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11.01.1985

Klarer Fall von denkste

Klarer -Fall von Denkmal: Amerikas Topmanager halten IBM, noch vor Coca Cola, für das bestgeführte US-Unternehmen. Dieses Ergebnis einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins "Fortune" wird auch hierzulande kaum Widerspruch provozieren.

Da fällt es nicht ins Gewicht, daß der Fortune-Star offensichtlich Trouble hat mit der Festplattenmaschine des im Spätsommer 1984 mit viel Tamtam angekündigten Personal Computers PC AT (Advanced Technology). So werden derzeit keine Liefertermine genannt, sondern Wartezeiten von sechs bis neun Monaten avisiert.

Fein für Big Blue, daß nun der PC/XT, durch das AT-Announcement bereits liquidiert, ein Comeback feiern kann. Und was die Teile-Knappheit beim AT-02 betrifft (siehe oben) - der Mainframe-Marktführer hat Probleme mit dem Hersteller des Plattenlaufwerks, der Computer Memories Inc. in Chatsfort/Kalifornien: Es wird sich wohl ein zuverlässiger Zweitlieferant finden lassen.

Wen juckt es schon, daß Computer Memories just einen Quartalsverlust melden mußte. Tandon, Produzent von 3 1/2-Zoll-Mikrofloppies und bevorzugter OEM (Original Equipment Manufacturer) für den normalen PC und das XT-Modell, geht es schließlich nicht anders: Der kalifornische Platten-Highflyer ist mit Schmackes in die roten Zahlen gerutscht.

Halb so schlimm - für die Fortune-Auszeichnung kamen die blauen Hoflieferanten Tandon und Computer Memories von vornherein nicht in Betracht. Für beide werden, wie gesagt, andere OEM-Highflyer einspringen. Es war eben immer schon etwas Besonderes, mit IBM liiert zu sein. Grundprinzip: Jeder bekommt soviel, wie er verdient - auch wenn er dabei draufzahlt. Gefühle wird man in der DV-Branche nicht erwarten dürfen.

Klarer Fall von Aschenputtel: Die Sperry Corp., große alte Dame der Batch-Datenverarbeitung, ist zuletzt arg gebeutelt worden, mußte in nahezu allen Marktbereichen Einbußen hinnehmen, so bei Mainframes, Minis, Mikrocomputern, Datenstationen, Software und Service (Maintenance).

Nun ist den Sperry-Strategen etwas besonders Originelles eingefallen: Sie wollen den technischen Fortschritt für den Anwender kalkulierbar machen, und zwar sowohl nach der Richtung als auch nach Ergebnissen im einzelnen. Im Klartext: Der Kunde soll wissen, wann Sperry, zwischen heute und 1990, welches System auf den Markt zu bringen gedenkt. Planungssicherheit wird angestrebt. Das liest sich gut, ist aber wohl doch eine utopische Vorstellung, wie ein Seitenblick auf IBM (siehe AT-Spielchen) schnell deutlich macht.

Klarer Fall von denkste: Da wirbt Commodore derzeit massiv in Tages- und Wirtschaftszeitschriften für Business-Mikrocomputer ("Wirtschaftlich gesehen, so ziemlich das Beste, was Sie machen können"). Aha, glaubt man, der Heimcomputer-Primus geht mit neuen Maschinen (IBM-kompatibel und so) jetzt den Geschäftsmarkt an, um verlorengegangenes Terrain zurückzuerobern. Denkste: Bei dem ausgelobten Modell 8296D handelt es sich um einen 8-Bit-Rechner auf der Basis des 6502-Prozessors - technisch ein Uralt-Hobel. Doch das wird schamhaft verschwiegen. Wer's nicht merkt, ist selber schuld.

Fairplay wird man in der Computer-Industrie nicht erwarten dürfen. Wie wäre es sonst zu erklären, daß IBM und Commodore so überaus erfolgreich sind, während die brave Sperry Corp. in die Röhre schaut. Der Markt hat seine eigenen Gesetze. Alles klar?