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19.09.1986 - 

Unrealistische Erwartungen fördern Akzeptanzprobleme:

Kl steckt im Bankhereich noch in den Anfangen

FRANKFURT (kul)-Nach wie vor hat die Künstliche Intelligenz im Bankbereich mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. In den Vereinigten Staaten bahnt sich jedoch zunehmend ein Wandel an, die Europäer ziehen langsam nach. So das Fazit eines Seminars mit dem Titel "Expertensysteme für Kreditinstitute", das die Insiders GmbH aus Mainz in Frankfurt veranstaltete.

Um im als konservativ bekannten Bankgeschäft-überhaupt eine Erfolgschance zu haben, sind nach Worten von Insiders Prokurist Dr. Ernst Lebsanft unbedingt einige allgemeingültige Kriterien für die Einführung einer neuen Technik zu beachten: So müsse das Management die Einführung eines Expertensystems voll unterstützen. Eine Übereinstimmung zwischen Entwicklern und Fachbereichsmitarbeitern im Hinblick auf die spezifische Aufgabenstellung sei genauso zwingend notwendig wie den realistische Einstellung gegenüber der Künstlichen Intelligenz als solcher bei allen beteiligten Mitarbeitern.

Innerhalb der KI gibt es noch diverse Bereiche, die sich DV-technisch kaum oder gar nicht erschließen lassen. Deshalb plädiert Lebsanft für folgende Einführungsstrategie: Erste Voraussetzung ist für ihn die umfassende Information des Personals über Entwicklung und Stand der Technik. Sodann müssen Anwendungsgebiete ermittelt werden, in denen sich Expertensysteme mit heute verfügbaren technischen Mitteln erfolgreich entwickeln lassen. Nächster Schritt ist dann die Identifizierung einer konkreten Aufgabenstellung.

Da es im Bereich der Expertensysteme keine fertig verfügbaren SW-Engineering-Modelle gibt, mißt der Insiders-Prokurist der Durchführungsbetrachtung und Definition eines Pilotprojekts sowie der Wissenserhebung entscheidende Bedeutung bei. Besonders empfiehlt er die Erstellung eines Modells (Mock-up). Werde nämlich ein Prototyp ohne vorhergehendes Mock-up erstellt, sei immer die Gefahr übermäßig hoher Kosten gegeben, wenn das fertige System letztlich doch ungeeignet für den individuellen Fall ist.

Gefahr hoher Kosten ohne vorhergehendes Mock-up

Nach Festlegung der Systemarchitektur sowie der Auswahl geeigneter Tools ist dann die Entwicklung sowie die Inbetriebnahme und Evaluierung des Prototyps angesagt. Den Abschluß bildet die Überführung des Prototyping in eine Produktversion durch Erweiterung und Verfeinerung der Wissensbasis und verschiedener anderer Komponenten.

Wie in anderen Applikationsgebieten der Künstlichen Intelligenz sind die USA auch im Banksektor führend. So laufen beispielsweise an der University of Illinois, an der University of South Carolina und an der Harvard University verschiedene Projekte, die von der Vorhersage des Silberpreiswertes bis zur Anlageberatung unter steuerlichen Gesichtspunkten reichen.

Im industriellen Lager bieten unter anderem Apex, Palladian und Teknowledge Systeme für das Finanzwesen und die Kundenberatung an, während Arthur Andersen mit einer Lösung für die Revisionsplanung vertreten ist. Das als offenes System für die SW-Erstellung konzipierte Tool "Kee" vermarktet die auch in München vertretene Intellicorp. Zielgruppe sind in erster Linie Anwender, die vorwiegend mit Rechnern traditioneller Hersteller wie IBM und Digital Equipment arbeiten, aber auch KI-Spezialmaschinen von Symbolics einsetzen.

Inzwischen suchen die Entwickler in Europa verstärkt Anschluß an den Know-how-Vorsprung der Amerikaner. Triumph-Adler brachte beispielsweise ein System zur Sortierung und Vorverarbeitung von Eingangspost heraus. Ein breites Aktivitätsspektrum entfalten auch Forschungsinstitutionen wie die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), die Universitäten Saarbrücken und Stuttgart sowie die Technische Universität München. Die Projekte werden fast durchgehend in enger Kooperation mit einer Bank oder Sparkasse durchgeführt und reichen von der Erstellung von Finanzierungsplänen für Forschungsvorhaben bis zur expertensystemgestützten Filialanalyse.

Zu beachten ist allerdings, daß einige dieser Entwicklungen erst als Prototyp existieren, so daß sich ihr Wert für die Praxis noch nicht voll abschätzen läßt. Deshalb plädiert Insiders-Prokurist Lebsanft auch entschieden dafür, die Möglichkeiten von Expertensystemen gerade im Bankbereich nicht überzubewerten und keine unrealistischen Erwartungen zu hegen, denn: "Die Entwicklung der KI im Sektor der Finanz- und Kreditinstitute steht am Anfang."