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19.02.1993 - 

X.25-Netz von Debis traegt bereits 55 Prozent Datenvolumens

KKH legt die Kontrolle des Netzwerkes in fremde Haende

Die KKH begann 1985 mit konkreten Ueberlegungen, ihre damals 374 Niederlassungen unter Beruecksichtigung moderner Konzeptionen an das zentrale Rechenzentrum in Hannover anzuschliessen. Parallel mit der Entwicklung der benoetigten Softwareloesung wurde auch mit dem Design des Datennetzes begonnen.

Aufgrund der Entscheidung, den Niederlassungen Anwendungen und Daten zentral im Rechenzentrum in Hannover zur Verfuegung zu stellen, ist im ersten Schritt ein sternfoermiges Datennetz entworfen worden, dessen Leistungsanforderungen auf die Anwendungsstruktur und die Hardware-Umgebung mit den folgenden wesentlichen Kriterien zurueckgefuehrt werden koennen:

- transaktionsorientierter Datenverkehr,

- keine Massendaten,

- Antwortzeiten 90 Prozent unter 3 Sekunden,

- hohe Verfuegbarkeit sowie

- Hardware der IBM-3270- Welt

Telekom behob Stoerfaelle im Netz viel zu langsam

Nach einem Vergleich der damals verfuegbaren Netze (Datex-P, Datex-L und HfD) fiel die Entscheidung 1987 fuer die einheitliche Nutzung des aus Sicht der KKH leistungsfaehigsten und kostenguenstigsten Datex-P-Netzes der Deutschen Bundespost. Entsprechende Planungsarbeiten wurden eingeleitet und Vereinbarungen mit der Deutschen Bundespost getroffen. Der Netzaufbau begann im Juli 1990. Der Zeitrahmen fuer den Online- Anschluss der KKH-Niederlassungen, die simultan mit Hardware und Datenleitungen ausgestattet wurden, war auf ein Jahr begrenzt.

Im Mai 1991 konnte die letzte Niederlassung in den alten Bundeslaendern planmaessig per Datex-P an die KKH-Hauptverwaltung angebunden werden. Ab Herbst 1990 erfolgte parallel dazu der Aufbau von Datenverbindungen in die neuen Bundeslaender. Um auch im Osten Service gewaehrleisten zu koennen, realisierte die KKH Datenverbindungen in den drei verschiedenen Netzen IBM-Connect, VSAT und Datex-P. Zwischenzeitlich sind mehr als 100 weitere, nachgeordnete Geschaeftsstellen ueber Datex-P erreichbar.

Im August 1991 setzte dann, auf dem vorhandenen Datennetz aufbauend, eine von Beginn an geplante Optimierungsphase ein. Das Datex-P-Netz stellte waehrend der Realisierung der ersten Projektphase unter dem Gesichtspunkt einer einheitlichen Netzstruktur die kostenguenstigste Alternative dar. Um jedoch die Implementierung nicht unnoetig zu komplizieren, war zunaechst davon abgesehen worden, durch eine Kombination unterschiedlicher Netzwerke sofort das Kostenoptimum zu erreichen. Durch die Liberalisierung des Netzmonopols der Telekom infolge der Postreform I boten sich jedoch neue Einsparungsmoeglichkeiten, da sich die Auswahl nicht mehr auf die Dienste der Telekom beschraenken musste.

Obwohl das bis zu diesem Zeitpunkt realisierte Datex-P-Netz weitgehend stabil war und auch die Antwortzeiten in den Niederlassungen akzeptable Werte erreichten, wuenschte sich die KKH eine bessere Verfuegbarkeit. Grund zur Klage ergab sich haeufiger bei Stoerfaellen, die die Telekom zu langsam behob. Die Betreuung eines relativ grossen Datennetzes mit inzwischen fast 500 angeschlossenen Lokationen durch einen Netzbetreiber sollte aus Sicht der KKH wesentlich individueller gestaltet sein, als es die Regeldienste der Telekom zulassen.

Die KKH forderte deshalb eine kompetente, auf den Netzanwender abgestimmte Betreuung bei den aktuellen Tagesproblemen wie auch bei strategischen Ueberlegungen. Ein dritter, nicht zu unterschaetzender Wunsch der KKH war, die eigentliche Netzueberwachung vollstaendig von Modem zu Modem an den Netzanbieter abzugeben und damit das komplette Netzwerk-Management outzusourcen. Ferner sollte fuer den Katastrophenfall ein Backup der Daten im Rechenzentrum gewaehrleistet sein. Fuer das Datennetz der KKH bedeutet das die Umschaltung des gesamten Netzes in ein anderes Rechenzentrum innerhalb von wenigen Stunden. Hinzu kamen die nahezu 500 Fernmelderechnungen, die mit grossem administrativem Arbeitsaufwand verbunden waren.

Auf dieser Grundlage wurde ein Pflichtenheft erstellt sowie eine Ausschreibung durchgefuehrt. Das Pflichtenheft ging an insgesamt sechs Bewerber, die sich zum damaligen Zeitpunkt im Markt etabliert hatten. Eine wichtige Voraussetzung fuer die Angebotsabgabe war die Anforderung an die Anbieter, fuer die KKH das gesamte Netzwerk in den alten Bundeslaendern betreiben zu koennen. Die neuen Bundeslaender sollten mittelfristig ebenfalls uebernommen werden.

Die eingehenden Angebote wurden anhand eines umfassenden Kriterienkataloges geprueft und verglichen, wobei insgesamt 26 Kriterien in vier Kategorien Beruecksichtigung fanden:

1. Technische Kriterien:

- Verfuegbarkeit,

- Netzdurchlaufzeit,

- Netzumschaltungs-Konzept und

- Netzwerk-Mangement.

2. Finanzielle Kriterien:

- Kalkulierte Netzkosten fuer drei Jahre.

3. Organisatorische Kriterien:

- Betreuungskonzept,

- Entstoerungszeiten und

- Rechnungsstellung.

4. Sonstige Kriterien:

- Marktstellung,

- Referenzkunden,

- Netzstatistiken sowie

- Einfluss auf den Netzausbau.

Die Phase der Netz- beziehungsweise Anbieterauswahl dauerte nahezu sechs Monate. Dabei kristallisierten sich zwei Anbieter heraus, die sowohl im technisch-konzeptionellen als auch im finanziellen Bereich die besten Loesungen aufzeigten.

Die Entscheidung fiel im April 1992 zugunsten der Debis Systemhaus Network Services GmbH die sowohl im technischen Bereich durch die saubere Netzkonzeption alle Anforderungen erfuellte als auch im Preis-Leistungs-Verhaeltnis das beste Angebot abgab.

Das Konzept sah vor, bei der KKH ein X.25-Netz zu realisieren. Dazu wurde in der KKH-Hauptverwaltung ein vermascht angeschlossener X.25-Netzknoten eingeplant. Er steht, um die Verfuegbarkeit im Katastrophenfall zu sichern, in einiger Entfernung zum Rechenzentrum innerhalb der KKH-Hauptverwaltung. Ferner pruefte der Anbieter alle Leitungsverbindungen der KKH in den alten Bundeslaendern unter dem Aspekt, ob die Uebernahme in das Debis-Netz Kostenvorteile ergeben wuerden oder nicht.

Um schnellere Umschaltung und vollstaendige Ueberwachung des gesamten KKH- Datennetzes gewaehrleisten zu koennen, sollten alle Datenleitungen (IBM-Connect, Datex-P und VSAT) auf den Debis-Netzknoten bei der KKH aufgeschaltet und das angemietete Backup-Rechenzentrum mittels ISDN an das Debis-Datennetz angebunden werden.

Fuer die Durchfuehrung setzen beide Vertragspartner je einen Projektleiter ein und erstellen einen Phasenplan mit den aufeinanderfolgenen Stufen Vorplanung, Detailplanung, Schaffung der Infrastruktur, Konfigurationstests, Umstellung der KKH- Niederlassungen sowie Redesign des Netzes.

Die Arbeiten begannen im Juni 1992. Parallel zur Vorbereitung des Netzknotenraumes liefen die Bestellungen von Anschlussleitungen (Datendirektrufverbindungen) und Hardwarekomponenten. Fuer die KKH kam noch eine weitere Aufgabenstellung hinzu, die in einem gesonderten Projekt zu loesen war. Das lokale Datennetz musste ebenfalls umgestellt werden, damit es nicht nur mit dem KKH-Host, sondern gleichzeitig auch - fuer Backup-Zwecke - mit dem Debis- Netzknoten kommunizieren konnte. Im Juli 1992 wurde dann der Netzknoten installiert und in das Debis-X.25-Netz integriert. Gleichzeitig konnte mit einer Testverbindung die bereits geplante Parametrisierung der Netzkomponenten geprueft werden.

Anfang August 1992 ging die erste KKH-Niederlassung in Stuttgart an das Debis-Netz. Nach dreiwoechigem Netzbetrieb dieser Niederlassung begann Ende August die eigentliche Umstellung. Es war beabsichtigt, bis Ende 1992 mindestens 55 Prozent des Datenvolumens der KKH in den alten Bundeslaendern auf das Debis- Netz zu uebertragen. Trotz einiger Schwierigkeiten, die hauptsaechlich auf die schleppende Schaltung der benoetigten Datendirektverbindungen (DDV) in den Ballungsgebieten zurueckzufuehren waren, konnte das Projektziel erreicht werden.

Um jetzt schon eine Aussage ueber die Qualitaet des Debis-Netzes zu machen, ist der Nutzungszeitraum zu kurz. Nach Abschluss der ersten Phase stellt sich das Netz vom Laufzeitverhalten jedoch zufriedenstellend dar. Die vereinbarten Werte werden erreicht.

Netzauslastung soll nach und nach gesteigert werden

Die Verfuegbarkeit des Netzes muss differenzierter betrachtet werden. Haeufig sind die Datendirektverbindungen der Telekom (Verbindungen der KKH-Niederlassungen mit dem Debis-Knoten) der Grund fuer Leitungsausfaelle. In diesen Faellen dauert die Stoerungsbeseitigung aehnlich lange wie bei Stoerungen auf den Datex- P-Leitungen. Hier versucht Debis unter anderem durch staerkere Einwirkung auf die Telekom, die Stoerungsbearbeitung effizienter und schneller zu gestalten. Stoerungen, die direkt mit Debis- eigenen-Netzkomponenten zusammenhaengen sind bisher vergleichsweise selten aufgetreten. Eine genauere Aussage, ob die von den Vertragspartnern angestrebten Verfuegbarkeitswerte erreicht werden, wird erst in den naechsten Wochen moeglich sein, wenn sich der Netzbetrieb eingespielt hat und Netzstatistiken vorliegen. Die weitere Planung sieht kurz- und mittelfristig drei wesentliche Schritte vor. Zunaechst kommt es darauf an, in den alten Bundeslaendern weitere KKH-Niederlassungen direkt in das Debis-Netz zu ueberfuehren, so dass bis Mitte 1994 rund 75 Prozent des KKH- Datenvolumens darueber transportiert werden koennen.

Der zweite grosse Komplex ist die Uebernahme des KKH-Datennetzes in den neuen Bundeslaendern. Mit hoher Prioritaet sollen bis Ende 1993 die zwoelf wichtigsten Standorte der KKH ueber das Debis-Datennetz an das zentrale Rechenzentrum in Hannover angeschlossen sein. Fuer die verbleibenden 103 Niederlassungen wird zumindest die komplette Netzueberwachung durch Debis angestrebt.

Der dritte wichtige Schritt ist die weitere Verbesserung der Stoerungsbearbeitung, um die Verfuegbarkeit des Datennetzes fuer die Niederlassungen zu vergroessern. Parallel dazu werden Moeglichkeiten von Ersatzschaltungen bei Leitungsausfaellen konzipiert, getestet und gegebenenfalls eingesetzt.

*Die Autoren Diplomkaufmann Klaus Breker und Diplominformatiker Uwe Tueting sind bei der KKH, Hannover, beschaeftigt.

KKH

Mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern ist die Kaufmaennische Krankenkasse Hannover (KKH) eine der groessten Krankenkassen Deutschlands. Einschliesslich der anspruchsberechtigten Familienangehoerigen betreut sie in nahezu 500 hauptamtlichen und ueber 3500 nebenamtlichen Niederlassungen ueber 2,1 Millionen Versicherte. Unter den rund 1200 Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung gehoert die KKH auch im vereinten Deutschland zu den mit Abstand groessten; nach der Zahl der Mitglieder gerechnet, steht sie an vierter Stelle.

Abb: Bis Mitte 1994 will die KKM 75 Prozent ihrer Daten ueber das Debis- Netz transportieren koennen.