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Großrechner- und Client-Server-Umgebung zusammenführen


22.05.1998 - 

Klare Zuständigkeiten in RZs der neuen Generation

Das zentrale Rechenzentrum erlebt seinen zweiten Frühling: Zentrale Verwaltung der dezentralen DV heißt der aktuelle Trend, den Anwender verfolgen. Vielen ist unter der vor Jahren aufgehenden Client-Server-Sonne zu heiß geworden. Fachabteilungen, die ihre eigenen Server betrieben, sowie Anwender, die in Eigeninitiative den User-Support und die Internet-Geschäfte übernahmen, brachten die IT-Manager ins Schwitzen. Exemplarisch für den schwindenden Einfluß der IT-Abteilung waren die Ergebnisse einer Umfrage von Eckhard Klockhaus, der von 200 Entscheidern wissen wollte, ob und wie sie Windows 95 einzuführen gedächten. Ergebnis war, daß das Gros das damals neue Microsoft-Betriebssysteme kannte, aber ablehnte. Gleichwohl mußte es auf Druck der Hobby-DVer in den Fachabteilungen eingeführt werden.

Die Folgen sind bekannt: Da wäre etwa der extrem hohe Support-Aufwand zu nennen, den die Gartner Group folgendermaßen beziffert: In nicht standardisierten und organsierten Umgebungen, so die Marktforscher, muß ein Unternehmen für jeweils 100 Anwender sechs Fachkräfte für den Support abstellen.

Dem Problem ließe sich zwar mit einem höheren Automatisierungsgrad begegnen, so daß das Lizenz-Management, das Desaster-Recovery, die Datensicherung oder die Softwaredistribution ohne hohen Personalaufwand durchgeführt werden könnte. In den meisten Unternehmen scheitert ein solches Vorhaben aber, weil die PC-Netze samt ihrer eingebundenen Komponenten kaum standardisiert sind. Unterschiedlich konfigurierte PCs lassen sich nur schwerlich über Nacht und in einem Aufwasch per Softwaredistribution mit Updates oder neuen Betriebssystemen bestücken. "Die von Client-Server erhoffte Offenheit und Kompatibilität der Produkte gibt es nicht", resümiert Klockhaus. Der Geschäftsführer der DV Management und Beratung (DVMB) GmbH, Solingen, richtete kürzlich einen Kongreß zum Thema "Das Rechenzentrum der neuen Generation" aus. Die IT-Abteilung sei aufgefordert, unternehmensweite Standards für Hard- und Software sowie Kommunikationsinfrastrukur zu definieren.

Die angeschafften Client-Server-Lösungen aus den Unternehmen zu verbannen, wäre unsinnig. Vielmehr gilt es nun vor allem die Verantwortung der DV-Abteilung wieder zu stärken, und so "das Beste aus beiden Welten zu verbinden", erläutert der Berater.

Das heißt, die gut durchorganisierten Abläufe der Großrechner-Ära mit den Innovationen der Client-Server-Welt zu vereinen, um auf Basis einer funktionierenden IT-Landschaft ein IT-Marketing innerhalb des Unternehmens zu betreiben.

Eine der wichtigsten Aufgaben auf dem Weg zum modernen IT-Betrieb ist die Definition der Zuständigkeiten. Ist diese Aufgabe erledigt, münden die Vereinbarungen in den Service Level Agreements. Darin sind die Dienste, die die IT- den Fachabteilungen liefert und auch die dafür vorgesehenen Abrechnungsmodi festgehalten. Damit ist gleichzeitig aber auch klar, daß sich die Mitarbeiter des RZs in der Rolle eines Dienstleisters wiederfinden werden.

Die IT-Experten stehen im Spannungsfeld der unterschiedlichen Anforderungen. Sie selbst legen naturgemäß großen Wert auf eine einfache Administrier- und Installierbarkeit möglichst inklusive unternehmensweiter Kommunikationswege. Den Anwendern ist dagegen eine gut zu bedienende, die Produktivität steigernde DV mit kurzen Antwortzeiten am liebsten. Last, but not least gibt es die Geschäftsführung und das Management, das sein Augenmerk besonders auf das Preis-Leistungsverhältnis richtet.

Trotz der unterschiedlichen Anforderungen sollte sich die IT-Abteilung nicht die zentrale Verantwortung entziehen lassen. "Das RZ ist für alle technischen, wirtschaftlichen und strategischen Belange zuständig. Nur die funktionelle Verantwortung wird an die Fachabteilungen abgegeben", lautet die Empfehlung von Berater Klockhaus. Das, so berichten Seminarteilnehmer aus ihrem Ergebnisschatz, sei allerdings nicht immer durchführbar. Die Trennung zwischen funktionaler und strategischer Verantwortung unterlaufe oftmals die Geschäftsführung, die den Einsatz bestimmter Lösungen vorschreibe.

Derartige Konfliktfälle lassen sich nicht ausräumen, aber minimieren. Helfen sollte dabei ein mit den Fachabteilungen abgesprochenes Regelwerk über die Dienste der IT-Abteilung. In diesen Service Level Agreements (SLA) sind unter anderem die einzusetzenden Applikationen oder Kommunikationstechniken festgeschrieben. Für Problemfälle vereinbaren beide Partner garantierte Reaktions- und Behebungszeiten. Für den IT-Verantwortlichen bedeutet dies eine genaue Einsatzplanung der Support- und Help-desk-Ressourcen.

In diesen SLAs ist es durchaus möglich, auch den Anwender in die Pflicht zu nehmen. Eigentümer mobiler Notebooks mit kritischen Daten etwa werden verpflichtet, diese Informationen zu sichern. Eine zentrale IT-Abteilung hat hier kaum Zugriffsmöglichkeiten, sollte aber Voraussetzungen für Backups liefern. Auch bei Neuanschaffungen in den IT-Abteilungen müssen diese darauf achten, die vereinbarten Standards einzuhalten.

Klockhaus empfiehlt, drei Varianten von SLA-Verträgen zu entwerfen, die jeweils allesamt kurz und für die Fachabteilungen verständlich formuliert sein sollten. SLAs für die internen IT-Mitarbeiter beschreiben das Operating und den Support und liefern Arbeits- und Verfahrensanleitungen. Die Verträge für die Leitung der Fachabteilung enthalten unter anderem deren Verantwortungsbereiche. Dazu zählt gegebenenfalls der Virenschutz und die bereits angesprochene Datensicherung. Explizit sollte aber auch aufgeführt werden, was nicht in die Zuständigkeit der Endanwender fällt. Schließlich sollte eine SLA-Variante für die Fachabteilungen formuliert werden, die das gesamte Leistungsspektrum beschreibt und die Bedingungen für die Endanwender definiert.

Die klaren Trennungslinien zwischen diesen DV-Aufgaben sollten bei der Zuteilung der Mitarbeiter aufgeweicht werden. Zur besseren Ressourcen-Auslastung könnten etwa Help-desk-Mitarbeiter in Zeiten geringer Nachfrage Operating-Aufgaben übernehmen. Zudem läßt sich das während eines Projekts angesammelte Know-how bei den IT-Fachkräften später für Support-Aufgaben nutzen.

Das Rechenzentrum der nächsten Generation zentralisiert also nicht nur die Server- und Rechenkapazität an einer Lokation, sie übernimmt auch die federfüh- rende Verantwortung für alle DV-Komponenten. In einer solchen Umgebung dürften sich die Auswüchse der Client-Server-Umgebung und die in der Ver- gangenheit oftmals beklagte Arroganz der RZ-Mitarbeiter redu- zieren lassen. Die Abteilung wird einschließlich Rechenzentrum zu einem Dienstleister, der auf Kundenzufriedenheit Wert legt.