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14.12.2001 - 

US-Bundesstaaten: Windows soll auch ohne integrierte Anwendungen angeboten werden

Kläger fordern härtere Auflagen gegen Microsoft

MÜNCHEN (CW) - Die verbliebenen Kläger im Kartellverfahren gegen Microsoft lassen nicht locker: Der Hersteller solle eine Windows-Version ohne integrierte Anwendungen offerieren, den Quellcode des "Internet Explorer" offen legen und seine Office-Produkte auch für andere Betriebssysteme wie Linux zur Verfügung stellen.

Auch nach dem außergerichtlichen Vergleich mit dem Justizministerium und neun US-Bundesstaaten ist das Kartellverfahren für Microsoft nicht ausgestanden. Die neun anderen Bundesstaaten, die die Einigung vom 2. November ablehnen, verlangen härtere Auflagen. Nur so lasse sich das wettbewerbswidrige Verhalten des Softwaremultis wirksam eindämmen.

In einer 40-seitigen Eingabe an die zuständige Bezirksrichterin Colleen Kollar-Kotelly verlangen die Kläger wesentlich strengere Sanktionen als in der Einigung vorgeschlagen. Der Hersteller solle gezwungen werden, eine Windows-Version ohne damit gekoppelte Zusatzprogramme wie den Browser Internet Explorer oder den "Media Player" zu offerieren. Zudem müsse der Quellcode des Internet Explorer für andere Softwarehäuser offen gelegt werden. Auch eine Lizenzierung der Windows-Quelltexte an Hardware- und Softwareanbieter zu einheitlichen Bedingungen wollen die Kläger erreichen.

Von größerer Tragweite für die Geschäftsstrategie der Gates-Company ist die Forderung, die Office-Produkte für andere Betriebssysteme wie Linux zur Verfügung zu stellen oder eine Portierung zuzulassen. Dazu zähle auch, dass die ursprünglich bis Mitte August befristete Unterstützung für das Apple-Betriebssystem "Mac OS" verlängert werde. Ebenso müsse Microsoft die plattformunabhängige Programmiersprache Java des Konkurrenten Sun Microsystems in vollem Umfang unterstützen. Mit Windows XP liefert der Desktop-Monopolist erstmals die Laufzeitumgebung Java Virtual Machine (JVM) nicht mehr aus.

In einer ersten Stellungnahme bezeichnete Microsoft die Vorschläge als extrem und dem bisherigen Prozessverlauf nicht angemessen. Allerdings steht die außergerichtliche Einigung ohnehin noch auf wackligen Beinen. So war etwa für vergangenen Mittwoch eine Sitzung des Justizausschusses im US-Senat zu diesem Thema angesetzt. Er sollte den Chef der Kartellbehörde, Charles James, befragen, warum er einer Beilegung des Verfahrens zugestimmt hat. Kollar-Kotelly will erst im Februar entscheiden, ob der Kompromiss rechtswirksam wird.

Offen ist bislang auch, ob Microsoft die rund 100 privaten Sammelklagen wie geplant außergerichtlich beilegen kann. Der Hersteller hatte sich bereit erklärt, die ärmsten Schulen der USA innerhalb der nächsten fünf Jahre mit Computern, Software und Dienstleistungen im Wert von zirka einer Milliarde Dollar zu versorgen.

Kritiker monierten, damit würde die Monopolstellung des Konzerns auf den Bildungssektor ausgeweitet. Konkurrent Apple schlug nun vor, dass Geld einer unabhängigen Stiftung zu übereignen, die die Mittel verteilen soll.

Im EU-Kartellverfahren gegen Microsoft wird es trotz der Bemühungen der Verteidigung voraussichtlich keine gütliche Einigung geben. Aus dem Umfeld der EU-Kommission ist zu hören, man habe entsprechende Vorschläge abgelehnt. Das Verfahren dürfte demnach im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden. (wh)