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03.10.1986 - 

AI-Show zeigt Diskrepanz zwischen Forschung und Realität, aber:

Klassische DV und KI nähern sich an

Traditionelle DV und Künstliche Intelligenz sollen künftig immer stärker zusammenwachsen. Diese Quintessenz zogen jetzt die Aussteller der "AI Europa '86" in Wiesbaden. Die Veranstaltung selbst krankt allerdings an einem Konzept, das zu wenig auf den deutschen Markt zugeschnitten ist.

Gegenüber dem Vorjahr konnten die britischen Veranstalter einen Ausstellerzuwachs von 17 auf 28 vermelden und ein erweitertes Kongreßangebot offerieren. Das Programm selbst war allerdings mit zahlreichen Mängeln behaftet. So stimmten die Vorträge teilweise nicht mit den Ankündigungen überein. Bei einigen Referaten ließen sich denn auch die Zuhörer an den Fingern einer Hand abzählen. Im nächsten Jahr will man sich nach den Worten des Pressesprechers Stephan Fink deshalb um einen deutschsprachigen Rahmen bemühen. Trotzdem zweifelten viele Teilnehmer an einem Fortbestehen der "Fachmesse für Artificial Intelligence und Advanced Computer Technology".

Aus dem traditionellen Lager waren dieses Jahr namhafte DV-Produzenten wie Siemens, Nixdorf, Hewlett-Packard, PCS, Sperry, SEL, Fujitsu und Texas Instruments auf der Ausstellung vertreten. Den reinen Kl-Ansatz repräsentierten unter anderem Brainware und Intellicorp. Digital Equipment, Xerox und Symbolics erteilten der Veranstaltung eine Absage. Allerdings ließ sich der KI-Marktführer die Gelegenheit nicht entgehen, am Vortag des Kongresses die Zahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr (30. Juni) 1986 vorzulegen und neue Produkte anzukündigen.

Nach den Worten des Geschäftsführers Manfred Combüchen stieg der Umsatz weltweit von 69 Millionen Dollar im Vorjahr um 65,5 Prozent auf gut 114 Millionen Dollar. Gleichzeitig wuchs der Gewinn von 4,4 Millionen Dollar in 1985 auf 10,7 Millionen Dollar. Die deutsche Tochter erwirtschaftete im Berichtszeitraum einen Umsatz von knapp 19 Millionen Dollar gegenüber gut 11 Millionen Dollar im Vergleichszeitraum 1985.

Präsentiert wurden drei neue Lisp-Maschinen, die Modelle 3650, 3620 und 3610. Diese Spezialrechner basieren auf der Gate-Array-Implementierung der 36-Bit-Architektur in CMOS/VLSI-Technologie. Vorgestellt wurde ferner das Release 7.0 der Lisp-Umgebung "Genera". Bei diesem System handelt es sich um eine Mehrsprachenumgebung, die auf Lisp basiert und eine Reihe weiterer Sprachen wie Prolog, Fortran, Pascal und Ada unterstützt.

Trotz der Ausrichtung auf Spezialrechner für komplizierte Aufgabenstellungen plädierten die Verantwortlichen bei Symbolics für eine Zusammenführung der klassischen DV und wissensbasierten Systemen. Bislang sei diese Idee jedoch noch nicht verwirklicht, denn es bestehe nach wie vor eine Diskrepanz zwischen den Forschungszielen und den realisierten Lösungen.

Von der traditionellen Seite her engagiert sich Texas Instruments in der Kl-Szene. Erklärtes Ziel der Freisinger ist es, die wissensbasierten Systeme als eine für den Anwender akzeptable Erweiterung der konventionellen DV zu betrachten. Ein Schritt in diese Richtung sei bereits mit der Entwicklung der neuen Multiprozessorversion "Explorer LX" getan. Dieses System verbindet Lisp- und 68020-Unix-Prozessoren mit Softwaretools, die Herstellerangaben zufolge ein hohes Maß an Integration beider Umgebungen ermöglichen. Der Explorer LX ist nach Aussage von TI für Anwendungen ausgelegt, die eine Kombination von Lisp-Komponenten und rechenintensiven Programmen in den konventionellen Sprachen C, Fortran oder Pascal erforderlich machen. Als Einsatzgebiete nennt der Hersteller beispielsweise Prozeßsteuerung und Simulationsanwendungen.

Vorgestellt wurde zudem ein Exemplar des VLSI-Lisp-Chips, der für die Compact Lisp Machine (CLM) im Auftrag der Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts wird TI einen funktionsfähigen CLM-Prototyp an die Darpa zur Evaluierung liefern. Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen eine produktionsfähige Version dieses Halbleiters, den sogenannten Explorer Megachip. TI gab weiterhin bekannt, daß Unix künftig als Standard-Betriebssystem für alle Minicomputersysteme eingesetzt wird. Eigenen Aussagen zufolge investiert der Chip-Hersteller jährlich zirka 75 Millionen Dollar in den Bereich Künstliche Intelligenz.

Dem Thema "AI meets Parallel Computing" widmeten Brainware und Inmos eine Veranstaltung. Ziel des Treffens war es, die bisher getrennten Gemeinden der AI- und der Transputeranwender zu einem Gedanken- und Informationsaustausch zusammenzubringen.