als auch die dezentrale Erstellung von Druckausgaben betriebsnotwendiger Daten möglich. Über diesen Rahmen hinaus werden in den Aufgabenbereichen des Rechnungswesens insbesondere die ,Tagesabschlüsse, die Überweisungsträgerschreibung und künftig die mengenmäßige Bestandsführung dezentral erledigt. Die Aufgabenteilung läßt die Erledigung der in den dezentralen Verfahrensteilen durchzuführenden DV-Arbeiten ohne Nutzung von Ressourcen des Rechenzentrums zu. Der Umfang und die Häufigkeit dieser dezentralen Verarbeitungen sind lediglich von der Leistungsfähigkeit um den Anschlußzeiten des Verbundsystems sowie den Arbeitszeitregelungen bestimmt. Die Aufgaben des Zentralrechners im Rechenzentrum sind abhängig von der Inanspruchnahme der zentral zur Verfügung stehenden DV-Verfahren FINK, KOLK oder MAIK.

Aus Sicherungsgründen werden täglich die dezentral erfaßten Daten an das zentrale System im Rechenzentrum übertragen. Im zentralen System werden sie für die verschiedenen Verfahren gesammelt, kontrolliert und für die folgende, terminlich fixierte zentrale Verarbeitung bereitgestellt. Gleichzeitig werden die dezentral vorzuhaltenden Datenbestände aktualisiert.

Die Gesamtplanung sah vor, die Realisierung in mehreren Stufen durchzuführen, wobei die Arbeiten für die wesentlichsten Aufgabengebiete des Verwaltungsbereichs eine Krankenhauses bereits durchgeführt wurden (Finanzbuchhaltung, Kosten-Leistungsrechnung, Anlagenbuchhaltung, Materialwirtschaft, Patientendatenhaltung, Rechnungschreibung).

Zentrale Betreuung

Wesentlicher Vorteil bei der Realisierung der Planungsaufgaben war die zentrale Betreuung durch eine Arbeitsgruppe, die die Problemkreise des DV-spezifischen, fachlichen, organisatorischen und des technischen Bereichs zu lösen hatte. Innerhalb des DV-spezifischen Bereichs mußten zunächst die dezentral in den Krankenhausern einzusetzenden Programme entwickelt und getestet werden. Über programmspezifische Aktivitäten hinaus waren daraufhin die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für die Installation der technischen Ausstattung zu schaffen. Zusätzlich mußten Sachmittel und Arbeitsunterlagen entsprechend den programmseitigen Vorgaben entwickelt werden. Für die parallel zu diesen Maßnahmen beginnende Schulung der Krankenhausmitarbeiter wurden Vorgaben erstellt, die sowohl Hilfestellung für die dezentral organisierten Verfahrensteile und die Bedienung der DV-Geräte geben mußten als auch Buchungshilfen und Beispiele umfaßten. Anwenderhandbücher für die Verfahren waren zur Verfügung zu stellen. Wesentlich aufwendiger als die Lösung dieser Aufgaben erwiesen sich die aufgetretenen Randprobleme.

So mußte beispielsweise vor der Installation der technischen Ausstattung eine Dienstvereinbarung erarbeitet werden, die die Voraussetzungen und Bedingungen für den Einsatz an Bildschirmgeräten regelte.

Die Installation der DV-Geräte konnte innerhalb von zwei Wochen durchgeführt werden. Problematisch war weniger die Installation und der Anschluß der Geräte an das System IBM 3790, sondern vielmehr die Kabelverlegung. Mit dem Anschluß konnten die Verfahren in den Krankenhäusern im Rahmen der Schulungen und Einführungsvorbereitungen von allen Mitarbeitern erprobt werden.

Hierbei erwies sich das installierte System als bedienungsfreundlich. Obwohl in den Krankenhäusern kein Fachpersonal zur Verfügung stand, waren die Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit im Umgang mit dem System vertraut.

Mit Installation, Implementierung und erfolgreichem Routineeinsatz der DV-Verfahren unter Nutzung eines Verbundsystems wurde den Krankenhäusern sowohl die kostengünstigste und wirtschaftlichste Lösung als auch 2 den Sachbearbeiter ein optimales strafsmittel zur Verfügung gestellt, das eine erhöhte Aktualität und eine ständige Verfügbarkeit gewährleistet.

Hierdurch konnte eine fühlbare personelle Entlastung in den Krankenhausverwaltungen erzielt und ein eventuell auftretender Mehrbedarf verhindert werden. Dadurch, daß auch gleichzeitig DV-begleitende Problemkreise wie Arbeitsplatzgestaltung im Sinne der Mitarbeiter gelöst wurden, konnten für die Realisierung noch ausstehender Verfahren in den Krankenhäusern nicht nur Ansprechpartner gefunden werden, sondern auch aktive, Mitarbeiter.