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12.07.1991

Klappe zu, Apple tot?

In ein "Abkommen" (Klappe zu, Apple tot) umgedeutet wurde von der Tages- und Wirtschaftspresse, was bislang lediglich eine "Absichtserklärung" darstellt: IBM und Apple wollen eine gemeinsame Softwarefirma gründen. Für Insider heißt das: Die beiden Parteien sind, was die Vertragsbedingungen betrifft, gerade nicht zu Potte gekommen, wobei klar ist, daß ein Verzögerungsinteresse bei Apple vorliegt. Bis zur Vollzugsmeldung bleibt also ein Vorbehalt - sei's drum.

Um aber zunächst die Maßstäbe zurechtzurücken: Mit dem Vergleich "als ob sich Frankreich und England gegen Deutschland verbündet hätten" kommentiert ein US-Marktforscher den IBM-Apple-Pakt, wobei unsere EG-Partnerstaaten für Big Blue und die Macintosh-Company stehen, die Bundesrepublik für den gemeinsamen Gegner - und der heißt Microsoft.

Der Vergleich hinkt gewaltig. Selbst wenn man nur den PC-Umsatz nimmt, also ein Siebtel der IBM-Einnahmen, ist Big Blue beinahe doppelt so groß wie Apple. Nur wäre es unredlich, den Mainframe-Giganten gleichsam statistisch auseinanderzunehmen. Das tut man, wenn es um die Verdeutlichung von Marktmacht geht, bei AT&T, Hitachi oder Siemens auch nicht. Das Verhältnis 12:1 drückt die wahre Größenordnung aus - um bei unserem Analysten-Beispiel zu bleiben: Luxemburg verbündet sich mit...

Hinter der Falschmeldung (Abkommen statt Absichtserklärung) und der schiefen Darstellung (Größenvergleich) verbirgt sich aber nicht die einzige Desinformation, die unabhängigen Beobachtern zu schaffen macht: Da wird überdies so getan, als umklammerten sich zwei Ertrinkende. In bezug auf Big Blue trifft das nicht zu. Für den mit enormen finanziellen Ressourcen ausgestatteten Mainframe-Riesen geht es nicht ums Überleben. Nein, hier handelt es sich um Ablenkung mit klarem Vorsatz - die US-Antitrust-Behörde läßt grüßen.

Was IBM will, ist klar: Die Armonker besitzen ein Quasi-Monopol im Mainframe-Bereich und beherrschen mit der AS/400 mittlerweile auch den Midrange-Markt - jetzt geht es um den Desktop. Kommt die Macht der IBM bei Mainframes und Minis von der "Proprietät", so ist es am Arbeitsplatz genau umgekehrt: Offene Standards (MS-DOS, Intel-Prozessoren) haben ein Monopol der IBM bei PCs verhindert - und davon profitieren insbesondere die Anwender.

Big Blue will mit Apple die Kontrolle über den PC- und Workstation-Markt, in dem sich ein labiles Open-Systems-Gleichgewicht, sprich: Wettbewerb, abzeichnet. Der Macintosh ist - bei allen Vorzügen - ein geschlossenes System. Es gibt Fälle, in denen es einem leid tut, gegen einen Anbieter zu argumentieren. Sorry, Apple! Aber erst kommt der Anwender - und dann der Mac.