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31.10.1980 - 

EDV-Pflichtenhefte:

Klaffende Lücke zwischen Theorie und Praxis

ZÜRICH (sg) - Einen großen Aufmarsch, nämlich über hundert Personen aus der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung, hatte das von der Schweizerischen Vereinigung für Datenverarbeitung SVD zum Thema "EDV-Pflichtenhefte" kürzlich in Zürich abgehaltene, eintägige Seminar zu verzeichnen. Die Veranstalter, allen voran Informatik-Professor und SVD-Präsident K. Bauknecht und der Leiter des zu diesem Thema speziell eingerichteten SVD-Arbeitskreises, J. Schreiber, Direktor der Computer AG, sahen darin nicht mehr und nicht weniger als die "Bestätigung für die Richtigkeit des von der SVD eingeschlagenen Weges".

Weiter zeigten sich aber auch die Teilnehmer zweier ganz bestimmter Unternehmungsgruppen, nämlich die der Herstellerfirmen und die der Beratungsgesellschaften - beide Gruppen zusammen repräsentierten immerhin rund 40 Prozent der Anwesenden - allerdings mit unterschiedlicher Begründung, von dem Seminar sehr angetan. Die einen wären wohl froh, könnten sie in Zukunft nach einem Schema-F-Pflichtenheft offerieren, und die anderen sahen in der vom SVD herausgegebenen und am Seminar mit großer Hingabe vorgeführten Anleitung für die Erstellung von EDV-Pflichtenheften, einer gut hundert Seiten umfassenden Druckschrift, eine neuerliche Bestätigung dafür, daß sie es ja eigentlich in ihrer Beratungspraxis schon lange "fast" genauso angestellt haben.

Die Bedeutung der EDV-Pflichtenhefte für eine erfolgreiche EDV-Entwicklung konnte von den Rednern nicht genug betont werden. Jedoch herrscht eine nicht zu übersehende Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, an der wohl auch die über zwei Jahre währenden Bemühungen des SVD-Arbeitskreises nichts Wesentliches ändern können.

Theorie ist es zum Beispiel, wenn in der Anleitung für die Erstellung von EDV-Pflichtenheften davon ausgegangen wird, daß, sofern es sich empfiehlt, vom Anbieter eine Konventionalstrafe, etwa ein Prozent des Preises - wobei offenbleibt, welcher Preis hier gemeint ist - für jede Woche Lieferungsverspätung zu verlangen. Mitnichten werden die Anbieter in der Praxis auf diese Forderung eingehen und sie statt dessen, wie dies bereits laufend geschieht, als "in der Branche nicht üblich", und letztlich auch nicht machbar, schlicht und einfach ablehnen. Damit laufen sie, wie dies ebenfalls die Praxis kaum besser belegen könnte, erst noch keine Gefahr, etwa ein Geschäft zu verlieren.

Aber wie sagte Bauknecht, "auch beim Pflichtenheft muß die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben", und so gesehen, hat die vom SVD erarbeitete "Wegleitung" (sie kann zum Preis von 25 Franken beim SVD-Sekretariat bezogen werden) doch einiges zu bieten, und sei es auch nur die Anregung zur Vollständigkeit.

Informationen: SVD, Postfach 373, 8037 Zürich.