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17.04.1992 - 

Überblick: Geplante Erweiterungen

Klar ist: IBM wird OS/2 so schnell sicher nicht aufgeben

Hat OS/2 Zukunft? Diese Frage stellen sich viele Planer, seit die IBM ihre AIX-Strategie so vehement vorantreibt und seit neue Pläne für das Betriebssystem "Poweropen" von IBM und Apple bekanntwurden. Hier ein Überblick über die geplanten Erweiterungen.

IBM wird für OS/2 einen neuen portablen Kernel anfertigen. Dieser Kernel soll den amerikanischen Sicherheitsbestimmungen nach dem C2-Standard entsprechen. Neue Techniken für ein objektorientiertes Dateisystem werden integriert. Das System soll symmetrisches Multiprocessing unterstützen. Die Unterstützung des Posix-Standards wird erwogen, ist jedoch noch nicht beschlossene Sache.

OS/2 soll auf diesem neuen, als portabel bezeichneten Betriebssystem Kernel laufen - diese Begriffe benutzt ein "White Paper" der IBM, welches die zukünftigen Entwicklungsschwerpunkte für OS/2 darlegt. Einfach gesagt : IBM setzt eine Zwischenschicht ein, von der der Benutzer nichts spürt. Diese Zwischenschicht regelt die Kommunikation mit eventuell neuer Hardware, so daß sich OS/2 auch auf RISC-Maschinen einsetzen läßt. Diese Strategie ist identisch mit der von Microsoft für Windows-32 und NT. Eine portable Version von OS/2 ist schon seit 1988 im Gespräch. Doch wurde bisher davon ausgegangen, daß Microsoft diese Version für die IBM mit entwickeln würde.

Dies ist nun nicht mehr der Fall. Die IBM hat sich offensichtlich allein daran gemacht, "Portable OS/2" zu schreiben. Unter dieser OS/2-Version können bestehende 32-Bit-Windows- und OS/2-Anwendungen laufen, wenn sie mit einem neuen Compiler für die RISC-Hardware recompiliert werden.

Heutige DOS-Anwendungen soll diese neue OS/2-Version genauso unterstützen wie bisher, obwohl dann DOS auf RISC-Maschinen läuft. Die IBM benutzt diese Technik ja bereits für ihr AIX-Betriebssystem auf den eigenen RISC-Maschinen. Doch wie sieht es mit 16-Bit-Windows- und OS/2-Anwendungen aus?

Hier tut sich ein bisher ungelöstes Problem auf. Es hat den Anschein, als würde sich die IBM nicht in der Lage sehen, 16-Bit-Windows- und OS/2-Anwendungen auf RISC-Hardware zum Laufen zu bringen. Der Grund liegt in der grundsätzlich anderen Art und Weise, die Speichersegmente zu adressieren. Deshalb empfehlen Insider, nur noch 32-Bit-Anwendungen zu schreiben. Diese Empfehlung berücksichtigt allerdings nicht, daß es erst sehr wenige Entwickler-Kits für 32-Bit-Anwendungen gibt.

Die in der OS/2-Version 2.0 erstmals angekündigte Workplace Shell wird zu einer vollständig objektorientierten Benutzerumgebung ausgebaut, welche die Entwicklung und Benutzung von objektorientierten Softwarepaketen erleichtert. Das Benutzer-Interface soll analog zu den Regeln des SAA-CUA (Common User Access) kontinuierlich ausgebaut werden. Die Obiekttechnologie aus dem Taligent-venture mit Apple will man in OS/2 integrieren.

Bei Multimedia will IBM sich an Microsoft halten

Die Makrosprache Rexx soll sich parallel dazu zu einer objektorientierten Sprache entwickeln, die der Endbenutzer selbst verwenden kann. IBM arbeitet mit anderen Firmen innerhalb der Computerindustrie zusammen, um objektorientierte 32-Bit-Werkzeuge wie auch Klassenbibliotheken für die Anwendungsentwicklung zur Verfügung zu stellen.

Im Bereich Multimedia will sich die IBM für OS/2 an die im November 1990 gemeinsam mit Microsoft spezifizierten Standards halten. IBM wird weiter hin die Regeln für verteilte Systeme, welche die Open Software Foundation definiert hat (Distributed Computing Environment, DCE), auch für OS/2 anerkennen, da die DCE-Regeln sich zu einem Bestandteil von SAA entwickeln sollen.

Zusammengefaßt: Die IBM plant, mit OS/2 ein Superset von Windows anzubieten und damit auf den exakt gleichen Abnehmerkreis zu zielen. Man positioniert OS/2 heute nicht mehr als High-end-Betriebssystem, sondern strebt eine Massenvermarktung an.

Klar ist, daß die IBM OS/2 so schnell sicher nicht aufgeben wird. Man will wenigstens einen Teil der Investitionen wieder in die Kassen bekommen. Nachdenklich macht die komplizierter werdende Abgrenzung gegen das hauseigene Unix-Produkt AIX. Offensichtlich ist man sich IBM-intern nicht ganz einig über das Desktop-Betriebssystem der 90er Jahre. Daß beide Systeme einmal zusammenwachsen, ist eine Vermutung die viele Fachleute teilen.